Nominiert für den Deutschen Engagementpreis 2014

Projekte im Spotlight

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Deutschen Engagementpreises 2014 vor. Die Auswahl der präsentierten Projekte erfolgt zufällig und lässt keine Rückschlüsse auf die Zusammensetzung der Nominierten zu. Eine Darstellung aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Deutschen Engagementpreises 2014 finden Sie in dem rotierenden Element oben rechts auf dieser Seite.


Pflege am Boden

Pflege am Boden

"Bisher haben sich Pflegekräfte kaum organisiert, nur etwa 8 % sind in einem Verband oder in einer Gewerkschaft. Oft spielt Resignation, sehr oft aber auch Doppelbelastung (Haushalt, Familie) eine Rolle. Nun ist es gelungen eine Ausdrucksform für den Protest zu finden, der sehr viele folgen können und mögen."

Personalmangel, zu niedrige Löhne und eine geringe Wertschätzung der Pflegetätigkeit - die Situation der Pflegenden in Deutschland hat sich in den letzten Jahren stetig verschlechtert, die Pflege liegt am Boden. Um diese Situation zu verbildlichen legen sich seit Oktober 2013 bei bundesweiten Flashmobs unter dem Motto "Pflege am Boden" Protestierende für zehn Minuten auf den Boden, um auf die Pflegesituation in Deutschland aufmerksam zu machen.

"Pflege am Boden" ist ein unabhängiges Personenbündnis, das von dem Gesundheits- und Krankenpfleger Guy Hofmann und anderen Pflegekräften ins Leben gerufen wurde. Einmal im Monat demonstrieren Menschen, die in Pflegeberufen arbeiten oder pflegende Angehörige, für bessere Arbeitsbedingungen und eine menschenwürdige Pflege, indem sie sich an zentralen Orten zehn Minuten auf den Boden legen. Mit der Aktion möchte das Bündnis Veränderungen auf politischer Ebene erwirken, um die Situation von Pflegenden, Gepflegten und Angehörigen nachhaltig zu verbessern und auch den Pflegeberuf wieder attraktiver zu machen. Die Bewegung richtet sich vornehmlich an die verantwortlichen Politikerinnen und Politiker sowie die Öffentlichkeit, um über die Hintergründe und Ursachen des Pflegenotstands aufzuklären. "Pflege am Boden" sucht den Diskurs über die Probleme in der Pflegebranche sowie mögliche Lösungsansätze. Dass die Aktion Wirkung zeigt, machen Presseberichte und Gespräche mit Landtags- oder Bundestagsabgeordneten deutlich.

Mittlerweile finden Pflegeflashmobs in über 100 deutschen Städten statt. Mehr als 5.000 Personen beteiligen sich an der Aktion, die über Facebook organisiert wird. Die Initiatorinnen und Initiatoren von "Pflege am Boden" bieten den Pflegekräften, die bisher selten organisiert sind, eine niedrigschwellige Ausdrucksform für ihre Forderungen. Ziel des Bündnisses ist es, immer mehr Personen in Deutschland zu vernetzen und sie zum Mitmachen zu motivieren. Denn die gesamte Bewegung lebt dabei von dem Engagement Einzelner: Je mehr Personen sich beteiligen und sich auf den Boden legen, desto mehr Menschen werden ermutigt, für die Verbesserung der Pflege aufzustehen.

Foto: Florian Schlund

Preiskategorie: Gemeinnütziger Dritter Sektor
Engagementbereich: Soziales, Politik

www.pflege-am-boden.de/


September

Projekt EinDollarBrille – Enactus MünchenProjekt EinDollarBrille – Enactus München

„Es ist uns in Zusammenarbeit mit Martin Aufmuth gelungen das Wissen aus unserer technisch hoch entwickelten Brillenindustrie so zu vereinfachen, dass es in Entwicklungsländern anwendbar und für die Menschen dort erlernbar ist. Damit haben wir es möglich gemacht, ein großes Problem im Gesundheitssektor auf nachhaltige Weise zu lösen.“

Sie ist eine Alternative zu Kontaktlinsen, bewusst gewähltes Stilaccessoire oder schlicht ein Hilfsmittel – die Brille. Doch egal, wie wir sie sehen, hier in Deutschland ist ihre Anschaffung bei einer Sehschwäche eine Selbstverständlichkeit. Für rund 150 Millionen Menschen auf der Welt, vor allem in Entwicklungsländern, ist sie das jedoch nicht. Sie benötigen eine Brille, können sich aber keine leisten. In der Folge können sie nicht lernen, nicht arbeiten und nicht für ihre Familien sorgen. Diesem Problem begegnet der Mathematik- und Physiklehrer Martin Aufmuth mit einem einfachen wie genialen Konzept: Der EinDollarBrille.

Die EinDollarBrille besteht aus einem leichten, flexiblen und stabilen Federstahlrahmen, in den fertige Kunststoffgläser ohne Verwendung von Werkzeugen eingesetzt werden. Die Rahmen werden auf einer eigens entwickelten Biegemaschine hergestellt, die ohne Strom funktioniert. Herstellung und Verkauf der Brillen können in einem 14-tägigen Intensivkurs erlernt werden. So können Menschen in Entwicklungsländern einfach und nachhaltig zu EinDollarBrillen-Optikerinnen und -Optikern ausgebildet werden. Nach Abschluss ihrer Ausbildung erhalten sie eine komplette Ausrüstung bestehend aus der Biegemaschine und genügend Material für 1.000 Brillen. Der Materialpreis der Brille liegt bei rund einem US-Dollar, der Verkaufspreis bei zwei oder drei ortsüblichen Tageslöhnen. Dies ermöglicht auch sehr armen Menschen den Kauf einer Brille. Die EinDollarBrillen-Optikerinnen und -Optikern wiederum können mit dem Verkauf der Brillen sowohl ihren Lebensunterhalt bestreiten als auch Material nachkaufen. Diese Hilfe zur Selbsthilfe ist zentraler Bestandteil des Projekts.

Neben Martin Aufmuths Verein EinDollarBrille e.V. bringt seit 2012 auch die studentische NPO Enactus die EinDollarBrille zu den Menschen in Entwicklungsländern. Das EinDollarBrillen-Team in München besteht aus 15 Studentinnen und Studenten verschiedener Fachrichtungen. Ehrenamtlich erstellen sie Ausbildungskonzepte und Manuals, kümmern sich um Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising, reisen aber auch direkt in die jeweiligen Länder und führen dort die EinDollarBrillen-Workshops durch. In Bolivien, Ruanda und Burkina Faso hat Enactus München in Kooperation mit lokalen Organisationen die EinDollarBrille bereits erfolgreich eingeführt und wendet sich jetzt Brasilien zu. Ziel ist, mit der EinDollarBrillen-Ausbildung vor allem Menschen mit Behinderung, Arbeitslose und Frauen in ihrer Entwicklung zu stärken.

Bislang hat das EinDollarBrillen-Team von Enactus dazu beigetragen, dass 1.500 Menschen mithilfe der Brille endlich wieder richtig sehen können und ein selbstbestimmtes Leben führen. Dank der fortlaufenden Ausbildung von EinDollarBrillen-Optikerinnen und Optikern wird sich diese Zahl schnell vervielfachen.

Foto: Enactus München 

Preiskategorie: Gemeinnütziger Dritter Sektor
Engagementbereich: Entwicklungszusammenarbeit, Soziales, Sonstiges

Enactus München - EinDollarBrille

Stadt Rhede „AKKU - Arbeitskreis Kultur Rhede“Stadt Rhede „AKKU - Arbeitskreis Kultur Rhede“

„Ob Musiker, bildende Künstler, Fotografen, Kabarettisten, Autoren, Tänzer, Chöre und Nachwuchstalente sämtlicher Kultursparten — der AKKU umfasst inzwischen eine große, engagiert kooperierende Künstlergemeinde sowie weitere künstlerisch-kreative Köpfe. Doch nicht nur diese Vielfalt macht den AKKU aus, sondern auch der hohe Anteil an ehrenamtlicher Arbeit.“

Hinter dem Namen „AKKU“ verbirgt sich der „Arbeitskreis Kultur Rhede“, der von der Stadt Rhede als offene Interessengemeinschaft zur Förderung und Entwicklung des kulturellen Lebens in Rhede ins Leben gerufen wurde. Am 28. Juni 2001 fiel der Startschuss für den „AKKU“: eine kleine Gruppe, bestehend aus Kulturinteressierten und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus der Verwaltung traf sich, um der Kultur in der Stadt Rhede ein neues Gesicht zu geben. Bürgerinnen und Bürger sollen generationsübergreifend Kultur schaffen und erleben können und dies in der ganzen Stadt. Angestrebt wurde ein Netzwerk aus Interessierten, von Musikerinnen und Musikern über Kulturträger bis hin zu kulturaffinen Gewerbetreibenden, die sich selbst organisieren und Veranstaltungen planen. Hierbei steht ihnen die Verwaltung als zentrale Anlaufstelle zur Terminkoordination sowie bei der Öffentlichkeitsarbeit mit ihrem fundierten Wissen unterstützend und beratend zur Seite.

Nach über zehn Jahren hat sich die zunächst kleine Gruppe zu einem sichtbaren Netzwerk von über 170 Akteurinnen und Akteuren entwickelt. Mit von der Partie sind unter anderem der Heimatverein mit Museum, die Volkshochschule, der Bühnenspielverein, der Hamaland Kunstkreis, das Stadtmarketing, die St.-Gudula-Kirchengemeinde, die Musikschule, die Seniorenvertretung, Künstlerinnen und Künstler aller Sparten und kulturinteressierte Bürgerinnen und Bürger. Neben der Jahresversammlung finden themenspezifische Arbeitskreise statt. Mit wechselnden Themen befassen sich zudem kleine Projektgruppen, die verschiedene kulturelle Serienangebote erarbeiten, so zum Beispiel die „Mittags Pause am Abend“, ein lockerer Gesprächs- und Musikabend.

Das künstlerische Potenzial in und um Rhede ist „mehr als der R(h)ede wert“ und längst noch nicht komplett erschlossen. Ohne das große ehrenamtliche Engagement wäre so manche Veranstaltung nicht zu planen gewesen und so mancher Tisch und Stuhl vor einer Aufführung nicht bewegt worden. Mittlerweile kann der „AKKU“ auf ungefähr 200 organisierte kulturelle Veranstaltungen an 27 Kulturorten im Jahr stolz sein und freut sich auf zukünftige Projekte, die aus den Ideen der zahlreichen engagierten Menschen in Rhede entstehen und das kulturelle Geschehen in der Kleinstadt beflügeln.

 

Foto: Stadt Rhede „AKKU - Arbeitskreis Kultur Rhede“

Preiskategorie: Politik & Verwaltung, Gemeinnütziger Dritter Sektor, Einzelpersonen
Engagementbereich: Engagementförderung, Kultur

www.akku-rhede.de

Green City e.V.: Mehr Umweltschutz für MünchenGreen City e.V.: Mehr Umweltschutz für München

„Frische Luft, mehr Grün, weniger Lärm – das ist die Zukunftsvision von München: ein München für Menschen!“

Die bayerische Landeshauptstadt München gilt als Großstadt mit hoher Lebensqualität. Die „Green City e.V.“ setzt sich seit 1990 dafür ein, dass München grün und lebenswert bleibt und hat es sich zur Aufgabe gemacht, München zukunftsfähiger zu gestalten. Ihre Anliegen sind stadtverträgliche Mobilität, verantwortungsvoller Umgang mit Energie, nachhaltige Stadtgestaltung und Umweltbildung für alle Altersgruppen.

Durch Aktionstage, Podiumsdiskussionen und Umweltbildungsprojekte fördert der Verein bürgerschaftliches Engagement, Bewusstseinsbildung sowie den gesellschaftlichen Diskurs rund um das Thema Umweltschutz. Jährlich werden etwa 160 Veranstaltungen und Aktionen auf die Beine gestellt, die thematisch auf der Höhe der Zeit, nah am Menschen und der Politik auf den Fersen sind. Umweltschutz mit Spaß ist das Motto. Der „grüne“ Faden dabei ist: Die einfache Integration von Nachhaltigkeit ins tägliche Leben. Die „Wanderbaumallee“ verwandelt mit ihren 15 mobilen heimischen Bäumen graue Straßen für einige Wochen in grüne Alleen und erfreut die Bürgerinnen und Bürger mit einem Blick ins Grüne. Um die Bäume von einem Ort zum anderen bewegen zu können, befinden sich diese fest verwurzelt in einem Behälter mit Erde auf Rollen. Im Vorfeld werden Anwohner und Anwohnerinnen über die mobile Begrünungsaktion informiert sowie motiviert, sich als „Gießpate“ oder „Gießpatin“ zu engagieren, denn die Bäume müssen täglich gegossen werden. Gleichzeitig werden Bürgerinitiativen unterstützt, die sich für eine Begrünung ihres Viertels einsetzen. Seit 1992 wird mit dieser Aktion für eine dauerhafte Begrünung Münchens geworben. Die „Wanderbaumallee“ ist nur eines der zahlreichen und vielseitigen Erfolgsprojekte, mit denen „Green City e.V.“ München in den letzten zwei Jahrzehnten aktiv mitgestaltet hat.

Bei „Green City e.V.“ arbeiten der achtköpfige ehrenamtliche Vorstand und rund 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Hand in Hand mit rund 690 Vereinsmitgliedern und über 300 Ehrenamtlichen und Helfenden. Mit Mut, Weitblick, Begeisterung und Professionalität wird gemeinsam gehandelt und die Vision eines grüneren und noch lebenswerteren Münchens mit Leben gefüllt. Heute ist „Green City e.V.“ die größte Umweltschutzorganisation der bayerischen Landeshauptstadt. 2003 errichtete „Green City e.V.“ das Tochterunternehmen „Green City Projekt GmbH“, die seither als Dienstleisterin des „Green City e.V.“ erfolgreiche Großveranstaltungen wie das „Streetlife-Festival“ und die Münchner „Blade Night“ ausrichtet. 2005 folgte die „Green City Energy AG“, die sich dem Ausbau erneuerbarer Energien widmet.

„Green City e.V.“ stößt Neues an, bringt frische Ideen ein, erarbeitet kreative Lösungsansätze für drängende Umweltprobleme und zeigt, dass Nachhaltigkeit die sinnvollste und erfolgreichste Leitlinie ist.

Foto: Green City e.V.

 

 

Preiskategorie: Gemeinnütziger Dritter Sektor
Engagementbereich: Umwelt

http://www.greencity.de/

Villekula e.V. – Kunterbunte Zukunft machenVillekula e.V. – Kunterbunte Zukunft machen

 „Durch die eigene Erfahrung mit Schaufel und Hacke, beim Unkraut Jäten oder Säen lernen die Kinder und Jugendlichen wieviel Arbeit hinter einer reifen Tomate oder Zucchini steckt. Dadurch kann ein nachhaltiger Umgang mit Nahrungsmitteln und der Natur erlernt werden, was dazu führt den eigenen Konsum zu überdenken.“

Der Name ist Programm: „Villekula“ heißt auf Schwedisch kunterbunt und bedeutet für die Gründerin des Vereins Tjorven Reisener echtes Kinderlachen und buntes Gemüse. Die ursprüngliche Idee, Gartenprojekte für Kinder und Jugendliche anzubieten, entstand auf einer längeren Reise. Tjorven Reisener entdeckte die Begeisterung der Kinder für Natur und Pflanzen, erlebte aber auch, dass Kinder nicht mehr wissen, woher das Gemüse kommt, wie es wächst und was es dafür braucht. Auch die steigende Anzahl übergewichtiger Kinder in Deutschland bestärkte sie, den gemeinnützigen Verein „Villekula e.V.“ im Jahr 2014 ins Leben zu rufen. „Villekula e.V.“ verfolgt das Ziel Kindern und Jugendlichen einerseits den Zugang zur Natur, Nahrungsmitteln und zu ihrem eigenen Körper zu vermitteln und möchte ihnen andererseits ermöglichen, sich auszuprobieren, ihre Talente, Stärken und Schwächen zu entdecken und hiermit ihre Selbstkompetenz zu fördern. Durch die praktischen Erfahrungen im Garten und in der Natur wird ein Bewusstsein für das eigene Konsumverhalten geschaffen und ein nachhaltiger Umgang mit der Natur gefördert, nach dem Motto: „Vom Konsument zum Produzent.“ Die ehrenamtlichen Begleiterinnen und Begleiter vermitteln dazu das nötige Wissen mit einer großen Portion Spaß.

Nicht jedes Kind hat in der Stadt Zugang zu einem Garten, umso schöner ist es daher, wenn es die Möglichkeit gibt, sich zum gemeinsamen Gärtnern im Grünen zu treffen. Das Projekt „Garten:Kinder“ lädt jeden zweiten Samstag Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren bei gutem Wetter in den Schrebergarten ein. Es wird gesät, gebuddelt, gejätet, gepflanzt, geredet, ganz viel gearbeitet, zusammen gegessen und entspannt. Gemeinsam mit dem Ferienpass und der Jugendkirche St. Michael wurde das fünftägige Projekt „Sommer vo(r)m Balkon“ initiiert. Hier können Kinder ab zwölf Jahren kostenlos testen, wie man Balkon oder Terrasse verschönert, ob Salat auch in der Regenrinne gedeiht, ein Korken als Blumentopf dienen kann oder ob eine Plastikflasche als Selbstbewässerungssystem funktioniert.

 „Villekula e.V.“ erschafft Freiräume, in denen sich Kinder und Jugendliche ausprobieren und ihrer Kreativität freien Lauf lassen können. Zukünftig möchte der Verein ältere Menschen einbinden, die gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen gärtnern, um kostbares Wissen über Gartenarbeit, Anbau und Verarbeitung zu erhalten und ein Begegnen der Generationen auf Augenhöhe zu ermöglichen.

Foto: Villekula e.V.

Preiskategorie: Gemeinnütziger Dritter Sektor, Schwerpunkt 2014: Miteinander der Generationen
Engagementbereich: Soziales, Bildung, Kultur, Kirche, Umwelt

http://villekula.de/

August

In Deaf Med e.V.In Deaf Med e.V.

"Unsere Vision ist es, für gehörlose Menschen Räume zu schaffen, in denen Gehörlosigkeit keine Behinderung ist, sie erfüllende Arbeit finden und in einen regen Austausch mit Hörenden kommen. "

Sprachbarrieren überwinden - das ist nicht nur in der gesprochenen Sprache wichtig. 300.000 gehörlose und an Taubheit grenzend schwerhörige Menschen leben in Deutschland und sprechen die Gebärdensprache. Einen Beruf zu ergreifen, der vor allem von Hörenden ausgeübt wird, einen Arzt zu besuchen, der auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet ist - das ist für die meisten gehörlosen Menschen allerdings nicht möglich. Die Zahnärztin Marianela von Schuler Alarcon möchte dies ändern und gründete den Verein In Deaf Med mit dem Ziel, gehörlosen Menschen in Deutschland eine barrierefreie medizinische Versorgung zu ermöglichen sowie taube Menschen in diesem Bereich auszubilden.

Marianela von Schuler Alarcon kam vor zwölf Jahren von Venezuela nach Deutschland. Anfangs fühlte sie sich ausgegrenzt - vor allem wegen der fehlenden Kommunikationsmöglichkeiten. Erst mit dem Erlernen der deutschen Sprache begann sie, das Leben in Deutschland zu schätzen. Um ihre Erfahrungen an Personen weiterzugeben, die oft unter Sprachbarrieren leiden und aufgrund dessen diskriminiert werden, lernte sie die deutsche Gebärdensprache. Denn gehörlose Menschen haben oft Hemmungen, zum Arzt zu gehen und häufig verstehen sie nicht, was behandelt werden muss. Vor diesem Hintergrund bietet Marianela von Schuler Alarcon nun zahnärztliche Sprechstunden für gehörlose Patientinnen und Patienten an. Eine zweite Zahnarztpraxis, in der Menschen in Gebärden kommunizieren, gibt es in Hamburg und Norddeutschland nicht. In ihrer Praxis ist die Zahnarzthelferin ebenso gehörlos wie der Patient. In die Praxis kommen taube Menschen aus ganz Deutschland.

Die Zahnärztin behandelt in ihrer Praxis auch hörende Patientinnen und Patienten, um zum besseren Verständnis zwischen Gehörlosen und Hörenden beizutragen. Dieser Austausch ist ein wichtiges Element des Ansatzes von In Deaf Med und wird durch Kommunikationsworkshops, in denen Gehörlose und Hörende voneinander lernen, weiter verstärkt. Um einen weiteren Schritt hin zu einer lebendigen Inklusion zu machen, hat sich In Deaf Med ein zweites Ziel gesetzt: Die Ausbildung von gehörlosen zahnmedizinischen Fachangestellten soll gefördert werden - ein Beruf, den taube Menschen bisher nicht erlernen konnten. Da es für medizinische Berufe bisher keine gesonderten Ausbildungsrichtlinien für Gehörlose gibt und die staatliche Berufsschule auf eine solche Ausbildung nicht vorbereitet war, setzt sich von Schuler Alarcon dafür ein, dass mit verschiedenen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern der Berufsschule, Zahnärztekammer und Inklusions-Behörden ein Ausbildungsweg festgelegt wird. Sie unterrichtet drei Auszubildende mindestens einmal in der Woche unterstützend in ihren Berufsschulfächern, der Unterricht findet in Gebärdensprache statt. Für viele Fachbegriffe gibt es noch keine Gebärde. Diese entwickelt sie nun gemeinsam mit den Auszubildenden, erstellt dazu Videos und plant die Publikation des Fachgebärdenlexikons.

Marianela von Schuler Alarcons vorbildlicher Einsatz geht auch in Zukunft weiter: Der Verein In Deaf Med möchte seine Idee vorantreiben, interessierte Ärztinnen und Ärzten aus anderen medizinischen Bereichen motivieren, sich stärker für die gehörlosen Patientinnen und Patienten einzusetzen, und Arbeitsplätze für gehörlose Menschen schaffen.

Foto: In Deaf Med e.V.

Preiskategorie: Gemeinnütziger Dritter Sektor
Engagementbereich: Soziales, Bildung, Engagementförderung, Kultur

http://indeafmed.com/

„Breites Bündnis gegen Rechts“ – „Delmenhorst bleibt bunt“„Breites Bündnis gegen Rechts“ – „Delmenhorst bleibt bunt“

„Wir setzen uns zum Ziel, alle demokratisch eingestellten Kräfte in Delmenhorst zusammenzuführen, die sich dauerhaft gegen soziale Ausgrenzung, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus engagieren und verhindern wollen, dass sich menschenverachtendes Denken und Handeln in der Stadt etablieren können.“

Rechtsextremismus ist längst keine Randerscheinung mehr. Von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet, entstehen Strukturen, welche unsere Zivilgesellschaft untergraben und bedrohen. Die Bundeszentrale für Politische Bildung beschreibt hier deutlich ein unterschätztes Problem. Umso mehr gewinnt die Netzwerkarbeit gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus für Kommunen in Deutschland an Bedeutung. Dabei kommt es vor allem auf eine gute Zusammenarbeit der unterschiedlichen Akteurinnen und Akteure und Institutionen vor Ort an.

Das „Breite Bündnis gegen Rechts“ – „Delmenhorst bleibt bunt" zeigt vorbildhaft auf, wie eine gelungene Vernetzung gegen Rechtsextremismus gelingt und wie sich die Bürgerinnen und Bürger sowie die Institutionen einer Stadt mit viel Engagement für Toleranz, Menschlichkeit und Demokratie erfolgreich einsetzen. Im November 2010 wurde das überparteiliche „Breite Bündnis gegen Rechts“ – „Delmenhorst bleibt bunt“ offiziell gegründet. Der Sprecherrat bildet die Basis, von der aus Aktionen der zahlreichen Bündnispartner koordiniert und organisiert sowie auch Einzelaktionen unterstützt werden. Mit vielfältigen Formaten und Aktionen spricht das Bündnis eine breite Öffentlichkeit an. Es organisiert Veranstaltungen, Vorträge, Konzerte, Mahnwachen, Infostände in der Stadt und Projekten an Schulen. Auch über soziale Medien wie Facebook oder über Plakataktionen wird die Bevölkerung informiert und Aufklärung vorangetrieben.

Besonders wenn Wahlen vor der Tür stehen, seien es Kommunalwahlen oder die Europawahl im Mai 2014, engagiert sich das Bündnis stark und mobilisiert die Bevölkerung, um rechten Parteien den Einzug in die Parlamente zu verwehren. Bei der ersten „Langen Nacht der Jugend“ im vergangenen Jahr setzte sich die Stadt Delmenhorst mit dem Thema Respekt auseinander. Auch das „Breite Bündnis gegen Rechts“ – „Delmenhorst bleibt bunt“ wurde hier aktiv mit einer gut besuchten Veranstaltung zur Erinnerung an die Verbrechen im Nationalsozialismus, an der sich insgesamt 32 Vereine und Institutionen beteiligten.

Für die Zukunft ist geplant, die bisher erfolgreiche Arbeit dauerhaft zu etablieren. Besonderes Gewicht möchte das Bündnis dabei auf die Zusammenarbeit mit Schulen und Vereinen, sowie die Vernetzung mit anderen Bündnissen legen.

 

Foto: „Breites Bündnis gegen Rechts“ – „Delmenhorst bleibt bunt“

Preiskategorie: Gemeinnütziger Dritter Sektor
Engagementbereich: Soziales, Bildung, Engagementförderung, Kultur, Politik

www.buntesdel.de

Freundeskreis der Stadtbücherei Wolfenbüttel e.V.Freundeskreis der Stadtbücherei Wolfenbüttel e.V.

„Wir versuchen immer wieder, durch die unterschiedlichsten Veranstaltungen, die Stadtbücherei für die Bevölkerung attraktiv zu machen und zugleich deren kulturpolitische Interessen und Ideen mit zu vertreten.“

„Lesen berührt. Lesen verführt. Lesen beflügelt.“ – mit diesem Slogan lockt die Stadtbücherei Wolfenbüttel seit Jahren Leselustige in ihre Hallen. Ihre Anziehungskraft verdankt die Bücherei zu einem großen Teil dem ehrenamtlichen Engagement des Freundeskreises der Stadtbücherei Wolfenbüttel e.V., der mittlerweile seit fast 20 Jahren die Arbeit der Stadtbücherei mit finanziellen Zuwendungen, eigenen Veranstaltungsreihen und politischer Lobbyarbeit unterstützt.

Einsparungspläne der Stadt, die das Angebot der Stadtbücherei massiv einzuschränken drohten, waren 1995 ausschlaggebend für die Entstehung des Freundeskreises. Die 27 Gründungsmitglieder einte ein Ziel: Ebenso interessante wie unterhaltsame Leseerlebnisse schaffen – für jeden Mann, jede Frau und jedes Kind in Wolfenbüttel.
Ein Blick auf den Veranstaltungskalender für 2014 zeigt, dass ihnen das gelungen ist: Neben einem wöchentlichen Bücherflohmarkt gibt es verschiedene Lesezirkel für Erwachsene, für Kinder und für Frauen. In Zusammenarbeit mit dem Kino werden Literaturverfilmungen gezeigt, immer wieder finden Autoren-Lesungen statt und unter dem Titel „Lesung zur Genesung“ bekommen Patientinnen und Patienten im Krankenhaus aufmunternde Geschichten vorgelesen. Speziell für die junge Generation organisiert der Freundeskreis der Stadtbücherei jedes Jahr die Wolfenbütteler Kinder- und Jugendbuchwoche, während der namhafte Autorinnen und Autoren Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 1-6 besuchen, ihnen vorlesen und mit ihnen über ihre Bücher und ihre Arbeit sprechen.

Der Initiative des Freundeskreises ist es außerdem zu verdanken, dass die Stadtbücherei 2006 in die Räume des alten Wolfenbüttler Bahnhofs einziehen konnte. Zwei Drittel der Kosten übernahm der Verein für den Umbau des alten Bahnhofsgebäudes zum modernen „Kulturbahnhof“ – nun ein beachteter Faktor im Kulturleben der Stadt. Für das neue Corporate Design der Stadtbücherei beauftragte der Freundeskreis eine Diplomdesignerin, die Bahnhof und Bücherwelt gestalterisch miteinander verschmelzen ließ. Die Stadtbücherei ist so zu einem Ort geworden, von dem aus man mit Büchern auf Reisen gehen kann.

Über die Jahre hat der Freundeskreis der Stadtbücherei Wolfenbüttel e.V. Beachtliches geleistet: Durch das Engagement der inzwischen fast 100 Mitglieder ist in Wolfenbüttel ein attraktives Kulturangebot rund ums Lesen und Literatur entstanden. „Lesen beflügelt“ – da scheint was dran zu sein!

 

Foto: Freundeskreis der Stadtbücherei Wolfenbüttel e.V.

Preiskategorie: Gemeinnütziger Dritter Sektor
Engagementbereich: Soziales, Bildung

www.freundeskreis-wolfenbuettel.de

Rote NasenRote Nasen

„Das Ziel der „Rote Nasen“ Clowns ist es, Menschen mit der Kraft des Humors zu stärken und ihnen in schweren Zeiten neuen Mut und Lebensfreude zu schenken“.

In Krankenhäusern gibt es nur selten etwas zu lachen. Doch wenn sich plötzlich statt weißer Kittel rote Pappnasen ins Krankenzimmer schieben, werden Ängste und Sorgen für einen Augenblick nebensächlich.
Der Verein „Rote Nasen" sieht seine Aufgabe darin, Heiterkeit und Lachen dort entstehen zu lassen, wo sonst die Atmosphäre oft gedrückt und belastet ist: auf Kinderstationen, aber auch bei erwachsenen Patientinnen und Patienten, in Flüchtlingslagern und Altenheimen. Die „Rote Nasen" sorgen für Spaß und Gelächter und bringen damit eines der wichtigsten Heilmittel zu denen, die es dringend brauchen: den Humor. Lachen kann nicht alles heilen, aber ist gesundend für Leib und Seele - so bekommt beispielsweise auch für traumatisierte Flüchtlingskinder der Alltag einmal ein heiteres Gesicht.
Die Clowns können die Angst vor der bevorstehenden Operation vergessen machen, die Hoffnung auf onkologischen Stationen wieder anfachen und die Geriatrie-Zimmer mit Freude füllen. Lachen kann neue Kräfte mobilisieren und Menschen wieder Mut schöpfen lassen. „Mit dem Humor teilen wir unsere Medizin aus an alle, die es brauchen", beschreibt  einer der Krankenhaus-Clowns seine Aufgabe. Tatsächlich gibt die Humorforschung ihm Recht: Lachen hat nämlich eine ähnlich gesundheitsfördernde Wirkung wie das Joggen. Es stärkt das Immunsystem, lindert Schmerzen und verlängert, wenn in regelmäßiger Dosis genutzt, die Lebenszeit signifikant.

Das Projekt „Rote Nasen" ist somit aus gutem Grund für den Deutschen Engagementpreis nominiert. Denn das erzeugte Gelächter ist nicht nur sehr beliebt, spürbar erfolgreich und zunehmend in Krankenhäusern anzutreffen: Das Projekt  bietet auch Fortbildungen für Pflegende an, in denen die oft überstrapazierten Schwestern und Pfleger lernen, sich selbst und ihren Patientinnen und Patienten mit Humor über manche Klippe des Pflegealltags hinwegzuhelfen. Beim „Einsatz" auf den Krankenstationen und in Heimen sind statt Medikamenten und Infusionen Lieder, Kunststücke und Improvisationstheater die heilenden Werkzeuge der Pappnasen. Und oft hinterlassen sie nicht nur Gelächter, sondern auch Tränen der Entspannung und Erleichterung bei den Betreuten. Die „Rote Nasen" werden durch Spenden getragen und durch originelle Konzepte finanziert - der Humor ist ja tatsächlich eine sehr günstige Medizin.

Foto: ROTENASEN

Preiskategorie: Gemeinnütziger Dritter Sektor
Engagementbereich: Soziales

www.rotenasen.de

Juli

NaturErlebnisBad Luthe eGNaturErlebnisBad Luthe eG

"Die erfolgreiche Verwirklichung dieser nicht sehr einfachen Bauprojekte hat die Gemeinschaft der Ehrenamtlichen und Freiwilligen nicht nur "beflügelt", sondern auch enger "zusammen geschweißt". Erfolg ist damit der beste Motivator für alle Beteiligten."

Bürgerinnen und Bürger übernehmen Verantwortung - im niedersächsischen Luthe wird diese Devise erfolgreich umgesetzt. Als das marode Freibad Luthe 2005 geschlossen werden soll, gründen die Luther die Genossenschaft NaturErlebnisBad Luthe eG und legen damit den Grundstein für ein engagiertes Bauprojekt.

Ziel der Genossenschaft ist nicht nur die erfolgreiche Instandsetzung, der Umbau in ein NaturBad und die Betreibung des Freibades, sondern die aktive Beteiligung der Bevölkerung: Möglichst viele Bürgerinnen und Bürger werden in die Arbeiten zur Rettung des Freibades mit einbezogen. In etlichen Arbeitseinsätzen werden Rohre verlegt, Pumpen eingebaut, Beckenköpfe erneuert. Kinder helfen bei der Bepflanzung des Pflanzenfilters, andere sorgen für die Verpflegung der Helferinnen und Helfer. Es entsteht eine Gemeinschaft von engagierten Menschen unterschiedlichen Alters, die sich gegenseitig begeistern und sich gemeinsam für ihr Freibad einsetzen.

2006 nimmt das NaturErlebnisBad Luthe den Betrieb auf. Entstanden ist mehr als nur ein Freibad. Das Bad dient als gesellschaftlicher Treffpunkt, als Ort für ein Miteinander aller Luther Gruppen. Neben Familientagen und Familiengottesdiensten finden Kinderfestivals und Musicalauftritte statt. An der Genossenschaft sind inzwischen mehr als 1.000 Bürgerinnen und Bürger beteiligt. Im Förderverein Freibad Luthe engagieren sich mehr als 440 Mitglieder. Es gibt ein Kassen-, Garten- und Pflanzenfilterteam. Reinhard Gräpel, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft, ist stolz auf den Erfolg: "Dies sind 1.440 engagierte Bürger in einem Ort mit knapp 6.000 Einwohnern."

Mit ihrem beherzten Engagement haben die Bürgerinnen und Bürger zwar schon viel erreicht, aber der Ausbau des Freibades wird kontinuierlich fortgesetzt: 2011 wird beispielsweise eine solarthermische Schwimmbadwassererwärmung auf dem neuen Dach installiert, die gerade in den ersten Monaten der Badesaison die Attraktivität des Bades deutlich steigert. Die Beteiligten sorgen auch weiterhin dafür, dass das Bad durch freiwilliges Engagement nicht nur erhalten wird, sondern neue Ideen eingebracht und in die Tat umgesetzt werden.

Foto: NaturErlebnisBad Luthe eG

Preiskategorie: Schwerpunkt 2014: Miteinander der Generationen, Gemeinnütziger Dritter Sektor
Engagementbereich: Soziales, Sport, Umwelt

www.Naturerlebnisbad-Luthe.de

Gerüchteküche – S-Hannover StiftungGerüchteküche – S-Hannover Stiftung

"Es gilt, gute Projekte zu (er)finden, um Menschen im Alter zu unterstützen, ihre Grundbedürfnisse, die sich durch familiäre, berufliche, kulturelle und soziale Zusammenhänge stetig verändern, zu erspüren und zu erfüllen."

In unserem eigentlich so reichen und lebendigen Deutschland sehen sich viele ältere Menschen mit Einsamkeit, Altersarmut und Perspektivlosigkeit konfrontiert. Wie kann diese Situation verbessert werden? Eine gleichermaßen erfrischende und vorbildhafte Antwort auf diese Frage hat die S-HannoverStiftung gefunden. Eine kochbegeisterte Zustifterin - eine ältere Dame, die den Großteil ihres Arbeitslebens in einer Großkantine dafür gesorgt hatte, dass Menschen in geselliger Umgebung eine warme Mahlzeit bekamen - gibt den Impuls zu einem in Hannover einmaligen Projekt: eine Kochwerkstatt für Ältere und Koch-Auszubildende.

Monatlich findet sich eine Gruppe von Seniorinnen und Senioren zu einem Kochkurs zusammen. Unterstützt von Auszubildenden und angeleitet von erfahrenen Köchen entsteht die "Gerüchteküche". Sie ist viel mehr als eine Nachmittagsbeschäftigung: Sie führt Alte und Junge zusammen, sorgt für Gespräch und Austausch und vermittelt Wissenswertes über gesunde Ernährung, Kochen und Essen im Alter. Zudem erwerben die Auszubildenden neben praktischer Koch-Erfahrung wichtige soziale Kompetenzen. Die "Gerüchteküche" trägt ihr Erfolgsrezept bereits im Namen: durch das Zusammenarbeiten wieder in den Alltag hineinfinden, gemeinsam essen, sich austauschen oder einfach nur plaudern und so Interesse und Neugierde wiederentdecken. Die Teilnehmer arbeiten an der eigenen Geschicklichkeit, lernen Küchenweisheiten, gewinnen an Gaumenfreuden und teilen Glück und Sorgen der anderen Teilnehmenden. Das ist die vielleicht wichtigste Botschaft aus der "Gerüchteküche": es braucht eigentlich nicht viel, um dem Leben Sinn und Perspektive zu geben.

Die S-HannoverStiftung unterstützt vor allem soziale Projekte im Stadtgebiet Hannover, besonders die Seniorenarbeit wird gefördert. Die "Gerüchteküche" ist das erste operative Projekt der S-HannoverStiftung. Schnell hatte die Stiftung Unterstützer für die Idee gefunden, so dass ein gemeinschaftliches Projekt von Kochausbildern, Alten- und Pflegezentren und Stiftungen entstanden ist. Im Juli 2011 fand die "Gerüchteküche" das erste Mal statt. Die Begeisterung aller Beteiligten ist ansteckend, so dass inzwischen die Treffen auf vielfachen Wunsch der Teilnehmenden häufiger stattfinden.

Die "Gerüchteküchte" ist eine innovative Idee mit viel Zukunft. Zu Recht erhielt das Projekt daher 2012 den DAVID - den ersten Preis des Deutschen Sparkassen -und Giroverbandes für Stiftungsprojekte - und ist nun für den Deutschen Engagementpreis 2014 nominiert.

Foto: Helge Krückeberg

Preiskategorie: Schwerpunkt 2014: Miteinander der Generationen
Engagementbereich: Soziales

www.hannover-stiftung.de

JÄGER DIREKT Jäger Fischer GmbH & Co KGJÄGER DIREKT Jäger Fischer GmbH & Co KG

"Unser Unternehmen verbindet soziales Engagement mit der Möglichkeit, frühzeitig Talente zu entdecken und die Fachkräfte von morgen zu gewinnen. Nur mit Qualifizierung und hohen Bildungsstandards können wir die Herausforderungen der Zukunft meistern."

Schule fertig und dann? Wie erlerne ich einen Beruf, der mir gefällt? Nach dem Schulabschluss stehen viele Schülerinnen und Schüler vor der entscheidenden Frage, wie es zukünftig für sie weitergehen soll. Perspektivlosigkeit und Überforderung gehen oft damit einher. Rund 1,44 Millionen Jugendliche zwischen 20 und 29 Jahren in Deutschland sind ohne Berufsausbildung. Den jungen Menschen droht ein Leben in der Erwerbslosigkeit oder in prekären Arbeitsverhältnissen. Gleichzeitig wird der Fachkräftemangel in vielen Branchen ein immer größeres Problem. Der südhessische Elektrotechnik-Hersteller JÄGER DIREKT will bei dieser gesellschaftlichen Entwicklung nicht tatenlos zusehen und engagiert sich seit vielen Jahren für eine bessere Zukunft von Kindern und Jugendlichen.

Verantwortung zu übernehmen gehört zum Selbstverständnis des Unternehmens: JÄGER DIREKT zeichnet sich insbesondere durch eine überdurchschnittliche Ausbildungsquote im Betrieb aus. Die individuelle Betreuung der Auszubildenden durch persönliche Paten sowie enge Partnerschaften mit den regionalen Schulen haben einen hohen Stellenwert in der Firma. Für die Auszubildenden des Unternehmens gilt zudem: Ab dem ersten Arbeitstag werden sie in das Lebensphasen-orientierte Konzept "gut drauf Leben von der Schulbank bis zum Ruhestand" eingebunden. Insbesondere die Förderung der eigenen Stärken steht hierbei im Mittelpunkt.

2003 startete das Unternehmen ein Projekt "Jobs für Jugendliche", das zur Konzeption der Talent Company führte ein mittlerweile bundesweit etabliertes Projekt der Strahlemann-Stiftung, zu deren maßgeblichen Initiatoren und Gründungsstiftern JÄGER DIREKT zählt. Erklärtes Ziel des Projektes ist es, gegen die Arbeitslosigkeit und Geringqualifizierung vorzugehen. Die Talent Company stärkt das Selbstwertgefühl junger Menschen und trägt dazu bei, die eigenen Fähigkeiten bewusst zu erkennen und zu nutzen. In einem Fachraum, der über alle Einrichtungen verfügt, die für die Vermittlung von beruflichen Themen notwendig sind, erhalten die Jugendlichen wichtige Informationen zur Berufswahl. In Workshops und simulierten Assessments wird Berufsorientierung vermittelt. Darüber hinaus haben Unternehmen in der Talent Company die Möglichkeit, sich und ihre Ausbildungsinhalte vorzustellen sowie offene Ausbildungsplätze anzubieten - nicht zuletzt auch JÄGER DIREKT.

Der Erfolg des Projektes kann sich sehen lassen: Über 80 Unternehmen sind dem Beispiel von JÄGER DIREKT gefolgt und Kooperationspartner an einem oder mehreren der Talent Company-Standorte geworden. So haben immer mehr junge Menschen die Möglichkeit, sich kompetent beraten zu lassen und berufliche Perspektiven zu entwickeln.

Foto: Pietro Sutera

Preiskategorie: Wirtschaft
Engagementbereich: Soziales

www.jaeger-direkt.com

Winfried Rusch – Naturschutzbund Coesfeld e.V.Winfried Rusch – Naturschutzbund Coesfeld e.V.

"Ich wünsche mir für die Zukunft, dass sich die Menschen noch mehr für den Erhalt ihrer Heimat interessieren. Dazu gehört auch die Kenntnis von Flora und Fauna. Außerdem hoffe ich, dass sich noch mehr Bürgerinnen und Bürger für ein Ehrenamt einsetzen."

Winfried Ruschs Heimat ist das schöne Münsterland in Nordrhein-Westfalen, hier zwischen Wasserburgen und alten Windmühlen fühlt er sich wohl. Und nicht nur er! Nordrhein-Westfalen ist das Bundesland mit dem deutschlandweit größten Bestand an Steinkäuzen - etwa drei Viertel der kleinen Eulen lassen sich hier nieder. Im Kreis Coesfeld, wo Rusch zu Hause ist, sind es über 400 Paare. Das ist nicht selbstverständlich, sondern vor allem dem jahrelangen Engagement von Winfried Rusch zu verdanken.

1981 wurde auf seine Initiative hin der Naturschutzverband im Kreis Coesfeld gegründet, den er lange Jahre als zweiter Vorsitzender begleitete. Sein erstes Vereinsprojekt war das Artenschutzprogramm 'Steinkauz', da sich dessen Bestandsentwicklung durch den zunehmenden Rückgang an Weideflächen und Obstwiesen als äußerst kritisch abzeichnete. In Kooperation mit Eulenspezialisten und Landwirten stellte er an geeigneten Stellen selbst gebaute Nistkästen auf und begann mit der Bestandsaufnahme und -kontrolle. "Die Grundvoraussetzung für effektive Schutzmaßnahmen ist eine großflächige Bestandserfassung", so Winfried Rusch, "wir können die Vögel nur schützen, wenn wir wissen, wo es sie gibt und wie sich ihre Bestände entwickeln." Nach der Brutzeit Ende Mai ist Winfried Rusch daher mit der Kennzeichnung von bis zu 300 Steinkauzküken beschäftigt.

Seine über 30-jährige Erfahrung im Eulen- und Naturschutz teilt Winfried Rusch mit den ganz Kleinen. Jedes Jahr im Juni führt er Familien mit Kindern durch das Steinkauzrevier und erzählt Wissenswertes zum Lebensraum und zur Lebensweise der Vögel. Neben den Eulen sind schöne Gärten Winfried Ruschs große Leidenschaft. Er ist Initiator von 'Gärten in Westfalen öffnen ihre Pforten' und führte im letzten Jahr über 1.000 Besucher durch seinen naturnahen Rosengarten. Zudem arbeitet er in der Regionalgruppe Münsterland der Gesellschaft der Staudenfreude e.V. mit und beteiligt sich in verschiedenen Arbeitskreisen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe. Seine Eindrücke aus der Tier- und Pflanzenwelt teilt der Hobbyfotograf auf seiner Homepage.

Foto: Winfried Rusch

Preiskategorie: Einzelpersonen
Engagementbereich: Umwelt, Sonstiges

www.w-rusch.de/

Betreuerteam Asylbewerber – Gemeinschaftsunterkunft EbenhausenBetreuerteam Asylbewerber – Gemeinschaftsunterkunft Ebenhausen

„Ziel des Engagements ist es, Menschen, die aus verschiedenen Gründen ihre Heimat verlassen mussten, ein menschenwürdiges Dasein während des Asylverfahrens zu ermöglichen. Durch verschiedene Aktivitäten sollen die Voraussetzungen für eine bessere Integration in unser Gemeinwesen geschaffen werden.“

12 Familien, insgesamt 28 Erwachsene und 25 Kinder, leben zurzeit in der Gemeinschaftsunterkunft Ebenhausen in Unterfranken und warten dort auf den Ausgang ihres Asylverfahrens. Aus Syrien kommen sie und aus den Balkanstaaten, wo viele von ihnen im Krieg Schreckliches erlebt haben. Ein ehrenamtliches Betreuerteam bestehend aus circa 20 Personen, hat sich vorgenommen ihre Zeit in der Asylunterkunft so angenehm und würdevoll wie möglich zu gestalten.

Im November letzten Jahres schlossen sich die Freiwilligen zusammen und machten sich sofort an die Arbeit. Was benötigen die Asylsuchenden in ihren Unterkünften? Sehr individuell suchten sie für jede einzelne Familie Teppiche, Geschirr, Möbelstücke, Fernsehgeräte, Staubsauger, Spielsachen und Kleider aus und besorgten Fahrräder für Erwachsene und Kinder. Zusätzlich wurde ein Fahrdienst eingerichtet, der den Asylbewerberinnen und -bewerbern den Lebensmitteleinkauf ermöglicht oder den Besuch beim Rechtsanwalt, beim Arzt, bei der Ausländerbehörde, dem Jobcenter und anderer wichtiger Orte.

Für jedes Kind wurde ein Schul- beziehungsweise Kindergartenplatz organisiert. Um eine gute Eingliederung der Kinder in das deutsche Bildungssystem zu sichern, bieten zwei Mitglieder des Teams einmal in der Woche zusätzlichen Förderunterricht in der Grund- und Mittelschule an, auch eine Hausaufgabenbetreuung wurde eingerichtet. Ein weiteres Mitglied gibt für die Erwachsenen in der örtlichen Volkshochschule Deutschunterricht.

Von Anfang an waren die Begeisterung und die Einsatzbereitschaft aller Betreuerinnen und Betreuer sehr hoch. Im Betreuungsalltag stellte sich jedoch vieles als schwieriger heraus als vorher gedacht: Zum einen galt es Sprachbarrieren zu überwinden und sich bisher unbekannte Themen wie das Asyl- und Bleiberecht zu erschließen. Die intensive ehrenamtliche Betreuung und der Berufsalltag mussten unter einen Hut gebracht werden. Einige im Team stießen bald an die Grenze der Belastbarkeit. Externe Hilfe musste her. Seit April 2014 unterstützt eine Sozialbetreuerin des Caritasverbandes Bad Kissingen die Ehrenamtlichen an 2 Tagen pro Woche. Für die Zukunft ist das Betreuerteam der Gemeinschaftsunterkunft Ebenhausen jedoch auf zusätzliche Hilfe angewiesen, deshalb ist es ihr Ziel das Thema Asyl stärker in die Bevölkerung zu tragen, die Öffentlichkeit von der Relevanz ihres Engagements zu überzeugen und weitere Unterstützer zu gewinnen.

Foto: privat

Preiskategorie: Gemeinnütziger Dritter Sektor
Engagementbereich: Soziales, Bildung, Kultur, Sport, Sonstiges

Juni

DER HAFEN HILFT! e.V.DER HAFEN HILFT! e.V.

"Unser effektives Netzwerk repariert, renoviert, transportiert, stellt Sachmittel zur Verfügung und berät mit technischem Know-how, das Menschen in Not direkt hilft."

Anja van Eijsden, Fertigungsleiterin der Fa. Blohm + Voss Oiltools im Hamburger Hafen, kann fast alles gebrauchen, was an anderer Stelle keine Verwendung mehr findet. Gemeinsam mit anderen Mitarbeitern hat sie den Verein "DER HAFEN HILFT!" gegründet, der gemeinnützigen Trägern aus Hamburg dringend benötigte Sachspenden vermittelt und handwerkliche Hilfe leistet.

Die Unterstützung ist direkt und unbürokratisch: Die Hilfebedürftigen und die Helfer bzw. Spender finden per Mausklick zusammen. Auf der Internetseite des Vereins können die Menschen aus dem Hafen ihre Arbeitskraft anbieten, Personen ihre Sachspenden aufführen und soziale Einrichtungen ihren Bedarf an Sachmitteln anmelden. In der Rubrik "Gesuche" sucht eine Organisation beispielsweise ein Bett für eine Klientin, in einer Wohneinrichtung für Menschen mit Behinderungen wird die technische Unterstützung für die Errichtung eines Bootssteges gebraucht. In der Rubrik "Angebote" finden sich ein Tintenstrahldrucker, Arbeitsstiefel und ein Multifunktionswerkzeug. Der Verein ermöglicht es, spontan, gezielt und in eigener Zeiteinteilung aktiv zu werden. Für die Männer und Frauen aus dem Hamburger Hafen ist das eine gute Möglichkeit, sich neben der Arbeit im Hafen sozial zu engagieren. Gemeinnützige Träger aus Hamburg in den Bereichen Senioren-, Familien, Behinderten- und Flüchtlingshilfe, deren Mittel nicht ausreichen, profitieren von diesem Engagement und den Überschüssen aus dem Hamburger Hafen.

Meistens fallen kleine Spenden an, die insbesondere von Einzelpersonen über die Internetseite angeboten werden. Hin und wieder hat der Verein aber auch einen dicken Fisch an der Angel: Bei großen Passagierschiffen sind häufig große Mengen an Möbeln und Gebrauchsgegenständen zur Entsorgung bestimmt. Vor wenigen Wochen erhielt der Verein eine Spende einer Mega-Yacht von über sechzig Computern, die an das Projekt Schulhafen der Stiftung Hoffnungsorte gingen, eine Weiterbildungsinstitution für Menschen mit Migrationshintergrund.

Immer mehr Unternehmen und Beschäftigte aus der Hafenwirtschaft schließen sich der Initiative DER HAFEN HILFT! an. Ihnen allen ist sowohl der Bedarf aus den sozialen Organisationen bekannt als auch der verantwortliche Umgang mit Ressourcen wichtig. Gemeinsam leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der sozialen Not in Hamburg.

Foto: privat

Preiskategorie: Gemeinnütziger Dritter Sektor
Engagementbereich: Soziales, Sonstiges

http://www.der-hafen-hilft.de/

Die häkelheldenDie häkelhelden

„Manchmal muss ein Mann einfach tun, was ein Mann tun muss – häkeln, zum Beispiel.“

Im Dienst halten sie im Hubschrauber Ausschau nach Vermissten oder Straftätern, nach Feierabend nach Nadeln und Garn. Tim Pittelkow und Carsten Krämer sind Kollegen bei der Polizeifliegerstaffel Düsseldorf, aber sie teilen auch ein Hobby – das Häkeln. Dies üben sie nicht nur zur Entspannung aus, sondern auch für den guten Zweck. Unter dem Motto „Helfen kann so lässig sein“ häkeln die beiden Mützen – stylish, in allen Farben und Formen – verkaufen sie online und spenden fünf Euro des Erlöses an den Weissen Ring e.V.

Wie kam es zu der außergewöhnlichen Idee? Obwohl die beiden sich bei der Polizei täglich für das Gemeinwohl engagieren, fehlten ihnen fassbare Ergebnisse. Als häkelhelden haben sie diese nun: fast 3000 Euro gingen dank ihres Handarbeitseinsatzes letztes Jahr an Opfer von Kriminalität und Gewalt. Die Nachfrage nach den selbstgehäkelten Mützen ist so groß, dass die häkelhelden sich für die Produktion bereits Hilfe holen mussten: Mit der JVA Düsseldorf als Partner, häkeln jetzt ein knappes Dutzend inhaftierter Männer für das Projekt und lernen so, dass nicht nur Arbeit, sondern auch soziales Engagement sich auszahlt. Des Weiteren geben die häkelnden Polizisten Workshops in Schulen und Kinderkliniken, um auch Kindern und Jugendlichen die kreative Handarbeit und das soziale Engagement näher zu bringen.

Vor ein paar Jahren hätten Tim Pittelkow und Carsten Krämer nie daran gedacht, wie weit sie dieses Häkelprojekt bringen würde. Gerade von anderen Kollegen wurden die beiden anfangs für ihr „weiches“ Hobby belächelt, jetzt bestellen auch sie Mützen bei ihnen. „Durch den Gegensatz unseres Berufes und der Handarbeit können wir Rollen-Klischees aufbrechen“, so die häkelhelden, „und unter Beweis stellen, dass man sich mit allem verwirklichen kann, was einem vorschwebt“.

Foto: © Die häkelhelden

Preiskategorie: Gemeinnütziger Dritter Sektor
Engagementbereich: Bildung, Soziales

die häkelhelden

Spielzeugmuseum KunsterbuntSpielzeugmuseum Kunsterbunt

„Wir finden es wichtig Dinge, die uns in der Kindheit zu dem gemacht haben, was wir heute sind, zu erhalten. Spielsachen sind das erste was der Mensch bekommt, im Umgang mit ihnen lernt er begreifen, soziales Verhalten, logisches Denken, manuelle Fähigkeiten.“

Alles begann mit einer Sammelleidenschaft – Nora Schmidtmeier fing schon als Kind an, erst Apfelsinenpapiere, dann Zuckerwürfel, schließlich Kaffeemühlen, Kochbücher und alte Küchengeräte zu sammeln. Die Begeisterung für altes Spielzeug entwickelte sie zusammen mit ihrem Mann Friedrich, mit dem sie die Sammelleidenschaft teilt. Nach einigen Jahren wurde die Spielzeugsammlung der Schmidtmeiers so umfangreich, dass sie auf die Idee kamen, ein eigenes Spielzeugmuseum zu eröffnen, um so auch der Öffentlichkeit ihre Schätze zugänglich zu machen. Zunächst nutzten sie dafür zwei Zimmer ihres eigenen Hauses, kurze Zeit später dann das gesamte Erdgeschoß. Das Spielzeugmuseum Kunsterbunt war geboren.

Inzwischen sind fast 25 Jahre vergangen – das Ehepaar Schmidtmeier hat in dieser Zeit unzählige Ausstellungen aufbereitet, ihren Bestand gepflegt und stetig erweitert. Leicht war es nicht immer, das Museum aus eigenen Mitteln zu tragen und passende  Räumlichkeiten für die wachsende Sammlung zu finden. Aber die Schmidtmeiers haben nie aufgegeben und führen noch heute gern durch die Ausstellungen, informieren über die Geschichte der Spielsachen und freuen sich über die glücklichen Gesichter der Besucherinnen und Besucher, wenn diese Relikten aus ihrer Kindheit und Jugend begegnen.

Nach einem letzten Umzug im Jahr 2009 findet man das Museum nun in Hasselbach im Hunsrück, im jetzigen Wohnhaus des Ehepaars, einem alten Schulhaus aus dem Jahr 1871. Im Sommer laden die Schmidtmeiers ihre Besucher auch in den 3.000 qm umfassenden Garten ein und vermitteln Wissenswertes zu Natur und Umwelt. In diesem Jahr fand ihr Museum in dem  Buch „111 Orte im Hunsrück, die man gesehen haben muss“ Erwähnung – ein Ansporn für die Schmidtmeiers weiter an ihrem Museum zu arbeiten. Ein großes Fest im nächsten Jahr anlässlich des 25. Jubiläums des Museums Kunsterbunt ist in Planung.


Foto: © Nora und Fritz Schmidtmeier

Preiskategorie: Gemeinnütziger Dritter Sektor
Engagementbereich: Bildung, Kultur, Umwelt

Spielzuegmuseum Kunsterbunt

Clemens Mulokozi – Jambo Bukoba e.V.Clemens Mulokozi – Jambo Bukoba e.V.

"Sport ist für uns das beste Mittel, um Kinder und Jugendliche in Tansania stark zu machen: für den oftmals schweren Alltag, für den verantwortungsvollen Umgang mit sich und anderen und für ihr ganzes Leben."

„Hallo Bukoba“ – so lässt sich der Name des Vereins, den Clemens Mulokozi im Jahr 2008 gegründet hat, ins Deutsche übersetzen. Kindern und Jugendlichen in der Region rund um die Stadt Bukoba im Nordwesten Tansanias durch Bildung, mehr Chancengleichheit und Aufklärung über HIV/AIDS ein besseres Leben zu ermöglichen, ist das Ziel von Jambo Bukoba e.V. und gleichzeitig Herzensangelegenheit von Clemens Mulokozi. Als Sohn eines tansanischen Vaters und einer deutschen Mutter verbrachte er einen Teil seiner Kindheit in Tansania und kennt so die Situation der jungen Menschen vor Ort.

Und die ist alarmierend: 60% aller neu mit HIV/AIDS Infizierten ist zwischen 15 und 24 Jahre alt – Mädchen sind besonders stark betroffen. Schulen fehlt es an gut ausgebildeten Lehrern und Unterrichtsmaterialien, oft sind schon Tische und Stühle Mangelware. Jedes fünfte Kind verlässt die Schule ohne Abschluss. Sport ist der Ansatzpunkt, von dem aus Jambo Bukoba e.V. versucht, die vielfältigen gesellschaftlichen Probleme anzugehen. Denn durch Sport gewinnen die Kinder Selbstvertrauen und lernen respektvoll miteinander umzugehen, was es wiederum erleichtert über das Tabu-Thema HIV/AIDS offen zu sprechen.

Die Projektleiter vor Ort bilden Sportlehrerinnen und -lehrer weiter, so dass sie HIV/AIDS-Aufklärung kindgerecht in den Schulalltag integrieren und besonders Mädchen in ihrer Entwicklung stärken. Die Eltern werden in das Projekt miteinbezogen und unterstützen es mittlerweile tatkräftig. Darüber hinaus nutzt der Verein Spenden, um Schulen zu renovieren und sie mit Sportmaterial auszustatten.
310.000 Grundschulkinder profitieren wöchentlich von dem Programm und es sollen noch mehr werden – denn Clemens Mulokozi plant, das Projekt auch auf andere Regionen Tansanias auszuweiten. Er hofft, dass Tansania das von Jambo Bukoba e.V. erarbeitete Konzept eines Tages in die nationale Sportlehrerausbildung übernimmt.


Foto: Jambo Bukoba e.V.

Preiskategorie: Einzelpersonen
Engagementbereich: Bildung, Entwicklungszusammenarbeit, Sport

http://www.jambobukoba.com

Mai

EUKOBA e.V. – GIPS Spielen und LernenEUKOBA e.V. – GIPS Spielen und Lernen

"Wenn wir dafür sorgen, dass die Gesellschaft ein möglichst reales Bild von Behinderung erhält, wird Inklusion besser gelingen. Sie ist ein Prozess, der Generationen überdauern wird, der aber heute gestartet werden muss."

Eine Gesellschaft ohne Ausgrenzung und Diskriminierung - das ist die Vision des Europäischen Kompetenzzentrums für Barrierefreiheit (EUKOBA e.V.) aus der Region Maas-Rhein, das sich seit mehr als zehn Jahren für die Gestaltung und Sicherung einer barrierefreien Umwelt einsetzt. Mit dem Projekt GIPS1 Spielen und Lernen sensibilisiert der Verein Schülerinnen und Schüler für die Belange, Probleme und Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen sowie von Seniorinnen und Senioren.

EUKOBA hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Umsetzung inklusiver Bildung insbesondere auf kommunaler Ebene zu fördern. Die StädteRegion Aachen hat daher im Dezember 2013 als eine der ersten Kommunen in Deutschland einen Inklusionsplan mit siebzig Maßnahmen verabschiedet. Eine davon ist die Einführung von geeigneten Sensibilisierungsmaßnahmen für die Belange von Personen mit Behinderung sowie von älteren Menschen. In dem Projekt GIPS Spielen und Lernen wird Jugendlichen durch ein spezielles Schulungsprogramm die Realität von Menschen mit Behinderungen näher gebracht. Spielerisch erleben die Schülerinnen und Schüler, wie es ist, mit einem Handicap zu leben. Im Mittelpunkt stehen die Selbsterfahrung und die persönliche Berührung mit den ehrenamtlichen Dozentinnen und Dozenten, bei denen es sich um Menschen mit Behinderungen oder ältere Personen handelt. Dieser meist erste Kontakt eröffnet den Jugendlichen eine völlig neue Sichtweise auf Behinderung und Alter.

Ziel des Projektes GIPS Spielen und Lernen ist es, Hemmungen bei Jugendlichen im Umgang mit Behinderungen abzubauen und das Bewusstsein darüber zu fördern, dass ein Zusammenleben aller Menschen in einer Gesellschaft ohne Vorurteile, Ausgrenzung und Barrieren von großer Bedeutung ist. Dem Verein ist es gelungen, das Projekt GIPS Spielen und Lernen an allen 31 Regelschulen in der StädteRegion Aachen dauerhaft einzuführen. Als Social Franchisegeber fördert EUKOBA zudem die Umsetzung von 250 GIPS-Teams im gesamten Bundesgebiet und damit die Replizierung eines sinnvollen Projektes. Der Verein sorgt mit seinem vorbildlichen Engagement dafür, dass Inklusion umgesetzt und gelebt wird.

Foto: EUKOBA e.V.

1 niederländisch: Gehandicapten Informatie Project Scholen

Preiskategorie: Gemeinnütziger Dritter Sektor, Schwerpunkt 2014: Miteinander der Generationen
Engagementbereich: Bildung, Engagementförderung, Soziales

http://www.eukoba.com/gips/gipsspiel/

Petra Fritsche – Initiativgruppe Stolpersteine Stierstraße FriedenauPetra Fritsche – Initiativgruppe Stolpersteine Stierstraße Friedenau

"Ein kleiner Stolperstein bewirkt, dass uns die Handlungen der Täter und Mitläufer deutlich werden, dass wir die langen Leidenswege der Opfer nachempfinden können und dass Kinder der Täter und der Opfer gemeinsam um einen Toten trauern – und das viele Tausend Mal."

Zusammen mit den anderen Mitgliedern der Initiativgruppe Stolpersteine Stierstraße verlegt Petra Fritsche in ihrer Nachbarschaft in Berlin-Friedenau vor den einstigen Wohnungen rassisch und politisch Verfolgter und Ermordeter Gedenksteine, die sogenannten Stolpersteine. 
Die Steine sollen die Erinnerung an ehemalige Nachbarn aufrechterhalten, die während des NS-Regimes durch Deportation oder Verfolgung brutal aus ihrem Alltag gerissen wurden. Auf den Stolpersteinen sind der jeweilige Name, das Geburtsjahr und das Deportationsdatum, der Todesort sowie das Todesdatum eingraviert. Dadurch, dass die Steine in den Gehweg eingelassen sind, man also buchstäblich über sie "stolpert", wird die Erinnerung in den eigenen Alltag miteinbezogen. Das von dem deutschen Künstler Gunter Demnig in den 90iger Jahren initiierte Stolperstein-Projekt hat sich inzwischen zum weltweit größten dezentralen Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus entwickelt.

Mit der Initiativgruppe Stolpersteine Stierstraße hat Petra Fritsche bis zum heutigen Tag 57 Stolpersteine und eine Stolperschwelle für die ehemalige Synagoge gelegt. Vor der feierlichen Verlegung recherchiert sie in den Archiven zu den Lebensläufen derjenigen, für die ein Stein gelegt werden soll, nimmt Kontakt zu Angehörigen und Nachfahren auf, lädt diese zur Zeremonie ein und betreut sie während ihres Aufenthalts. Außerdem übernimmt sie die Öffentlichkeitsarbeit der Initiative, gibt Interviews und hält Reden. Durch Vorträge und Präsentationen zu den Stolpersteinen in Vereinen, Kirchen, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen versucht sie ein Verbrechen, das in seinem Umfang unbegreiflich ist, begreifbar zu machen.

Petra Fritsches aktive Rolle bei der Initiativgruppe Stolpersteine Stierstraße hat ihr nicht nur Freunde eingebracht. Sie bekam anonyme Drohbriefe; die Stolpersteine in der Stierstraße wurden geschändet. Für Petra Fritsche ist dies umso mehr Ansporn, das Stolperstein-Projekt fortzuführen: "Die Angriffe, die im vorigen und diesem Jahr auf mich erfolgten, bestärken mich in meinem Engagement – zeigen sie doch, dass ein Teil unserer Gesellschaft auch 70 Jahre nach Beendigung der NS-Herrschaft keine Bereitschaft zeigt, sich mit den Verbrechen zu befassen und der Opfer zu gedenken."

Foto: privat

Preiskategorie: Einzelpersonen
Engagementbereich: Sonstiges

http:/www.petra-fritsche.de

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