Deutscher Engagementpreis 2012
Die Preisträger 2012

- Stadt Pirmasens - Pakt für Pirmasens I Foto: Marc Darchinger
Kategorie Politik & Verwaltung: Stadt Pirmasens - Pakt für Pirmasens
"In jedem Kind sind Talente angelegt, die zur Hoffnung Anlass geben und zu deren Entwicklung wir verpflichtet sind."
Pirmasens hat die höchste Arbeitslosenquote in Rheinland-Pfalz. Bei Jugendlichen betrug sie im Jahr 2010 mehr als zwölf Prozent. Auf Initiative des Oberbürgermeisters Dr. Bernhard Matheis wurde daher 2008 der Pakt für Pirmasens ausgerufen. Alle bedeutenden staatlichen und ehrenamtlichen Initiativen, Kirchen, Verbände und Unternehmen haben sich dem Bündnis angeschlossen und entwickeln gemeinsam Ideen und Perspektiven zur Verbesserung der lokalen Bildungslandschaft.
Mit gezielter und individueller Hilfe will der Pakt für Pirmasens die Chancen von Kindern verbessern, z. B. wenn im zentralen Projekt Lebensbegleitung Familien durch Paten über längere Zeit begleitet werden oder Studenten verschiedener Nationalitäten Schülern Lernförderung anbieten. Der Erfolg des Paktes für Pirmasens kann sich sehen lassen: 24 ehrenamtliche Initiativen konnten bisher mehr als 1.400 Kinder und Jugendliche erreichen. Das Projekt gilt als Vorbild für andere Kommunen.

- KICKFAIR e.V. I Foto: Marc Darchinger
Kategorie Dritter Sektor: KICKFAIR e.V.
"KICKFAIR stärkt individuelle Fähigkeiten, fördert persönliche Entwicklung und bietet sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen einen Raum, in dem sie gemeinsam Dinge in die Hand nehmen und ihr eigenes Lebensumfeld mitgestalten können."
Fußball verbindet Menschen auf der ganzen Welt - unabhängig von Alter, Geschlecht, sozialem Hintergrund und kultureller Zugehörigkeit. KICKFAIR e.V. greift dieses Potenzial seit einigen Jahren auf und setzt über Fußball vielfältige Projekte im Bereich Bildung um.
Bei allen KICKFAIR-Projekten ist Straßenfußball der Ausgangspunkt und Zugang für vielfältige Themenfelder. Gespielt wird ohne Schiedsrichter und mit gemeinsam aufgestellten Regeln. Kinder und Jugendliche lernen hier Kompetenzen, die wichtig sind für das Spiel, aber noch wichtiger werden für das Leben außerhalb des Spiels: im Team zu agieren, mit Sieg und Niederlage umzugehen und die Leistung des anderen anzuerkennen.
KICKFAIR erreicht jährlich ca. 5.000 Jugendliche im Alter von 12-18 Jahren. Durch die weltweite Vernetzung schafft KICKFAIR Begegnungsplattformen, in denen sich junge Menschen verschiedener Länder austauschen und gemeinsame Projekte umsetzen.

- Jürgen Ludwig I Foto: Marc Darchinger
Kategorie Einzelperson: Jürgen Ludwig - Interessengemeinschaft Stadtökologie Arnstadt e.V.
"Die Welt ist zu wertvoll, um sie aufs Spiel zu setzen."
Wie können wir für die ökologische Zukunftsfähigkeit unserer Region sorgen? Diese Frage beschäftigt Jürgen Ludwig bereits seit den Achtzigerjahren. Im Rahmen verschiedener Interessenvertretungen setzt er sich seitdem für die Umsetzung stadtökologischer Konzepte in Arnstadt und Region ein.
Mit der Arnstädter Arbeitsgruppe Stadtökologie im Kulturbund der DDR organisierte Jürgen Ludwig z. B. Baumpflanzaktionen und Initiativen für bessere Fahrradwegnetze. Angeregt durch die Rio-Konferenz 1992 setzte er sein Engagement in Bürgerinitiativen und Arbeitsgruppen fort. Zudem war er selbst Mitglied des 1990 gewählten Stadtrats und später im Kreistag Ilm-Kreis. Mit der IG Stadtökologie Arnstadt e.V. hat er zahlreiche Projekte initiiert, Vorträge und Veranstaltungen zu umweltrelevanten Themen organisiert und bis heute 16 Umwelt- und Erlebnismärkte veranstaltet.
Jürgen Ludwig hat entscheidend dazu beigetragen, dass Umweltprojekte in Thüringen umgesetzt wurden und nachhaltige Entwicklung zum festen Bestandteil der Thüringer Landespolitik geworden ist.

- RWE COMPANiUS I Foto: Marc Darchinger
Kategorie Wirtschaft: RWE COMPANiUS
"Wir verknüpfen die Freude am Ehrenamt mit gezielten Spenden, effizienten Managementmethoden und beruflichen Lerneffekten."
Gesellschaftliche Verantwortung ist fester Bestandteil der Unternehmensstrategie von RWE. Allein 2010 wendete das Unternehmen über 27 Millionen Euro für das Allgemeinwohl auf. Unter dem Motto "Menschen machen's möglich" fördert die junge Volunteering-Initiative RWE COMPANiUS gezielt das gemeinnützige Engagement der über 72.000 Mitarbeiter des Unternehmens.
Das Team von RWE COMPANiUS initiiert, koordiniert und unterstützt konzern- und weltweit den ehrenamtlichen Einsatz engagierter Mitarbeiter. Alle Beschäftigten von RWE können ihre ehrenamtlichen Projekte finanziell fördern lassen. Zudem werden neue Volunteering-Formate erprobt - etwa der "Kopfverleih", bei dem RWE-Mitarbeiter in einem zweistündigen Brainstorming helfen, konkrete Probleme sozialer Einrichtungen zu lösen.
Von 2009 bis 2011 haben sich insgesamt 13.000 Mitarbeiter engagiert, 12.800 externe Helfer wurden ins Boot geholt, und 7.700 gemeinnützige Projekte profitierten von dem freiwilligen Einsatz.

- ZiP - Zusammen in Parchim I Foto: Marc Darchinger
Schwerpunktkategorie 2012 Engagement vor Ort: ZiP - Zusammen in Parchim
"Wir sind zu wichtigen Institution für die Stadt und ihre BürgerInnen geworden."
In Parchim gibt es rund 200 Vereine, Initiativen, Selbsthilfegruppen und zahlreiche nicht organisierte Ehrenamtliche. Vor 13 Jahren wussten nur wenige voneinander. Um den sozialen Zusammenhalt auf lokaler Ebene zu stärken, wurde im Jahr 2000 die Kontakt- und Informationsstelle für freiwilliges Engagement, Ehrenamt und Selbsthilfe mit dem Namen ZiP - Zusammen in Parchim auf Grund des deutlichen, großen Bedarfs eingerichtet.
Unter Federführung des Bürgerkomitees Südstadt e.V. leistet ZiP - Zusammen in Parchim einen wichtigen Beitrag zur infrastrukturellen Förderung des freiwilligen Engagements in Parchim. Das Projekt sorgt dafür, dass sich alle Parchimer Vereine, Initiativen und Selbsthilfegruppen vernetzen sowie Unternehmen und Kommune als Partner mit einbezogen werden. Zudem unterstützt die Kontaktstelle Bürgerinnen und Bürger, die sich für freiwilliges Engagement interessieren und vermittelt diese an Vereine. Mit seinem Angebot ist ZiP ein Vorbild für andere Regionen.

- Storch Heinar / ENDSTATION RECHTS. I Foto: Marc Darchinger
Kategorie Publikumspreis: Storch Heinar / ENDSTATION RECHTS.
"Wir engagieren uns dafür, Menschen jeden Alters über die Gefahren des modernen Rechtsextremismus aufzuklären und sie für ein eigenes Engagement für eine selbstbewusste und fröhliche Demokratie zu gewinnen."
Welche gewalttätigen Ausmaße rechtsextremes Gedankengut annehmen kann, hat erst kürzlich die Aufdeckung der NSU-Anschlagsserie in Deutschland gezeigt. Die von jungen Menschen aus den Reihen der Jusos in der SPD Mecklenburg-Vorpommern gegründete Internetplattform ENDSTATION RECHTS. informiert bereits seit 2005 kontinuierlich und tagesaktuell über rechtsextreme Entwicklungen und bietet Beteiligungsmöglichkeiten. Jeden Monat besuchen rund 150.000 Leser die Website.
Seit 2008 unterstützt das im Rahmen von ENDSTATION RECHTS. gegründete Satire-Projekt Storch Heinar auf humoristische Weise die Aufklärungsarbeit. Storch Heinar wurde bundesweit bekannt als eine gelungene Initiative gegen die rechtsextreme Strategie, bei der Ansprache junger Menschen auf subtile Mittel wie Bekleidung oder Musik zu setzen.
ENDSTATION RECHTS. und Storch Heinar setzen sich dafür ein, dass Menschen mit sachlichen und auch satirischen Mitteln für die Gefahren des modernen Rechtsextremismus sensibilisiert und zum eigenen Engagement gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt ermutigt werden.

- Dr. Maria Schoeller (Mitte) mit Dietmar Meister (links) und Anja Heyde (rechts) I Foto: Marc Darchinger
Generali-Sonderpreis: Interessengemeinschaft Golzheim aktiv e.V.
"Es macht Spaß, in Golzheim zu leben."
Golzheim ist ein Dorf mit 1.300 Einwohnern. Der Strukturwandel und die Veränderungen der sozialen Beziehungen sind auch in Golzheim zu spüren. Die Vision und das Ziel von Golzheim aktiv ist, das Zusammenleben im Dorf für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren noch attraktiver und schöner zu gestalten, damit jeder Dorfbewohner sagen kann: "Es macht Spaß, in Golzheim zu leben."
Die Interessengemeinschaft möchte die Generationen näher zusammenbringen, die Zusammenarbeit der Ortsvereine stärken und das Engagement aller Gruppen und Personen im Ort bündeln. In Arbeitsgruppen, die parallel und unabhängig voneinander arbeiten, werden von den Ehrenamtlichen z. B. Einkaufsdienste, Informationsabende zu "Facebook" oder "Pflege im Alter" und generationsübergreifende Projekte zum Thema Zeitzeugen organisiert.
Die zeitlich befristeten Projekte bieten allen Golzheimern die Möglichkeit, sich nach persönlichen Vorlieben und Talenten zu beteiligen. Dieses punktuelle Engagement findet großen Zuspruch bei den Dorfbewohnern. Mittlerweile gibt es 130 Mitglieder, die sich für verschiedene Projekte einsetzen und mit neuen Ideen ihre Dorfgemeinschaft stärken.
Die Interessengemeinschaft Golzheim aktiv e.V. war einer der zehn Finalisten in der Online-Abstimmung um den Publikumspreis des Deutschen Engagementpreises. Um zu verhindern, dass das Projekt Endstation Rechts. / Storch Heinar den Preis bekommt, organisierten rechtsextreme Gruppierungen in ihren Netzwerken Stimmen für den bis dahin Zweitplazierten Golzheim aktiv. Die Interessengemeinschaft zog daraufhin die Teilnahme am Wettbewerb zurück und distanziert sich ausdrücklich von jeglichem rechtsextremen Gedankengut. Der Generali Zukunftsfonds, einer der Hauptförderer des Deutschen Engagementpreises, stiftet einen Sonderpreis für dieses Zeichen gegen Rechtsextremismus.







