Janina Krüger
Janina Krüger I Foto: Sven Lorenz

Drei Fragen an Janina Krüger

Name: Janina Krüger

Geburtsjahr: 1964

Beruf: Sozialunternehmerin (Studium der Rechtswissenschaften / Romanistik)

Engagement: Gründung und Leitung der Ehrenamt Agentur Essen e.V., Ehrenamtliche Leitung einer Unternehmensstiftung (Stiftung FAIRNETZEN) und einer Stiftung für bürgerschaftliches Engagement (Stiftung Essen tut gut!), ehrenamtliche Mitwirkung in Kuratorien und Beiräten verschiedener gemeinnütziger Organisationen.

Ort: Essen

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie?

Für mich ist Ehrenamt Ausdruck einer lebendigen Demokratie fernab von staatlicher Lenkung und Nutzung. Ehrenamtlich tätig zu werden ist fast immer eine Herzensangelegenheit und je mehr Menschen sich in unsere Gesellschaft einbringen, desto lebendiger und vielfältiger wird unser Zusammenleben. Freiwilliges Engagement ist nicht allein in sozialen Bereichen wichtig für unsere Gesellschaft. Sport, Bildung, Kultur, Gesundheit, Umwelt- und Tierschutz sind beliebte Felder für freiwillige Arbeit. So unterschiedlich die Menschen sind, so differenziert ist ihr bürgerschaftlicher Eigensinn, den es mit Unterstützung professioneller Mittlerstrukturen, wie z.B. Freiwilligenagenturen zu verwirklichen gilt.

Wofür engagieren Sie sich?

Für die Vernetzung von Bürgern und Unternehmen sowie gemeinnützigen Organisationen und Projekten. Deshalb habe ich die gemeinnützige Ehrenamt Agentur in Essen im Jahr 2005 mitgegründet. Die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements war auch in der IT-Branche mein Antrieb, Personalentwicklung mit sozialen Bildungsprojekten zu verbinden und Bürgerzentren in benachteiligten Essener Stadtteilen oder Computerschulen in Brasilien aufzubauen. Die ehrenamtliche Leitung der Unternehmensstiftung FAIRNETZEN und der Aufbau einer Stiftung für bürgerschaftliches Engagement in Essen gehören zu meiner Vernetzungsarbeit auf vielen Ebenen, um dem Engagement der Bürger in unserer Gesellschaft mehr Gewicht zu verleihen. Ich bin ehrenamtlich in verschiedenen Stiftungskuratorien, im Beirat einer universitären Einrichtung zur Förderung von Service Learning und in einem Essener Lions Club engagiert.

Was ist einzigartig an Ihrem Engagement?

Ich komme aus der Wirtschaft und bin auch im gemeinnützigen Sektor eine Sozialunternehmerin. Das wirkt sich auf die Arbeitsatmosphäre und das Erscheinungsbild der von mir geleiteten Organisationen aus: Hier paart sich Kreativität mit fachlicher Expertise, Flexibilität mit Innovationskraft, Organisations- mit Improvisationstalent. Und ganz oben steht für mich die unbedingte Orientierung an den Wünschen der Bürger und gemeinnützigen Organisationen.

 

 

Jakob Henschel
Tina Uhlemann I Foto: privat

Drei Fragen an Tina Uhlemann

Name: Tina Uhlemann 

Geburtsjahr: 1990

Beruf: Angestellte in einer Kommunikationsagentur

Engagement: 2. Vorsitzende von PULS Deutschland e.V., ein Verein, der durch Engagement Camps Jugendliche für ehrenamtliches Engagement begeistert; Aufgaben: Verbreitung und Begleitung der PULS Camp-Idee und Coaching neuer PULS Camp-Veranstalter.

Ort: Berlin

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie?

Engagement ist mein Weg etwas Gutes für unsere Gesellschaft zu tun und mich gleichzeitig selbst zu verwirklichen. Engagement hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin und dahin begleitet, wo ich heute stehe. Nichts hat mir vergleichbar bewegende Momente und Begegnungen beschert und so viel fürs Leben gelehrt wie mein Einsatz für Menschen mit Menschen.

Wofür engagieren Sie sich?

Ich möchte, dass mehr Jugendliche diesen Weg gehen und durch soziales Engagement ihren Platz in der Gesellschaft finden.

Mit den PULS Engagement Camps rufen wir Jugendliche in ganz Deutschland zu einer Woche "Urlaub vom Ego und vollem Einsatz für andere auf".

PULS bietet jungen Leuten, die bisher kaum Erfahrungen mit persönlichem Engagement gemacht haben ein attraktives Format, unkompliziert aktiv zu werden. Pro PULS Camp engagieren sich circa 20 bis 30 Jugendliche im Alter von 14 bis 25 Jahren in kleinen Teams über mehrere Tage kulturell, sozial und ökologisch in ihrer Stadt. Jeden Tag können die Teilnehmer zwischen verschiedenen Angeboten ein bis zwei Aktionen auswählen und so mit Freunden erleben, dass Engagement Spaß macht: Von Renovierungsarbeiten im Jugendzentrum über eine Ausflugsbegleitung mit Senioren bis zur Küchenhilfe im Obdachlosencafé PULS zeigt den Teilnehmern, wo Engagement möglich ist. PULS Camps verbinden Ferienlageratmosphäre mit dem tollen Gefühl etwas Gutes zu tun. Dadurch werden nicht nur junge Leute in ihrer Persönlichkeit gestärkt, sondern auch gemeinnützige Einrichtungen, die helfende Hände auch nach dem Camp dringend benötigen.

Das PULS Konzept kommt an, sodass wir mit dem PULS Deutschland e.V. PULS Camps bundesweit als Beteiligungsmodell etablieren, um junges Engagement zu fördern. Jede motivierte gemeinnützige Einrichtung, ob Freiwilligenagentur, Jugendclub oder Studentenverein kann lokaler Camp-Veranstalter werden und wird dabei umfassend vom PULS Deutschland e.V. unterstützt.

Was ist einzigartig an Ihrem Engagement?

Jedes Engagement, in dem ein Herz für eine Sache brennt, ist einzigartig...

 

 

Jakob Henschel
Wolfgang Gründinger I Foto: David Ausserhofer

Drei Fragen an Wolfgang Gründinger

Name: Wolfgang Gründinger

Geburtsjahr: 1984

Beruf: Autor und Zukunftslobbyist

Engagement: Ehrenamtlicher Sprecher der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen, Mitglied im Think Tank 30 (tt30) des Club of Rome, Mitglied im Beirat der Deutschen Umweltstiftung

Ort: Berlin

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie?

Engagement ist Weltretten. Das ist weniger pathetisch, als es klingen mag. Mir ist nicht egal, was in der Welt passiert, und ich kann nicht ruhig die Nachrichten lesen, ohne dass ich etwas tun will für mehr Freiheit und Gerechtigkeit. Ich kann sicherlich nicht die Revolution auslösen oder den Klimawandel aufhalten, aber soll man einfach die Augen verschließen, sich bequem zurücklehnen und sich denken: "Ich kann ja eh nix machen?" Und wenn man dann sieht, dass man doch etwas bewirken kann und nicht alleine ist, dann gibt das viel Elan und Energie.

Wofür engagieren Sie sich?

Ich kämpfe dafür, dass dieses Land enkeltauglich wird. Das fossil-atomare Energiesystem ist die größte Hypothek, die wir künftigen Generationen aufbürden. Daher ist die Energiewende das wichtigste Projekt für Generationengerechtigkeit.

Zweitens müssen wir das herrschende Zwei-Generationen-Wahlrecht beseitigen. Der undemokratische Zustand, dass junge Menschen unter 18 Jahren von der Mitsprache ausgeschlossen sind, ist nicht länger tragbar. Alle Bürger müssen dasselbe Wahlrecht haben, unabhängig von ihrem Alter.

Drittens brauchen wir ein Zukunftsinvestitionsprogramm in Bildung, Familien und Umwelt. Dieses können wir finanzieren durch eine höhere Steuer auf große private Erbschaften. Solch ein Generationen-Soli ist längst überfällig.

Was ist einzigartig an Ihrem Engagement?

Ob mein Engagement so einzigartig ist, sei dahingestellt. Aber ich streite zusammen mit einem kleinen Team für mehr Generationengerechtigkeit, ob das nun in Sachen Energie, Demokratie oder Renten ist. Die Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen, wo ich ehrenamtlicher Sprecher bin, ist tatsächlich einzigartig in Deutschland. Wir brauchen aber noch viel mehr Unterstützer, denn die Herausforderungen der Demografie und der Generationengerechtigkeit sind bekanntlich gewaltig.

Jakob Henschel
Kerstin Wenzl I Foto: privat

Drei Fragen an Kerstin Wenzl

Name: Kerstin Wenzl

Geburtsjahr: 1967

Beruf: Leitung Mehrgenerationenhaus Mütterzentrum Fürth gem. e.V.

Engagement: Unterstützung von Personen mit Migrationshintergrund, offene Angebote für Familien, Entwicklung generationenübergreifender Angebote. Nominiert für den Deutschen Engagementpreis 2013.

Ort: Fürth

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie?

In erster Linie: "Ein Stück zurückgeben!" Wenn es einem selbst gut geht, man eine tolle Familie hat und einen prima Freundeskreis, dann ist dies nicht einfach selbstverständlich.

Ehrenamt macht zudem unheimlich viel Freude. Man kommt wie im Mehrgenerationenhaus Fürth mit Menschen aus vielen verschiedenen Nationen und Altersgruppen zusammen, man lernt voneinander und sieht, wo jeder seine Stärken und Schwächen hat. „Hinschauen“ – das finde ich ganz wichtig! Oft kann man mit kleinen Projekten, die man im Team auf den Bedarf ausgerichtet initiiert, sehr viel erreichen. Es ist nicht immer nur alles gut, was viel Geld kostet. 

Wofür engagieren Sie sich?

Hier in der westlichen Innenstadt von Fürth leben 30% Familien mit Migrationshintergrund, viele Menschen leben vom SGB II Bezug, nahe an der Armutsgrenze, und ganz viele Senioren sind alleine in ihren Sozialwohnungen. Der Stadtteil hat die schlechteste Sozialquote aller städtischen Bezirke in Fürth.

Wir kümmern uns darum, dass Kinder aus bildungsfernen Familien Hilfen bei den Hausaufgaben bekommen, begleiten Eltern zu Schul- und Kindergartenterminen, beraten bei Problemen mit Ämtern. Wir unterstützen junge Familien in der Kinderbetreuung. Hier übernimmt z. B. eine Gruppe von rüstigen Seniorinnen aus "Omas guter Stube" stundenweise die Kinderbetreuung. Am schönsten ist zu sehen, dass Generationen sich untereinander unterstützen, sich treffen, ihre Erlebnisse austauschen, einfach zusammen kommen. Wir möchten erreichen, dass sich alle Generationen im Stadtteil wohlfühlen und sich gegenseitig unterstützen.

Was ist einzigartig an Ihrem Engagement?

Als einzigartig möchte ich mein Engagement nicht bezeichnen. Engagement für Schwächere aus allen Schichten der Gesellschaft macht stark – vor allen Dingen in der Gemeinschaft! 

Jakob Henschel
Jakob Henschel I Foto: Matthias Staiger

Zwei Fragen an Jakob Henschel

Jakob Henschel leitet im Deutschen Caritasverband das Projekt [U25], eine Online-Beratung für suizidgefährdete junge Menschen. Das Besondere an [U25] ist, dass Gleichaltrige die Beratung übernehmen. [U25] wurde von der Jury des Deutschen Engagementpreises 2013 als Finalist ausgewählt und belegte im Online-Voting zum Publikumspreis den zweiten Platz. 

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie?

Ohne unsere jungen ehrenamtlichen Beraterinnen und Berater gäbe es kein [U25]. Das Besondere an unserem Angebot ist ja gerade, dass hier Suizidprävention durch Nicht-Fachleute durchgeführt wird, die darüber hinaus auch noch zwischen 16 und 25 Jahre jung sind. 

Dennoch gibt es bei [U25] kein ehrenamtliches Engagement ohne fachkundige Anleitung: Unsere jungen Beraterinnen und Berater werden von einer erfahrenen Sozialpädagogin ausgebildet und bei der Beratung permanent begleitet.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Engagement?

Das Hauptziel ist die Verhinderung von Suiziden. Dabei hilft der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung -  und dieser wird durch das gleiche Alter von Ratsuchenden und Beraterinnen und Beratern sehr begünstigt. Unsere Ehrenamtlichen geben dabei keine Ratschläge, sondern versuchen zu verstehen, wie es im Gegenüber aussieht und wie sich die suizidale Situation für sie oder ihn genau anfühlt.

Zusätzlich sehen sich unsere jungen Beraterinnen und Berater als Botschafter in Sachen Suizidprävention. Sie leisten Aufklärungsarbeit in ihrer Schule bzw. Hochschule und in ihrem privaten Umfeld und tragen damit dazu bei, das unbequeme Tabuthema „Suizid" in den öffentlichen Fokus zu rücken.

Christina Everts
Christina Everts I Foto: privat

Zwei Fragen an Christina Everts 

Christina Everts engagiert sich bei Medinetz Mainz e. V. Medinetz vermittelt Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus oder Migranten ohne Krankenversicherung an Ärzte, die sie anonym und wenn möglich kostenlos behandeln. Medinetz ist Drittplatzierter im Online-Voting für den Publikumspreis des Deutschen Engagementpreises 2013.

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie?

Freiwilliges Engagement bedeutet für mich, etwas davon weiterzugeben, was ich selbst erfahren und bekommen habe. Es ist nicht selbstverständlich, in einer Umgebung aufzuwachsen und zu leben, die einem so viele Möglichkeiten und Freiheiten bietet. Dieses Privileg möchte ich für Menschen nutzen, die unter schwierigeren Bedingungen leben. 

Außerdem macht ehrenamtliches Engagement großen Spaß. Bei Medinetz bin ich in Kontakt mit Menschen, die etwas bewegen und verändern wollen. Gemeinsam Missstände zu erkennen und etwas dagegen zu unternehmen, verbindet uns und lässt uns zusammenwachsen. Gleichzeitig ist auch die Begegnung mit den Menschen, die Hilfe suchen, für mich etwas Besonderes. Ihre Situation, Herkunft und Geschichte kennen zu lernen, erlaubt mir den Blick über den „Tellerrand“ und lässt mich mein eigenes Leben reflektieren. Ich lerne dabei immer wieder aufs Neue, den Menschen mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Engagement?

Wir von Medinetz Mainz sind der Überzeugung, dass jeder Mensch ein Grundrecht auf eine adäquate medizinische Versorgung hat. Deshalb vermitteln wir Migrantinnen und Migranten, Flüchtlinge und Menschen ohne Papiere an Ärztinnen und Ärzte, wenn sie keinen ausreichenden Zugang zum deutschen Gesundheitssystem haben. Unser langfristiges Ziel ist es, dass es einen Verein wie Medinetz nicht mehr geben muss. Wir wünschen und fordern, dass es Strukturen gibt, die jedem Menschen unabhängig von Staatsbürgerschaft, Herkunftsland und Aufenthaltsstatus eine medizinische Versorgung gewährleisten! Wir wollen durch Öffentlichkeitsarbeit auf die oft prekäre Situation dieser Menschen aufmerksam machen und sind in Gesprächen mit Politikern, mit denen wir Lösungsansätze diskutieren. 

Dass es mitten in Deutschland Menschen gibt, die bei Schmerzen und Krankheit nicht zu einem Arzt gehen können, ist für uns eine untragbare Situation. Deshalb bestehen unsere täglichen Ziele darin, dass alle Menschen ihr Recht auf medizinische Versorgung wahrnehmen können:

  • dass jede schwangere Frau die Möglichkeit hat, Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch zu nehmen, zu ihrem Schutz und dem des ungeborenen Kindes.
  • dass Personen, die Schreckliches erlebt haben, psychiatrische oder psychologische Hilfe bekommen, um in ein lebenswertes und würdevolles Leben zurückkehren zu können. 
  • dass Menschen nicht erst in ein Krankenhaus gehen, wenn die Krankheit sehr weit fortgeschritten ist, weil sie vorher Angst hatten vor Verschuldung oder Abschiebung. 
  • dass es keine Kinder geben muss, die schwere Sprachentwicklungsstörungen haben, weil sie nie einen Hörtest machen konnten. 

Um eine ausreichende Versorgung sicherzustellen, müssen sich die politischen Strukturen verändern. Ehrenamtliche Organisationen dürfen hier nicht allein in der Verantwortung bleiben. Medizinische Versorgung ist ein Menschenrecht! Unser Ziel ist es, dieses umzusetzen.

Hans-Christoph Richter
Hans-Christoph Richter I Foto: Helke Floeckner, Allgemeiner Anzeiger

Zwei Fragen an Hans-Christoph Richter

Hans-Christoph Richter gründete im Jahr 2008 den Selbsthilfe-Verein "Lebensumwege" in Sömmerda. Die psychosoziale Selbsthilfe richtet sich an Betroffene mit psychischen Erkrankungen wie z. B. Depressionen, Ängsten oder Burnout sowie an deren Angehörige. Aufgrund seines anhaltenden und erfolgreichen Einsatzes in der Selbsthilfe wurde Hans-Christoph Richter für den Deutschen Engagementpreis 2013 nominiert.

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie?

In erster Linie für andere da zu sein, die meine Hilfe brauchen. Nicht nur darüber zu reden, wie etwas verändert und verbessert werden kann, sondern es einfach zu tun. Sich für Menschen mit seelischen Belastungen und psychischen Erkrankungen einzusetzen, ihnen helfen zu können sowie Hoffnung und Zuversicht zu vermitteln, ist für mich eine Herzensangelegenheit, tiefe innere Überzeugung und Berufung zugleich.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Engagement?

Erklärtes Ziel ist für mich, Hilfesuchenden tragfähige Brücken zu bauen, gemeinsam neue Wege zu beschreiten und Menschen in Problemsituationen umfassend beizustehen. Dabei eigenes Wissen und Erfahrungen einzubringen hilft, neue Ziele zu definieren und zusammen Lösungen zu finden, die einen "Lebensumweg" zu etwas Positivem und Lohnenswertem machen.

Seit der Gründung unseres Selbsthilfe-Vereins Lebensumwege e.V. können wir Betroffenen und Angehörigen umfassend helfen und so viel Stabilität geben, dass sie ihr Leben wieder aus eigener Kraft zu meistern imstande sind. Wichtig ist und bleibt, die Potenziale und Ressourcen jedes Einzelnen zu erkennen, damit er sich in die Gemeinschaft Gleichgesinnter einbringen kann und alle von diesen Synergien profitieren.

Mittlerweile hat unser Verein über 100 Mitglieder in fünf Thüringer Städten und über die Landesgrenzen hinaus. Diese Strukturen wollen wir weiter kontinuierlich ausbauen und gemeinsam gestalten, damit künftig noch mehr Betroffenen und ihren Angehörigen geholfen werden kann.

Ein weiteres Ziel ist die Sensibilisierung der Öffentlichkeit, um dem Tabu psychischer Erkrankungen zu begegnen und das damit verbundene Stigma abzubauen. Bereits stattfindende und künftige Vorträge zur seelischen Gesundheit, eine umfangreiche Pressearbeit und die Vernetzung mit weiteren Einrichtungen und Trägern des Gesundheitswesens werden dazu beitragen.

Annette Saur
Annette Saur I Foto: privat

Zwei Fragen an Annette Saur

Annette Saur engagiert sich mit ihrem Verein CERES e. V. für Menschen mit erworbenen Schädel-Hirn-Verletzungen und deren Angehörige. Für ihren langjährigen und erfolgreichen Einsatz wurde Annette Saur für den Deutschen Engagementpreis 2013 nominiert.

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie?

Freiwilliges Engagement heißt für mich bürgerschaftliches Engagement, gemeinwohlorientiert, freiwillig und nicht auf materiellen Gewinn ausgerichtet. In Gemeinschaft und Kooperation die Interessen der Betroffenen und ihrer Angehörigen wahren, durch Lernprozesse und demokratische Kompetenz soziales Kapital erzeugen. Vorbildhafte neue Wege aufzuzeigen, die dem Allgemeinwohl dienen. Durch sinnvolle Aufgaben in Teamarbeit Spaß und Erfüllung zu finden. Nicht weg schauen, sondern selber anpacken!

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Engagement?

Als ehemalige Betroffene weiß ich um die Ängste und Nöte der Betroffenen. Durch eine Schädel-Hirnverletzung krankt ein gesamter Familienverbund. Wenn ich also nach meinen Zielen gefragt werde, dann muss ich mich zuerst mit dem Hilfsbedarf der Patienten und ihrer Angehörigen auseinandersetzen. Ich möchte Beistand leisten, um Betroffene bedarfsgerecht zu unterstützen. Ziel muss es sein, bessere Wege zu finden sowie Transparenz und Aufklärung zu betreiben.

Ingo Jeschke
Ingo Jeschke I Foto: privat

Zwei Fragen an Ingo Jeschke

Ingo Jeschke engagiert sich mit eigener Parkinson-Erkrankung für die Förderung des Sports im Landkreis Prignitz. Er betreibt Fundraising, um Fußball und Behindertensport zu unterstützen, und ist zudem in der Parkinsonhilfe aktiv. Für seinen erfolgreichen Einsatz wurde er für den Deutschen Engagementpreis nominiert.

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie?

Freiwilliges Engagement bedeutet für mich, dort zu helfen und tätig zu werden, wo Hilfe gebraucht wird. Trotz schwerer Erkrankung sich nicht einzuigeln, sondern sich für das Wohl von gleichgesinnten (Aufbau einer Selbsthilfegruppe Parkinson) und behinderten Menschen in unserer Region und in ganz Brandenburg einzusetzen. Sowie dort tätig zu werden, wo Kommune und Staat die Hände gebunden sind.

Ich helfe mit, Blockaden zwischen Behinderten und nicht behinderten Menschen durch Sport - Fußball, Spiel und Spaß an der Sache - zu lösen. Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung schon früh zu helfen und sich durch gemeinsame Sportfeste verstehen zu lernen. Deshalb engagiere ich mich auch für mehrere Projekte bei verschiedenen Organisationen.

Freiwilliges Engagement bedeutet für mich auch, Missstände zu thematisieren und sich dafür einsetzen, sie zu verbessern.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Engagement?

Meine Ziele sind, mehr Menschen, Firmen und Organisationen zu bewegen, freiwilliges Engagement zu zeigen, sowie Menschen mit Behinderung zu unterstützen, damit sie so selbstverständlich wie möglich leben und sich als akzeptierter Teil unserer Gesellschaft empfinden können.

Ich möchte die Integration und Inklusion in unserer Region durch Sport weitreichend verbessern, mehr Sympathie für Menschen mit Behinderung erzeugen und sie durch Sport fördern.

Hannah Davina Küßner
Hannah Davina Küßner I Foto: privat

Zwei Fragen an Hannah Davina Küßner

Hannah Davina Küßner wurde für den Deutschen Engagementpreis 2012 vorgeschlagen, weil sie sich für Studierende mit Behinderungen und chronischen Krankheiten, insbesondere chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, engagiert. Als Betroffene gründete sie das bundesweite Selbsthilfe-Netzwerk StudiCED und ist außerdem in der Bundesarbeitsgemeinschaft Behinderung und Studium e. V. aktiv.

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie?

In erster Linie bedeutet freiwilliges Engagement für mich Spaß. Es ist mein größtes Hobby, mich für etwas stark zu machen, mit dem ich auch anderen Menschen helfen kann. Ich freue mich, wenn ich mit meinem Tun dazu beitragen kann, dass andere Studierende mit chronischen Krankheiten und Behinderungen ihren Weg mit etwas weniger Schwierigkeiten meistern können.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Engagement?

Die Welt zu retten... jeder sollte doch Träume haben. Wenn die Hilfe, die die vielen Initiativen für Studierende mit Handicaps durch ihr Engagement für andere junge Menschen leisten, nicht den ganzen Planeten rettet, aber vielleicht die Welt des einen oder anderen etwas besser macht, dann ist dieses Ziel doch schon erreicht.

Mit studiCED wollen wir junge Menschen auf ihrem Weg unterstützen. Die Diagnosen im jugendlichen Alter werden immer häufiger und verändern das Leben von Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern auf erschreckende Weise. Menschen mit einer CED sind vielen Belastungen ausgesetzt - körperlichen und seelischen. Erkrankte begegnen in ihrem Alltag Einschränkungen, vor allem aber hat die Diagnose tief greifende Auswirkungen auf die Lebensplanung. Und hier hilft studiCED.

studiCED ist ein bundesweites Netzwerk, das chronisch darmerkrankten Studierenden und anderen jungen Interessierten eine Plattform zum Austausch, zur Durchsetzung ihrer Rechte und zur Vertretung ihrer Interessen bietet. Bei den ein bis zwei Mal jährlich stattfindenden studiCED-Treffen stehen Spaß und das Erleben von Normalität im Vordergrund, was zum Empowerment der Teilnehmer beiträgt. Der Erfahrungsaustausch und direkte Kontakt zwischen betroffenen Studierenden stehen dabei im Fokus der Veranstaltung. Niemand ist ein Einzelfall. Dieses Bewusstsein ist sowohl für die Betroffenen wichtig, als auch für ihr Umfeld und ihre Mitmenschen.

Ich hoffe weiterhin, dass mehr junge Menschen mit Handicaps - ob unsichtbar oder sichtbar - sich trauen, an ihren Träumen festzuhalten und den holprigen Weg aufnehmen, ein Studium zu meistern, mit allem was dazugehört.

Katrin Löffelhardt I Foto: privat

Zwei Fragen an Katrin Löffelhardt

Katrin Löffelhardt leitet seit 2007 das Projekt Do it! der Diakonie Wuppertal. Das Projekt gewinnt, qualifiziert und begleitet ehrenamtliche Vormünder für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge und erweitert die bestehende Angebotsstruktur von Vormundschaften. Do it! belegte im Online-Voting zum Publikumspreis des Deutschen Engagementpreises 2012 den zweiten Platz.

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie?

Leben heißt Handeln, sagte Albert Camus einmal und beschrieb damit das Prinzip, dem Menschen folgen, die sich freiwillig engagieren. Der Einsatz für andere, insbesondere für die, die in der Gesellschaft sonst keine Lobby haben, ist unschätzbar wertvoll. So auch für all die Kinder und Jugendlichen, die ohne Eltern oder Familienangehörige aus ihren Heimatländern fliehen, weil dort Krieg, Verfolgung oder bitterste Armut herrschen.

Zurzeit leben etwa 80 junge Flüchtlinge in Wuppertal. Sie kamen aus Afghanistan, aus Guinea, aus Kamerun oder aus dem Irak. Minderjährige Flüchtlinge brauchen Menschen, die ihre Interessen vertreten und ihnen das Gefühl vermitteln, willkommen zu sein. Genau das leisten ehrenamtliche Vormünder und verhelfen so zu neuer Lebensperspektive.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Engagement?

Unser Projekt Do it! - Tu es - ist eine Aufforderung zum Handeln, der mittlerweile immer mehr Menschen in Wuppertal nachkommen. Zurzeit engagieren sich 35 Vormünder für junge Flüchtlinge. Das heißt konkret: Ehrenamtliche Vormünder unterstützen bei den Themen Schule und Ausbildung, kümmern sich um die medizinische Versorgung, die altersgerechte Unterbringung und um aufenthaltsrechtliche Fragen. Unsere Erfahrung zeigt, dass sich die jungen Flüchtlinge unter Obhut der ehrenamtlichen Vormünder positiv entwickeln.

Um optimale Voraussetzungen für die verantwortliche Aufgabe eines ehrenamtlichen Vormundes zu schaffen, hat die Diakonie Wuppertal ein Konzept entwickelt, das eine Qualifizierung der Ehrenamtlichen beinhaltet, regelmäßigen Erfahrungsaustausch sichert und eine Begleitung gewährleistet.

Inzwischen konnten wir Projektpartner in anderen Städten gewinnen und haben uns zum Ziel gesetzt, unser Modell auch in andere Bundesländer zu übertragen. Langfristig möchten wir natürlich mit unserem Projekt generell eine verbesserte Lebenssituation der minderjährigen Flüchtlinge schaffen, und zwar indem wir allgemeingültige Standards bewirken bei der Aufnahme und Integration dieser Jugendlichen. Unser Engagement für junge Flüchtlinge setzen wir gemeinsam mit dem Ev. Verein Betreuungen, Vormundschaften und Pflegschaften um. Das Projekt wird u.a. gefördert vom Europäischen Flüchtlingsfonds.

Nun freuen wir uns sehr über den 2. Platz im Online-Voting zum Publikumspreis des Deutschen Engagementpreises 2012. Eine großartige Auszeichnung und ein enormer Ansporn das Projekt weiterzuführen, um jungen Menschen die bestmögliche Chance auf eine positive Zukunft zu ermöglichen.

Andreas Heinecke I Foto: Arne Weychardt

Zwei Fragen an Prof. Dr. Andreas Heinecke

Andreas Heinecke ist Gründer und Geschäftsführer der Dialogue Social Enterprise GmbH, die mit der Ausstellung Dialog im Dunkeln weltweit blinde Menschen mit ihren Fähigkeiten und Kompetenzen in den Vordergrund rückt. Im Online-Voting zum Publikumspreis 2012 erreichte Dialog im Dunkeln den dritten Platz.

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie?

Erfüllung, die Gewissheit meinen Tagen Sinn zu geben und jeden Tag auf's Neue herausgefordert zu sein. Es bedeutet für mich aktiv an der Beseitigung eines Missstandes mitzuwirken und für die Werte, die ich wichtig finde, einzutreten. Dabei opfere ich mich nicht auf und tue Gutes. Ich bin ein egoistischer Altruist und erhalte mehr, als ich gebe.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Engagement?

Mit Dialog im Dunkeln, aber auch den anderen Aktivitäten wie Dialog im Stillen - Eine Ausstellung zur nonverbalen Kommunikation oder Dialog mit der Zeit - Eine Ausstellung zur Kunst des Alterns wollen wir einen Perspektivenwechsel vornehmen. Behinderung und Alter werden vor allem als Defizit betrachtet und die Potenziale, die auch oder gerade wegen massiver Einschränkungen und Herausforderungen entwickelt werden, sind der allgemeinen Bevölkerung weitgehend unbekannt. Dabei sind die Menschen, die nicht behindert sind, die eigentlichen Nutznießer, da sie über die Begegnung mit blinden, gehörlosen oder alten Menschen einen Impuls zu Reflexion erhalten und vor allem mehr über sich lernen.

Bei Dialog im Dunkeln lernen sie im Dunkeln zu sehen und erkennen die Schönheit einer Kultur ohne Bilder. Dialog im Stillen eröffnet einen Zugang zur non-verbalen Kommunikation und erweitert somit das Verständnis des menschlichen Austausches. In der Ausstellung Dialog mit der Zeit erhält unser Publikum einen Impuls über das eigene Verständnis von Zeit und Altern nachzudenken und erkennt, dass Alter vor allem Vermögen bedeutet.

Als Experten dieser Vermittlungsaufträge beschäftigen wir ausschließlich Menschen, die aufgrund ihrer Situation kaum Möglichkeiten haben, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten einzubringen. Somit verbinden wir ein Beschäftigungsprogramm für behinderte und benachteiligte Menschen mit einer Aufklärungskampagne und Wertediskussion. Und dies weltweit in 37 Ländern, seit 24 Jahren und ganz im Sinne des sozialen Unternehmertums.

Elsbeth Rütten I Foto: privat

Zwei Fragen an Elsbeth Rütten

Elsbeth Rütten leitet die Initiative Ambulante Versorgungslücken e.V. (AVL). Sie informiert, berät und begleitet Betroffene, wenn gesundheitliche Krisen und Einbrüche von Hilflosigkeit, Unkenntnis und unzureichender Information begleitet werden. Hierfür wurde AVL für den Deutschen Engagementpreis 2012 nominiert.

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie?

Freiwilliges Engagement antwortet heute vielfältig und verantwortungsvoll auf soziale Problemlagen. Der demografische Wandel, die immer bunter älter werdende Gesellschaft und neue Gesundheits- und Sozialerfahrungen schaffen nicht selten veränderte Voraussetzungen, wenn es um gesellschaftliche und soziale Herausforderungen geht. Freiwilliges Engagement spielt eine zunehmend größere Rolle, wenn Menschen in Singlehaushalten leben oder wenn die Mobilität der Familienmitglieder veränderte gesellschaftliche Wirklichkeiten schafft.
Nicht selten ist für Menschen ein Umdenken erforderlich, besonders dann, wenn gesundheitliche Herausforderungen hinzukommen oder bewältigt werden müssen. Hier setzt das freiwillige Engagement im Verein Ambulante Versorgungslücken an.

Seit nahezu drei Jahren tragen junge und ältere Menschen verlässlich dazu bei, dass der Verein Ambulante Versorgungslücken soziale Angebote für Betroffene bereithalten kann. Hinzu kommt der beide Seiten befruchtende Dialog der Generationen, der auf eine Win-Win-Situation, ein  hohes Maß wechselseitiger Anerkennung, Wertschätzung  und  Respekt setzt. Der Dialog auf  Augenhöhe ermöglicht und unterstützt  immer wieder wertvolle neue Engagementerfahrungen.
Mit Veranstaltungen wie dem „Spaziergang der Generationen“, oder „Wenn die Großeltern wüssten…“ erfährt insbesondere der Dialog der Generationen ein breitgefächertes öffentliches Interesse und sensibilisiert. Das freiwillige Engagement bei AVL beinhaltet einen intensiven, transparenten und offenen Dialog der Generation Zukunft.
„So viel Engagement wie möglich – so viel Profession wie nötig“.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Engagement?

AVL setzt auf Hilfe zur Selbsthilfe und auf Angebote, die zur Stärkung der individuellen Kompetenzen dienen und bei der Realisierung unterstützen. Die Zeit der Genesung nach einer ambulanten oder stationären Therapie zu gestalten, gehört ebenso dazu wie der 24-seitige Leitfaden „Gut vorbereitet – aktiv gesund“, der es den Menschen erlaubt, sich selbstbestimmt  auf den Krankenhausaufenthalt und die Zeit der Genesung zu Hause vorzubereiten. Durch individuelle und  telefonische Beratungen sowie Gruppenberatungen in Vorträgen informiert und unterstützt der Verein diesen Prozess. Es macht nicht selten einen wertvollen Kontrast aus, wenn die fachliche Beratung und das freiwillige Engagement eine stimmige Ergänzung bilden.
Information, „Hilfe zur Selbsthilfe“ (Empowerment), die Ausweitung der individuellen Ressourcen  und soziale Netzwerke bilden weitere Eckpfeiler, wenn eine Genesungszeit ohne „Lücken“  realisiert werden soll. Die „Wohlfühlanrufe“ oder „elektronischen Hausbesuche“ können auf Wunsch die Genesungszeit unterstützen oder aber die Einsamkeit mildern. Für ein Netzwerkprojekt, die „Bremer Stadtteilpläne für ältere Menschen“, wurde AVL mit einem  Preis gewürdigt. Die unterschiedlich akzentuierten freiwilligen Engagementerfahrungen ermöglichen es Menschen, die ansonsten oftmals abstrakte Vorstellung von Gesundheit oder Genesung mit Leben zu füllen.
Die „Enkeltauglichkeit“ und die Generationenfreundlichkeit unserer Gesellschaft werden in einem gewissen Maße davon abhängen, wie sehr es gelingen wird, neue soziale Brücken in die Genesung zu stabilisieren und die freiwilligen Engagementformen weiter auszubauen.

Roman Ebener I Foto: Ann-Kristin Block

Zwei Fragen an Roman Ebener

Roman Ebener kümmert sich seit Mitte 2011 um abgeordnetenwatch.de auf kommunaler Ebene und ist damit auch Ansprechpartner für jeden, der seine Kommunalpolitiker über das Internet befragen möchte. abgeordnetenwatch.de konnte sich in 2011 beim Online-Voting behaupten und gewann den Publikumspreis des Deutschen Engagementpreises.

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie?

Zunächst einmal verbinde ich freiwilliges Engagement mit großer Faszination. Es ist etwas Besonderes, sich für eine Sache einzusetzen, die einem wichtig ist, ohne dafür einen Lohn zu verlangen, weil man es gerne tut. Noch mehr fasziniert mich aber, dass so viele Menschen um mich herum bereit sind, sich für unsere Idee einzusetzen und die Internetseite abgeordnetenwatch.de zu unterstützen. Das verdient großen Respekt. Ich freue mich täglich darüber, mit begeisterten Helferinnen und Helfern zusammenzuarbeiten. Es dürfte kaum einen größeren gesellschaftlichen Schatz geben als die Motivation, anderen Menschen zu helfen, um etwas zu schaffen, das die Welt ein kleines Stück verbessert.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Engagement?

Über 100 Engagierte helfen mit, abgeordnetenwatch.de auf kommunaler Ebene einzurichten und die Idee einer offenen, transparenten Politik in der eigenen Stadt zu verbreiten. Wir möchten damit erreichen, dass "Politik zum Anfassen" nicht nur eine Vorstellung oder ein Wahlversprechen bleibt. Denn der öffentliche Dialog über das Portal abgeordnetenwatch.de schafft Transparenz und sorgt für eine Verbindlichkeit in den Aussagen der Politiker. Mit der Unterstützung des Preisgeldes von 10.000 Euro, das wir im Rahmen des Deutschen Engagementpreises 2011 gewonnen haben, ist es uns gelungen, in über 50 Städten die Kommunalpolitiker über das Internet befragbar zu machen. Bis wir sämtliche Städte vertreten haben, ist es allerdings noch ein weiter Weg.

Sabine Nölke-Schaufler I Foto: privat

Zwei Fragen an Sabine Nölke-Schaufler  

Sabine Nölke-Schaufler leitet die Geschäftsstelle des Bündnisses für Augsburg. Für die nachhaltige Förderung des freiwilligen Engagements gewann die Stadt Augsburg im letzten Jahr den Deutschen Engagementpreis in der Kategorie Politik & Verwaltung.  

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie?

Unsere Gesellschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten sehr verändert: Traditionelle Familienstrukturen werden durch vielfältige Lebensstile abgelöst (Patchworkfamilien, höhere Zahl Alleinerziehender, Singlehaushalte etc.), Arbeitsmobilität verändert gewachsene Beziehungen, und es gibt eine höhere Zahl von Älteren. Das fordert Menschen insbesondere im großstädtischen Bezug wie Augsburg heraus, soziale Beziehungen öffentlicher zu machen. Freiwilliges Engagement ist eine Win-win-Situation für alle: Städtische Anonymität wird abgelöst durch ein Miteinander und Füreinander, Solidarbeziehungen entstehen, der Wohlfühl-Faktor und das Lebensgefühl in unserer Stadt sind gestiegen. Andererseits gewinnen Engagierte neue Kontakte, das Gefühl, gebraucht zu werden, und erweitern ihre Kompetenzen. Engagierte Menschen leben gern in ihrer Stadt!   

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Engagement?

Mein Ziel ist es, seitens der Kommune Engagement  zu ermöglichen, zu fördern und zu unterstützen - keine Appelle, sondern konkretes Tun anbieten! Im Bündnis für Augsburg entwickeln wir Aktionen und Projekte, in denen Bürgerschaft, Wirtschaft und Stadtverwaltung von der Planung an zusammenarbeiten. Hier sind Bereiche abgedeckt, die nicht in Konkurrenz zu traditionellen Engagementformen stehen. Zeitlich befristetes Engagement ist für immer mehr Menschen eine gute Form ihrer Tätigkeit, sich für ihre Stadt zu engagieren. Dies ermöglichen wir in den Bündnis-Projekten. Darüber hinaus sollen bessere Rahmenbedingungen für Engagement entwickelt werden. Dies bedeutet, bestehendes Engagement zu sichern und unterstützen. Zum Beispiel leiden Vereine unter Mitgliederschwund, Vorstandspositionen bleiben mangels Kandidaten unbesetzt. Gemeinsam mit möglichst vielen zivilgesellschaftlichen Partnern entwickeln wir Instrumente, solchen Trends entgegenzuwirken: Anerkennungskultur, Internetportale oder Freiwilligenmessen stellen Öffentlichkeit her, wecken Interesse an Engagement und würdigen bestehendes. Engagement ist möglich, bereichert, macht Freude, ist "in"  und wichtig für unsere Stadt - diese Leitgedanken setzen wir vor allem mit dem Freiwilligen-Zentrum Augsburg kontinuierlich um.

Konrad Müller I Foto: privat

Zwei Fragen an Konrad Müller  

Konrad Müller leitet die Initiative Arbeit durch Management/PATENMODELL des Diakonischen Werkes, die arbeitssuchende Jugendliche und Erwachsene bei der Integration in den Arbeitsmarkt unterstützt. Für ihre Erfolge wurde die Initiative 2011 mit dem Deutschen Engagementpreis in der Kategorie Dritter Sektor ausgezeichnet.  

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie?

Freiwilliges Engagement ist der Inbegriff einer Vision der aktiven Gesellschaft, in der die Bürgerinnen und Bürger die Lösung individueller und gesellschaftlicher Probleme nicht länger nur dem (Sozial)Staat überlassen. Deshalb umfasst ein freiwilliges Engagement eine Grundhaltung des Bürgersinns und der Solidarität, die im freiwilligen Tätigsein ihren Ausdruck findet. Diese freiwillig tätigen Bürgerinnen und Bürger übernehmen Verantwortung für sich, für andere und vor allem auch für unsere gesamte Gesellschaft. Unsere Initiative Arbeit durch Management/PATENMODELL ist an der Schnittstelle zwischen Kirche, Wohlfahrt, Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Bürgergesellschaft aktiv. Durch das freiwillige Engagement von über 1.300 tätigen Menschen in unserer Initiative wird dieses Bürgerengagement sichtbar und erlebbar.  

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Engagement?

In unserer Initiative Arbeit durch Management/PATENMODELL übernehmen aktive und ehemalige Führungskräfte aus Wirtschaft, Verwaltung und anderen Bereichen sowie Personalprofis und Trainer ehrenamtlich PATENSCHAFTEN für arbeitssuchende Menschen und für benachteiligte Schüler im Übergang zwischen Schule und Beruf. Das Ziel unserer Initiative ist es, den arbeitssuchenden Menschen den Weg zurück in den Arbeitsmarkt zu ebnen und die Schüler in der schwierigen Phase des Schulabschlusses und der Berufsorientierung zu begleiten. Ziel ist es auch, unseren Ratsuchenden neue Orientierung, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen mit auf ihren Weg zu geben. Natürlich wollen wir mit dieser Initiative auch solidarische Zeichen in unserer Gesellschaft setzen. Und wir wollen viele Menschen einladen, sich an den Schnittstellen unserer Initiative freiwillig zu engagieren!

Hans Gerlach (links) mit Freunden I Foto: privat

Zwei Fragen an Hans Gerlach

Hans Gerlach (18 Jahre) ist Geschäftsführer der Schülerfirma Namaste Nepal, die finanzielle Mittel für Hilfsprojekte in Gati, Nepal erschließt. Namaste Nepal belegte im diesjährigen Online-Voting zum Publikumspreis den zweiten Platz.

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie?

Durch meine zwei Besuche in Nepal kann ich aus erster Hand sagen, dass sich freiwilliges Engagement echt lohnt. Für mich bedeutet es, Menschen vor Ort und direkt zu helfen. Durch meine Arbeit in der Schülerfirma schaffe ich hierfür auch die Voraussetzungen. Mit meinem freiwilligen Engagement gebe ich nicht nur - was wir Schüler von unseren Freunden in Nepal zurückbekommen, ist mehr als materielle Werte. Freiwilliges Engagement funktioniert nicht mit spontanen Aktionen. Es ist oft ein langer Prozess, bis die ersten Ergebnisse sichtbar sind. Aber selbst aus Enttäuschungen kann man etwas lernen. Es ist wichtig, erst die Menschen und ihre Kultur zu verstehen, bevor man über die passende Hilfe nachdenkt. Als Geschäftsführer der Schülerfirma stehe ich oft in der Öffentlichkeit. Dabei habe ich den Anspruch, „ansteckend“ zu sein. Heutzutage ist Zeit ein kostbares Gut. Rumhängen oder langweilige Computerspiele sind nicht mein Ding. Mit Freunden Menschen zu helfen und etwas „Bleibendes“ zu schaffen, ist eine Chance, die man nutzen sollte. Es lohnt sich!  

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Engagement?

Wir sind Schüler, also wollen wir Voraussetzungen für eine gute Bildung in Gati schaffen. Unsere sozialen Projekte sollen Bestand haben, also nachhaltig sein. Seit zwei Jahren suchen wir nach möglichen Erwerbsquellen für die Dorfbevölkerung. Mit Hilfe zur Selbsthilfe wollen wir Rahmenbedingungen schaffen, um Schritt für Schritt den nepalesischen Anteil der Projektfinanzierung zu erhöhen. Wir wollen weitere Gymnasien für unseren Projektansatz gewinnen. Die Schülerfirma hat das Know-how, und die über 3.000 Gymnasien in Deutschland haben wohl genug Manpower.

Rüdiger Barth I Foto: René Traut

Zwei Fragen an Rüdiger Barth  

Rüdiger Barth leitet das Kinderhospiz Balthasar, das als erstes Kinderhospiz Deutschlands ein „zweites Zuhause“ für Familien mit unheilbar erkrankten Kindern bietet. Im Online-Voting zum Publikumspreis erreichte das Kinderhospiz den dritten Platz.  

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie?

Sich gemeinsam mit der Hilfe anderer Verbündeter mit allen unseren Möglichkeiten für die Menschen einzusetzen, die in Not sind. Freiwilliges Engagement ist gerade da unverzichtbar, wo öffentliche oder staatliche Hilfen nicht oder nur unzureichend greifen, wie zum Beispiel bei stationären Kinderhospizen. Nur etwa ein Drittel der Kosten werden übernommen, zwei Drittel kommen durch Spenden und freiwilliges Engagement, und das sind allein im Kinderhospiz Balthasar in Olpe über 1,2 Mio. Euro jedes Jahr. Einige Tausend Menschen engagieren sich, damit das gelingen kann. Neben den Spendern sind es auch ehrenamtliche Mitarbeiter, die dem Haus und damit den Familien ihre Zeit schenken und unverzichtbar sind. Aber auch die hauptamtlichen Mitarbeiter sind über ihre Arbeitszeit hinaus für die schwerkranken Kinder, die Eltern und Geschwister da.  

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Engagement?

Das Kinderhospiz ist ein „zweites Zuhause“ in einer Phase, die sicher zu den schwersten im Leben zählt: Das Kind stirbt vor seinen Eltern. Ziel der Arbeit ist es, die ganze Familie in dieser Zeit zu begleiten und aufzufangen bis zum Tod des Kindes und darüber hinaus. Es geht darum, die verbleibende Zeit – trotz allem – so schön und angenehm wie möglich zu gestalten. So ist Balthasar seit über 13 Jahren ein „Ort zum Leben und Lachen – Sterben und Trauern“ für viele hundert Familien geworden, dank dem Engagement vieler Menschen!  

Ulrike Folkerts I Foto: Katharina Schnitzler

Zwei Fragen an Ulrike Folkerts    

Die Schauspielerin Ulrike Folkerts ist Mitgründerin und stellvertretende Vorsitzende des Vereins kulturvoll e. V. Für die kulturelle Förderung sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher wurde sie für den Deutschen Engagementpreis nominiert.    

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie?  

Freiwilliges Engagement bedeutet für mich, gemeinsam mit Hilfe von Verbündeten mit unseren Möglichkeiten, Fähigkeiten, Ideen und Visionen einen Beitrag in dieser Gesellschaft zu leisten, an einem Punkt, wo es viele Bedürftige gibt. Für uns sind dies in erster Linie Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Zusammenhängen. Kinderarmut ist in den letzten Jahren zunehmend ein Thema in unseren Nachrichten geworden. Kinder, die zu wenig zu Essen haben, zu wenig zum Anziehen, zu wenig Unterstützung von zu Hause für ihre persönliche Entwicklung, die gibt es hier bei uns und nicht mehr nur in Dritte Welt-Ländern. Das ist Grund genug, hier und jetzt etwas tun zu wollen, etwas abzugeben, etwas zu teilen, mitzuteilen, mit auf den Weg zu geben; Grund genug, um Fähigkeiten und Talente zu fördern, die in jedem Kind schlummern.    

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Engagement?  

Kulturelle Werte bilden das Fundament für eine intakte und lebendige Gesellschaft. Sie bieten den Menschen Orientierung, schaffen Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Die frühzeitige Beschäftigung mit Kunst und Kultur stärkt individuelle Fähigkeiten, schafft Freiräume im Denken und stiftet Perspektiven für eine gelungene Lebensgestaltung. kulturvoll e.V. möchte mit seiner Arbeit einen Beitrag leisten, auch sozial benachteiligten jungen Menschen den Zugang zu Kunst und Kultur zu ermöglichen.  

Manfred Baasner I Foto: privat

Zwei Fragen an Manfred Baasner  

Manfred Baasner gründete als Arbeitsloser die Wattenscheider Tafel e. V., aus der die erste Kindertafel hervorging. Aus dieser Initiative entstand ein privat ehrenamtlich arbeitender Sozialkonzern mit über 400 Mitarbeitern. Für seinen vorbildlichen Einsatz wurde Manfred Baasner für den Deutschen Engagementpreis nominiert.  

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie?

Ich möchte ein positives Beispiel geben für unsere vielfältige Gesellschaft, insbesondere für die junge Generation. Bevor ich vom Staat erwarte, dass er eingreift, suche ich in meinem Umfeld nach Wegen, wie ich selbst aktiv werden kann, indem ich auf Schwachstellen hinweise und versuche, diese abzuschaffen. Der Staat kann nicht alles regeln. Das ist nicht nur ehrenamtliches, sondern auch staatsbürgerliches Engagement. Der Staat kann nur funktionieren, und unsere Gesellschaft kann nur prosperieren, wenn die Bürgerinnen und Bürger sich beteiligen. Für mich bedeutet das, dass die, die helfen können, denen helfen, die Hilfe brauchen.    

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Engagement?

Ich möchte Verantwortung übernehmen und Menschen helfen. „Handeln ohne wegzusehen - für ein Leben miteinander!“ ist mein Lebensmotto. Wenn ich soziale Schieflagen in der Gesellschaft erkenne, möchte ich helfen, um diese zu beseitigen. Ich habe eine 13jährige Erfahrung darin, Menschen an sieben Tagen in der Woche mit eigenen großen und kleinen Hilfsprojekten auf vielen Gebieten zu helfen. Nach einer langen Krankheit weiß ich, wie es sich anfühlt, wenn man an die Grenzen des eigenen Lebens gelangt. Mein Leben ist jetzt wieder ausgefüllt, indem ich mich durch die Arbeit in der Wattenscheider Tafel für andere und mit anderen zusammen engagiere. Mir gelingt es, immer mehr Menschen zu überzeugen, sich diesem Beispiel anzuschließen. So erlebe ich, dass es anderen durch die Arbeit der Tafel besser geht. Das ist ein Geschenk, das ich gerne mit anderen teile, damit es für meine Mitmenschen ein positives Beispiel ist. Durch diese Arbeit bin ich wieder ein Mensch geworden, der Vertrauen zu sich selbst und zu unserer Gesellschaft gefunden hat.  

Silke Gramatzki-Wieczorek I Foto: privat

Zwei Fragen an Silke Gramatzki-Wieczorek  

Silke Gramatzki-Wieczorek engagiert sich im Tierschutz. Sie gründete den Verein Verantwortung Leben e.V.  

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie?

Die Tierschutzarbeit ist so etwas wie eine Berufung für mich geworden. Ich kämpfe gegen bestehende Missstände und engagiere mich aus tiefstem Herzen für die Tiere. Sicherlich verändert das Retten eines Tieres nicht die ganze Welt, aber die ganze Welt verändert sich für dieses Tier. Daran glaube ich und das ist mein Ansporn. Früher habe ich mich mit ganz anderen Dingen beschäftigt, mittlerweile weiß ich jedoch, worauf es für mich im Leben ankommt und wofür ich meine Zeit und Energie gerne aufwenden will.  

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Engagement?

Ich möchte dazu beitragen, Tieren einen besseren Stellenwert in unserem Leben und in der Gesellschaft zu geben. Wir helfen insbesondere den Tieren, die schon längst verlassen und vergessen sind, ob blind, taub oder dreibeinig. Jedes Leben zählt für uns. Dabei  fangen wir mit der Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen an. Sie lernen Verantwortung zu übernehmen, indem sie Tiere pflegen, füttern und in ihnen Freunde fürs Leben finden. Tiere haben eine positive Wirkung auf die Entwicklung von Kindern, denn Tiere nehmen ihnen häufig Stress, was in der heutigen Zeit ganz wichtig ist.

Haymo G. Rethwisch I Foto: Deutsche Wildtier Stiftung

Zwei Fragen an Haymo G. Rethwisch

Haymo G. Rethwisch ist Gründer und Vorsitzender der Deutschen Wildtier Stiftung. Die Stiftung widmet sich dem Schutz von Wildtieren und ihren natürlichen Lebensräumen.

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie?

Verantwortung zu übernehmen und Dinge zu fördern, die einerseits denjenigen, die sich engagieren, Befriedigung verschaffen und gleichzeitig aber auch gesellschaftliche Bedeutung haben. Für uns bedeutet es ganz konkret, sich für die Bewahrung der Natur einzusetzen und der zunehmenden Naturentfremdung von Kindern und Jugendlichen entgegen zu wirken.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Engagement?

Wir möchten mit unserer Stiftung die heimische Natur schützen, wir wollen sie weiter entwickeln. In der Natur spielen für uns die Wildtiere eine besondere Rolle, weil sie etwas sind, von denen wir alle irgendwie, in jeder Form immer mal wieder profitieren. Alleine der Gesang der Vögel im Frühjahr oder auch im Sommer ist etwas, was sozusagen eine Wohlfahrtsleistung darstellt, die, wenn man die Sache genau betrachtet, nicht hoch genug bewerten kann.  Das Gleiche ist das Rauschen des Waldes oder das Rauschen des Meeres. Das sind alles Dinge der Natur, die uns quasi kostenlos zur Verfügung stehen und die für Seele und Geist der Menschen eine wichtige Rolle spielen.  

Titus Dittmann
Titus Dittmann I Foto: dittmann GmbH

Zwei Fragen an Titus Dittmann

Der Unternehmer und Stifter unterstützt mit seiner Initiative "skate-aid" Kinder und Jugendliche in Afghanistan, Afrika und Deutschland

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie?

Moment mal: Gibt es denn eigentlich „unfreiwilliges Engagement“? Engagement ist für mich immer freiwillig, selbstbestimmt und ohne Zwang. Nur so können wir Berge versetzen, Mauern in Köpfen und Herzen einreißen und die Welt ein Stück besser machen. Dazu gehört, dass ich voll hinter der Sache stehe, für die ich mich engagiere. Erst dann kann ich glaubwürdig und mit voller Energie an meinen Zielen arbeiten. Engagement ist oft mühsam. Du musst Rückschläge einstecken und im selben Moment nach vorne denken und handeln. Warum Menschen sich das antun? Weil selbst der kleinste Erfolg, die Veränderung zum Besseren es wert ist – und mit keinem Geld der Welt zu bezahlen.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Engagement?

 
Ich muss gestehen, dass ich als Alt-68er lange Zeit ein schlechtes Gewissen hatte, als Unternehmer Profite zu machen. Das passte einfach nicht ins damalige Weltbild. Also habe ich mich von Anfang an für die Skateboard-Szene und Jugendliche eingesetzt. Ich wollte etwas zurückgeben. Nach 30 Jahren habe ich mich aus dem Skateboard-Business zurückgezogen. Und mit dem Engagement noch mal richtig durchgestartet. Ganz ohne schlechtes Gewissen. 2009 wurde die Titus Dittmann Stiftung gegründet. Mit der Initiative skate-aid unterstützen und initiieren wir national und international Projekte, die mittels des Skateboards humanitäre Hilfe leisten. Sei es in Afghanistan, Afrika oder auch in Deutschland. Es geht darum, Kindern und Jugendlichen in Kriegs- und Krisensituationen ein Stück Leichtigkeit und Freude zu geben. Wir wollen die Hoffnung auf vier Rollen bringen. In unserem 1. skate-aid Betonpark im afghanischen Karokh erleben wir das hautnah: Kinder, die sonst nichts zu lachen haben, sind außer sich vor Freude. Sie entdecken etwas ganz Eigenes, entwickeln Selbstvertrauen und Zuversicht – das stiftet Sinn und Identität. Und macht den Weg frei für neue Generationen, die neue Lösungen und Wege wagen. Das ist unser großes Ziel. Und wir sind auf einem guten Weg.

Hilde Rektorschek
Hilde Rektorschek I Foto: Lothar Hofmann

Zwei Fragen an Hilde Rektorschek

Hilde Rektorschek hat viele Ehrenämter. 2009 gründete sie die bundesweit erste Kulturloge in Marburg

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie?

 

Freiwilliges Engagement bedeutet für mich, in Eigeninitiative dort tätig zu werden, wo Not am Mann ist, wo Menschen geholfen und ihrer Ausgrenzung entgegen gewirkt werden kann. „Behutsam – würdevoll – nachhaltig“, diese Devise gilt für mich sowohl für meine Tätigkeit bei den Hessischen Tafel wie auch bei der Kulturloge. Geprägt haben mich mein Elternhaus und die Zeit der Achtundsechziger, in der ich meine Jugend erlebte. Offenheit gegenüber gesellschaftlichen Fragen und Problemen, und nach und nach die Erkenntnis, dass man an Entscheidungsprozessen aktiv mitwirken und auch etwas bewegen kann, lösten mein mittlerweile 35-jähriges Engagement aus.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Engagement?
 
Während meiner Arbeit für die Marburger Tafel und die Hessische Tafel, deren stellvertretende Landesvorsitzende ich seit 4  Jahren bin, hatte ich oft Gelegenheit zum Gespräch mit Notleidenden. Immer wieder konnte ich hören, dass es nicht nur die materiellen Dinge sind, die vermisst werden, vielmehr sind es die Ausgrenzung aus der Gesellschaft, das Nicht-teilnehmen-Können an kulturellen Veranstaltungen, und der verwehrte Zugang zur Kunst, die die Betroffenen schmerzlich beklagen. Diese Gespräche ließen in mir die Idee reifen, die letztlich zur Gründung der ersten deutschen Kulturloge führte: Bei vielen kulturellen Veranstaltungen bleiben Plätze frei. Warum sollte man nicht diese Karten an Menschen mit geringem Einkommen weitergeben? Im Februar letzten Jahres gründete ich dann zusammen mit vielen ehrenamtlichen Helfern die erste bundesweite Kulturloge in Marburg, deren 1. Vorsitzende ich bin.
Ich möchte auch in Zukunft bedürftigen Menschen, im Besonderen Familien mit Kindern, helfen können. Die soziale Ausgrenzung muss gemildert werden. Kindern darf durch fehlende Mittel nicht der Zugang zu Kunst und Kultur verschlossen bleiben.
Und schließlich ist es mein ganz großer Wunsch, viele neue Helfer zu finden und sie für meine Ideen zu begeistern!

Sara Nuru
Sara Nuru I Foto: Jürgen Wacker / Stiftung Menschen für Menschen

Zwei Fragen an Sara Nuru

Das Model engagiert sich für „Generation ABC-2015 – Schüler für Schüler“ der Stiftung Menschen für Menschen

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Dich?

Als ich „Germany`s next Topmodel“ gewann, war das eine große Überraschung und tolle Erfahrung für mich: Ein riesiger Rummel war plötzlich um mich entstanden. Aber mal ehrlich – eigentlich hatte ich ja nichts wirklich Großartiges geleistet. Sich jedoch freiwillig für andere, manchmal vollkommen fremde Menschen, einzusetzen und nicht nur an seine eigenen Bedürfnisse zu denken – das ist etwas sehr Besonderes! Während meiner Äthiopienreise mit Menschen für Menschen im vergangenen Jahr konnte ich die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort mit eigenen Augen sehen. Da wurde mir klar, wie wichtig unser Einsatz für diejenigen ist, denen es nicht so gut geht wie uns. Meine Popularität kann ich dafür einsetzen, dass sich die Lebensbedingungen vor Ort verbessern. Das macht mich glücklich!

Welche Ziele verfolgst du mit deinem Engagement?

 
Ich engagiere mich für die Bildungsinitiative „Generation ABC-2015 – Schüler für Schüler“ der Stiftung Menschen für Menschen und verfolge vor allem zwei Ziele: Zunächst möchte ich natürlich die Bildungssituation in Äthiopien verbessern. Nach wie vor kann dort nicht einmal jedes zweite Kind eine Schule besuchen, häufig laufen die Kinder bis zu 20 km, um in einer heruntergekommenen Schule überhaupt ein wenig Bildung zu erhalten. Diese Situation muss sich ändern! Mein zweites Ziel ist es, Schüler hier in Deutschland auf die Situation in Äthiopien aufmerksam zu machen. Wir sind uns oft nicht bewusst, wie privilegiert wir leben und können uns die Umstände in Äthiopien einfach nicht vorstellen. Ich hoffe, dass ich durch mein Engagement Jugendliche in Deutschland dazu bringe, sich ein wenig mit der Situation in Äthiopien und der so dringend benötigten Hilfe auseinander zu setzten – denn wir, die jungen Menschen sind es, die unsere gemeinsame Zukunft ändern können!

Rosi Gollmann
Rosi Gollmann

Zwei Fragen an Rosi Gollmann

Rosi Gollmann ist Gründerin der Andheri-Hilfe Bonn e.V. und Vorsitzende der Rosi-Gollmann-Andheri-Stiftung

Was bedeutet Freiwilliges Engagement für Sie?

„Niemand lebt für sich allein!“
Als Achtzehnjährige stand mein Entschluss fest: Verzicht auf eine eigene Familie, um frei zu sein für eine soziale Aufgabe. Es folgte Einsatz in der Jugend- und Studentenarbeit in Randgebieten Bonns und in der Heimstattbewegung. Seit 50 Jahren gehört mein Leben den unterprivilegierten Menschen in Indien und Bangladesch. Beachtliches konnte dort durch unsere Andheri-Hilfe seit ihrer Gründung 1967 für Millionen der Ärmsten als gezielte "Hilfe zur Selbsthilfe" erreicht werden (z.B. ca. 1.300 000 Blindenoperationen in Bangladesch).
Ich bin nicht stolz auf die unerwartet großen Projekterfolge, aber sehr glücklich: Der Einsatz für Andere ist keine Einbahnstraße. Man erhält immer mehr zurück als man gibt. Ich selbst fühle mich durch mein Engagement reich beschenkt und möchte keinen Tag, keine Stunde meines gewiss nicht immer leichten Lebens missen.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Engagement?

Hauptziele sind für mich: den Unterprivilegierten in Indien und Bangladesch zur Anerkennung ihrer Würde und ihrer Rechte zu verhelfen! Den Menschen nahe sein und Brücken bauen!
Zu den Kernzielen der Andheri-Hilfe gehört die Reduzierung sozialer Ungleichheit und Ungerechtigkeit für Not leidende Kinder und Jugendliche, für Blinde und Menschen mit anderen Behinderungen, für unterprivilegierte Frauen und an den Rand der Existenz getriebene Tagelöhner und Kleinstfarmer. Immer geht es um Projekte, die eine nachhaltige Entwicklung einleiten. Den Armen in Indien und Bangladesch werden keine westlichen Projekte übergestülpt. Gemeinsam mit ihnen werden immer wieder neue und wirkungsvolle Ansätze auf eine tragfähige Zukunft hin gesucht und eingesetzt. Ohne Mut zur Innovation gibt es keine wirksame Entwicklungszusammenarbeit. Die Menschen vor Ort müssen Träger ihrer eigenen Entwicklung sein.

Margit Leitz, Stiftungsvorstand, Louis Leitz Stiftung
Margit Leitz I Foto: privat

Zwei Fragen an Margit Leitz

Margit Leitz ist Stiftungsvorstand der Louis Leitz Stiftung zur Förderung von Ausbildung und Arbeit.

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie?

Als unser mittelständisches Familienunternehmen 1998 verkauft wurde, reifte der Wunsch, einen Teil unseres Glücks gemeinsam der Allgemeinheit zurück-zugeben. Daraus entstand drei Jahre später die Louis Leitz Stiftung mit 40 Stifterinnen und Stiftern, alle Mitglieder unserer weit verzweigten Familie. Losgelöst von wirtschaftlichen Zwängen - in Zusammenarbeit mit Partnern und in Kooperation mit anderen Stiftungen - versuchen wir Impulse zu geben, Zeichen zu setzen, Lösungen anzuschieben.
 „Einmischen ist die einzige Möglichkeit realistisch zu bleiben“ (Heinrich Böll) gefällt mir als Motto. In diesem Sinne empfinde ich auch mein persönliches Engagement für Flüchtlinge und Asylbewerber als eine Bereicherung. Es hilft mir, über den Tellerrand zu schauen, teilzunehmen und im Kleinen vielleicht zu Veränderung beizutragen mit dem Ziel, auch weniger privilegierten Menschen bessere und gerechtere Lebensbedingungen zu ermöglichen.
Ich wünsche mir darüber hinaus, dass unsere Kinder die Idee und den Auftrag unserer Gemeinschaftsstiftung bewahren und weiterentwickeln, denn das Mitwirken in einer Stiftung ist eine ausgezeichnete Möglichkeit, soziale Verantwortung zu übernehmen und Zukunft mitzugestalten.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Engagement?

Wir wollen dazu beitragen, dass benachteiligte Menschen dank Bildung und Ausbildung die Chance bekommen, ihre Stärken zu entdecken, ihre Persönlichkeit zu entfalten und damit die Fähigkeiten entwickeln, sich eigenverantwortlich und aktiv am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen. Deswegen unterstützen wir beispielhafte Bildungs- und Ausbildungsprojekte mit dem Ziel, sie mittelfristig in die Selbständigkeit zu entlassen – eine schwierige und oft fast unmögliche Aufgabe. Zusammen mit engagierten Partnern ist dies zum Beispiel beim Peer-Mentoring Projekt für Hauptschüler Freunde schaffen Erfolg an 10 Stuttgarter Schulen gelungen. Auch durch kleine Anschub-Finanzierungen für neuartige und gute Initiativen wollen wir motivierend deren Umsetzung unterstützen und so das Bewusstsein für notwendige gesellschaftliche Fragestellungen und Aufgaben stärken.

Jennifer Klein, Girls For Plan Stiftung
Jennifer Klein I Foto: privat

Zwei Fragen an Jennifer Klein

Jennifer Klein hat gemeinsam mit Mitschülern die "Girls for Plan Stiftung" gegründet, um sich für die Umsetzung der Kinderrechte stark zu machen

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie/Dich?

Es ist mir wichtig, mich für Menschen einzusetzen, die unter schwierigen Bedingungen leben müssen. Einen Teil meiner Freizeit für andere zu geben hilft aber nicht nur ihnen, sondern tut auch mir selbst gut: In meinem gesamten Leben habe ich noch nie so viel gelernt wie in der Zeit seit unserer Stiftungsgründung. Einerseits habe ich als Leiterin administrative Aufgaben wie zum Beispiel Genehmigungen beantragen und Banken anschreiben. Auch organisatorisch habe ich mich weiter entwickelt und viel dazu gelernt. Auf der anderen Seite habe ich auch viel über die Moral einer Gruppe gelernt und darüber, wie man diese leitet. Man baut durch die Arbeit in einem Team viele soziale Kompetenzen auf, die auch wichtig für den Alltag sind. Kurz: Das Engagement in unserer Stiftung hat mich persönlich sehr weitergebracht und mich gelehrt, Dinge mit anderen Augen zu sehen.

Welche Ziele verfolgen Sie/verfolgst Du mit Ihrem / Deinem Engagement?

Mit unserer „Girls For Plan Stiftung“ wollen wir eine Welt mitgestalten, in der Kinder, junge Erwachsene und ihre Familien keine Armut erleiden, sich gesund entwickeln und frei entfalten können. Eine Welt, in der sie mit Würde und Respekt behandelt werden. Insbesondere soll die Stiftung Mädchen in Afrika vor der Praktik weiblicher Genitalverstümmelung schützen. Daher fördern wir  Projekte der Kinderhilfsorganisation Plan International, die Mädchen, ihre Familien und die Gemeinden darin bestärken, die Kinderrechte umzusetzen und dazu beitragen, dass Mädchen und Jungen gleichberechtigt aufwachsen und sich entfalten können. Und nicht zuletzt wollen wir anderen Jugendlichen zeigen, dass es auch Spaß machen kann sich zu engagieren und selbst etwas zu bewegen.

Holger Klukas
Holger Klukas I Foto: privat

Zwei Fragen an Holger Klukas

Holger Klukas ist ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Gallin-Kuppentin in Mecklenburg-Vorpommern. 

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie?  

Für mich bedeutet freiwilliges Engagement, mich aktiv für das Wohl von Menschen in meinem direkten Umfeld einzusetzen. In meiner Jugend habe ich schon gelernt, dass es wichtig ist, auch den „Nachbarn“ mitzunehmen. Ich kann nicht tolerieren, dass es einige wenige gibt, die es sich auf Kosten der Gesellschaft, vielleicht weil sie mit einem „Goldenen Löffel“ geboren wurden,  gut gehen lassen und dass fleißige,  strebsame, ehrliche und gutmütige Menschen von diesen Leuten vielfach missbraucht werden. Ich bin nicht gläubig, aber der Meinung, dass Frieden, Toleranz, Achtung vor der Natur und der Wille zur Entwicklung wichtigere Ziele im Leben sind als das Mehren von Besitz. Bei der Verbesserung der Lebensumstände in meinem direkten Lebensumfeld aktiv mitzuarbeiten, das ist mir ein wichtiges Anliegen.  

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Engagement?  

Zu selten gibt es auf dieser Welt Gerechtigkeit. Das habe auch ich bitter erfahren müssen. Um diesen Missstand auszugleichen, und wenn auch nur ein Stückchen, möchte ich mich engagieren. „Ehrenamtler“ sind frei von politischen, moralischen, finanziellen  und sonstigen Zwängen. „Wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe…“ Dahinter steht leider eine große Wahrheit. Meine Intention ist es, mein direktes Umfeld auf verschiedenen Gebieten positiv zu verändern. Als ehrenamtlicher Bürgermeister sind alle anfallenden kommunalen Probleme Bestandteil meiner Tätigkeit. Dazu gehören zum Beispiel Betreuung von Senioren, Kontaktpflege mit Wirtschaftsunternehmen, Grundstücksangelegenheiten, Information der Bürger, Kinderbetreuung, Baumaßnahmen und vieles mehr. Ich  bin für die „kleinen“ Sorgen der Bürger genauso da wie für die Festlegung der Strategie der Gemeindeentwicklung. Eine besondere Herausforderung liegt derzeit in der Entwicklung unserer Gemeinde zu „Bioenergiedörfern“. Wir sind im Prozess der Vorbereitung und Information der Bürger. Ich sehe das als große Herausforderung, denn dieser Prozess erfordert Verständnis jedes Einzelnen und viel Aufklärungsarbeit.    

Als Hartz IV-Empfänger traf Holger Klukas auf gravierende Schwierigkeiten mit der ARGE im Zusammenhang mit der Aufwandsentschädigung, die ihm für seine ehrenamtliche Tätigkeit als Bürgermeister zur Verfügung gestellt wird. In der Schweriner Volkszeitung wurde sein Problem bereits intensiv thematisiert. Mehr

Otmar Heirich
Otmar Heirich I Foto: Stadt Nürtingen

Zwei Fragen an Otmar Heirich

Otmar Heirich ist Oberbürgermeister der Stadt Nürtingen in Baden-Württemberg. Die Bürgerkommune Nürtingen gehörte zu den Preisträgern des Deutschen Engagementpreises 2009.

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie?

Freiwilliges Engagement hat für mich und Nürtingen eine sehr große Bedeutung. Nahezu 50 Prozent unserer Einwohner bringen ihre Fähigkeiten zum Nutzen aller ein und haben wesentlichen Anteil daran, unsere Bürgerkommune voranzubringen. Bei uns werden Betroffene zu Experten gemacht. Die Forenarbeit, wie beispielsweise die des Forums Sicheres Nürtingen oder des Forums Interkulturell, haben wir erst kürzlich in unserer Geschäftsordnung verankert. Je früher Bürger an Entscheidungen beteiligt werden, desto transparenter wird Kommunalpolitik und desto größer auch die Akzeptanz für Entscheidungen. Wer sich in seiner Kommune engagiert, identifiziert sich auch ganz stark mit ihr und solche Bürger brauchen wir in Zeiten, in denen die Gesellschaft auseinanderzudriften droht.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Engagement?

Wir machen uns gemeinsam mit anderen Kommunen in Deutschland auf den Weg zur Bürgerkommune. Das Zusammenwirken von Bürgern, Politik, Verwaltung und Wirtschaft schafft ein Klima der guten Gemeinschaft, mit dem wir den großen gesellschaftlichen Herausforderungen der Zukunft gerecht werden wollen. Die Veränderungen im Altersaufbau und das Zusammenleben verschiedenster Kulturen machen es mehr denn je notwendig, Bürger mit all ihren Fähigkeiten und Talenten als Koproduzenten auf Augenhöhe gesellschaftlich zu beteiligen – und daran arbeiten wir. Die Vision Bürgerkommune rückt täglich näher. Es dreht sich nicht mehr nur um ein bisschen Ehrenamt, sondern um eine Bewegung, bei der in Deutschland bereits über 23 Millionen Menschen mitmachen.  

Peter Krämer
Peter Krämer I Foto: Peter Krämer Stiftung, Melanie Dreysse

Zwei Fragen an Peter Krämer

Peter Krämer ist Hamburger Reeder und Initiator des Projektes „Schulen für Afrika“.

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie?
Freiwilliges Engagement ist für mich mitreden und einmischen: Politik ist nicht Sache allein von Regierungen, die für uns die Politik machen, sondern wir machen selber Politik. Jeder einzelne hat die Chance, Themen zu setzen und in die Öffentlichkeit zu bringen. Ich sehe es als Pflicht, Missstände zu thematisieren und sich dafür einzusetzen, sie zu verbessern.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Engagement?
Unser konkretes Ziel ist es, bis zum Jahr 2015 jedem afrikanischen Kind einen Platz in der Schule zu ermöglichen. Denn Bildung ist die erste Grundvoraussetzung zur Demokratie, der Schlüssel für jede Form von Wohlstand und wirtschaftlichem Wachstum und das beste Mittel im Kampf gegen Krankheiten. Wir geben inzwischen weltweit für Rüstungsausgaben rund 1.100 Milliarden US-Dollar jährlich aus. Für einen Bruchteil von diesem Betrag kann jedes Kind auf der Welt zur Grundschule gehen. Es fehlt nur der politische Wille. Das heißt, das Millenniums-Entwicklungsziel ist sehr realistisch, wir müssen uns nur entscheiden.

Hinter „Schulen für Afrika“ stehen drei starke Partner: der Initiator Peter Krämer und seine Hamburger Gesellschaft zur Förderung der Demokratie und des Völkerrechts, UNICEF sowie Schirmherr Nelson Mandela und seine Stiftung. Mehr zum Projekt unter: www.schulenfuerafrika.de

Anna Vikky
Anna Vikky I Foto: Falco Peters, 2aid.org

Zwei Fragen an Anna Vikky

Anna Vikky ist Studentin der Zahnmedizin und Mitbegründerin der Organisation 2aid.org.

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Dich?
Wir haben in Deutschland einen hohen Lebensstandard, der für den Großteil der Menschen auf dieser Erde leider nicht selbstverständlich ist. Unsere materiellen und zeitlichen Ressourcen sollten wir für diejenigen einsetzen, die Hilfe brauchen. Kurz: Wer Spass am Leben hat, kann sich auch engagieren. Via Internet können Engagierte heute binnen von Sekunden eine breite Öffentlichkeit erreichen und Mitstreiter mobilisieren. Dies ist eine ideale Basis, um die breite Öffentlichkeit noch stärker für freiwilliges Engagement zu begeistern.

Welches Ziel verfolgst Du mit Deinem Engagement?
Mit der Arbeit von 2aid.org möchten wir zunächst Aufmerksamkeit gewinnen: Unser aktuelles Projektthema ist Wasser – fast eine Milliarde Menschen auf der Welt hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser! Wir setzen aber auch selbst Projekte um und werben dafür um Spenden: Derzeit bauen wir in zwei Gemeinden in Uganda mit einer lokalen Partnerorganisation Brunnen, um dort die Entfernung zu sauberen Trinkwasserquellen auf eine maximale Distanz von einem Kilometer zu reduzieren. Außerdem möchten wir mit 2aid.org jedem eine Möglichkeit bieten, sich von seinem gewohnten Umfeld aus zu engagieren.

Dr. Margot Käßmann
Prof. Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann I Foto: Monika Lawrenz

Zwei Fragen an Margot Käßmann

Dr. Margot Käßmann ist evangelisch-lutherische Theologin und Pastorin

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie?
Allein in meiner Landeskirche mit ihren knapp drei Millionen Kirchenmitgliedern sind mehr als hunderttausend Menschen ehrenamtlich tätig. Sie engagieren sich in Besuchsdienstkreisen, lesen Kindern vor, backen Kuchen für Gruppen und Kreise, organisieren Feste, übernehmen Gottesdienste und vieles mehr. Ohne dieses freiwillige Engagement wäre kirchliches Leben nicht denkbar!

Welches Ziel verfolgen Sie mit Ihrem Engagement?
Als Landesbischöfin kann ich mein eigenes Tun nicht in hauptamtlich und ehrenamtlich unterscheiden. Ich bin in der glücklichen Situation, dass ich meinen Beruf als Berufung empfinde und da ist das Ziel klar: Gott und den Menschen zu dienen.

Monika Beil
Monika Beil I Foto: privat

Zwei Fragen an Monika Beil

Monika Beil ist Diözesanleiterin der Katholischen Jungen Gemeinde München und Freising.

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie?
Freiwilliges Engagement füllt unseren Verband erst mit Leben. Gäbe es die Kinder und Jugendlichen nicht, die sich einsetzen, wäre die kjg nicht das, was sie ist – sie wäre ein »leerer« Verband. Durch dieses Miteinander können wir Spaß am Leben sowie uns wichtige Grundwerte vermitteln. Wir geben Freude und bekommen Dankbarkeit zurück.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Engagement?
In erster Linie wollen wir Kindern und Jugendlichen eine Stimme und ein Zuhause geben. Momentan konzentriert sich unsere Arbeit besonders auf benachteiligte junge Menschen. In Kürze starten wir mit der Vorbereitung unserer »Schultütenaktion« – eine Aktion, um die Grundausstattung von Erstklässlern zu sichern. Unser Name ist Programm: K für katholisch – jungen Menschen den Glauben nahebringen. J für jung – wir setzen uns für junge Menschen ein.
G wie Gemeinschaft – eine wichtige Grundlage unseres Handelns.

Michael Stich I Foto: Jann Hustedt I Michael Stich Stiftung

Zwei Fragen an Michael Stich

Der Tennisprofi hat 1994 seine Stiftung für HIV-infizierte Kinder gegründet

Was bedeutet frewilliges Engagement für Sie?
Es ist ein Fundament unserer Gesellschaft. Viele Bereiche, wie Sport oder soziale Einrichtungen, würden ohne nicht funktionieren. Ich engagiere mich, weil ich viel Glück gehabt habe und der Gesellschaft etwas zurückgeben möchte. Mir gibt das Geben ein Gefühl von Zufriedenheit, von Ausgeglichenheit. Im Grunde ist es ein Kreislauf: Wer gibt, bekommt immer etwas zurück.

Welches Ziel verfolgen Sie mit Ihrer Stiftung?
Wir wollen HIV-infizierten Kindern ein Lachen schenken. Deshalb erfüllen wir ihre kleinen persönlichen Wünsche. Zudem betreiben wir Aufklärung und Prävention im Bereich HIV und AIDS, zum Beispiel mit Fachkongressen, Seminaren und einem Schulprojekt. Bislang haben wir mehr als drei Millionen Euro an die betroffenen Kinder weitergeben können.

Christiane Edler, Sozialpädagogin

Zwei Fragen an Christiane Edler

Die Sozialpädagogin hat im Jahr 2007 das ambulante Kinderhospiz "Berliner Herz" gegründet

Was bedeutet freiwilliges Engagement für Sie?
Nur durch freiwilliges Engagement können Einrichtungen wie Kinderhospize überhaupt existieren. Viele unserer Helfer sehen ihre Tätigkeit als ein Geben und Nehmen. Sie schenken den Familien Zeit und Kompetenz. Dafür erhalten sie Zufriedenheit, Dankbarkeit und Vertrauen.

Welches Ziel verfolgen Sie mit Ihrer Einrichtung?
Das ambulante Kinderhospiz »Berliner Herz« unterstützt Familien mit schwer oder lebensbedrohlich erkrankten Kindern. Ausgebildete Familienbegleiter entlasten die Eltern, indem sie zum Beispiel die Kinder zeitweise betreuen oder Behördengänge koordinieren. Diese Familien fühlen sich oft allein gelassen oder überfordert. Durch uns erhalten alle Familienmitglieder mehr Raum, Zeit und Kraft in ihrem Leben. Mittlerweile arbeiten 100 Familienbegleiter in 100 Familien – ehrenamtlich.

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