Gastbeitrag

Dr. Katarina Barley

„Tue Gutes und rede darüber“

365 Tage im Jahr machen sich in Deutschland Menschen für andere Menschen stark. Das geschieht vielfach ganz selbstverständlich und unbemerkt von einer breiten Öffentlichkeit. Es ist vielen gar nicht bewusst, was die zahlreichen Freiwilligen in den rund 600.000 eingetragenen Vereinen, den rund 22.000 Stiftungen und den anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen leisten; wie sie sich für soziale oder kulturelle Zwecke, im Sport, für die Umwelt, für den Katstrophenschutz und vieles mehr einsetzen.

Rund 31 Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland ehrenamtlich. Das ist eine beeindruckende Zahl! Als für Engagementpolitik zuständige Bundesministerin ist es mir ein besonderes Anliegen, dass dieser Einsatz gesehen und gewürdigt wird. Anerkennung motiviert und ermutigt Engagierte, und fördert eine Gesellschaft der Vielfalt und des Respekts.

Mit dem Deutschen Engagementpreis sorgt das Bundesfamilienministerium gemeinsam mit dem Bündnis für Gemeinnützigkeit, der Generali Deutschland AG sowie der Deutschen Fernsehlotterie für eine stärkere gesellschaftliche Sichtbarkeit und Anerkennung von Engagement.

Anerkennung bedeutet mehr als Lobreden, Orden und Auszeichnungen. Der Deutsche Engagementpreis erzeugt öffentliche Aufmerksamkeit für Engagement und trägt damit viel zu einem Klima der Wertschätzung bei. "Tue Gutes und rede darüber" - das könnte das Motto einer Anerkennungskultur für das Ehrenamt sein.

Es gibt viele - oft sehr persönliche - Gründe, warum Menschen sich engagieren. Das ist gut so, denn Mitmenschlichkeit und Bürgersinn lassen sich nicht verordnen. Was der Staat tun kann und tun muss, ist gute Rahmenbedingungen und Formen der Anerkennung zu schaffen, damit sich Engagement frei entfalten kann.

Der Beitrag, den freiwilliges Engagement für unser Gemeinwesen leistet, kann jedoch kein Lückenbüßer für sozialstaatliche Daseinsvorsorge sein. Engagierte sind keine Ersatzdienstleister. Anerkennung bedeutet deshalb auch, die Grenzen des Engagements zu respektieren. Das gehört für mich zur Wertschätzung des Engagements und der Engagierten dazu.

Ein wichtiger Teil der Anerkennungskultur ist die Haltung in Institutionen und Organisationen, dass Engagement und die Beteiligung der Engagierten gewollt sind. Gute Beteiligungsmöglich­keiten vor Ort sind der Nährboden für mehr freiwilliges Engagement. Schließlich bedeutet Anerkennung, bürgerschaftliches Engagement als wesentlichen Beitrag zur Gestaltung unseres gesellschaftlichen Miteinanders ernst zu nehmen.

Ich habe großen Respekt vor dem freiwilligen Einsatz der vielen engagierten Bürgerinnen und Bürger. Sie geben anderen einen Anstoß, sich zu engagieren, sie stärken den Zusammenhalt unserer Gesellschaft und die Integrationskraft unserer Demokratie. Das alles macht unsere Gesellschaft lebenswert. Vielen Dank dafür!

Katarina Barley ist Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

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