Schwerpunkt Engagement im Aufbruch
Neue Zahlen, neue Chancen
Freiwilliges Engagement ist in Deutschland auf Wachstumskurs – zumindest wenn man die „verhinderten“ Ehrenamtlichen mit einbezieht:
Der 3. Freiwilligensurvey (2009) zeigt, dass sich die Engagementbereitschaft der Deutschen in den letzten zehn Jahren von 26 auf 37 Prozent erhöht hat. Die Anzahl freiwillig Engagierter (36 Prozent) stagniert indessen seit 2004. Damit ist die Zahl derer, die mit dem Gedanken spielen, sich zu engagieren, erstmals größer als die der tatsächlich Engagierten.
Dass den aktuellen Erhebungen zufolge das Bewusstsein für den gesellschaftlichen Wert des freiwilligen Engagements stetig zugenommen hat, ist durchweg positiv zu bewerten: Schließlich stiftet Engagement Solidarität und humanisiert unsere Gesellschaft - weit über sozialstaatliche Standards hinaus.
Und auch die Engagierten selbst profitieren ungemein: Denn Engagement macht glücklich und erweitert den persönlichen Horizont.
Warum aber setzen dennoch nur einige ihren Wunsch, sich zu engagieren, in die Tat um? Wesentliche Ursache für die Lücke, die zwischen der Engagementbereitschaft und der realen Engagementquote klafft, sind dem Freiwilligensurvey zufolge ein zunehmender Leistungsdruck, der aus dem sozialen Umfeld einerseits und aus einer gestiegenen Beanspruchung durch den Arbeitsmarkt andererseits resultiert.
Hannes Jähnert, Dozent und freier Mitarbeiter in der „Akademie für Ehrenamtlichkeit Deutschland“ setzt in seinem Blog noch einen weiteren Akzent: „Die Daten lassen die Vermutung zu, dass sich prinzipiell engagementbereite Menschen noch nicht engagieren, weil die passenden Angebote fehlen.“ Jähnert betont deshalb „die Notwendigkeit neuer und flexiblerer Engagementangebote, wie die Möglichkeit, sich von zu Hause, von der Arbeit oder von unterwegs aus über das Internet zu engagieren“.
Wie aber kann man die Kluft zwischen dem allgegenwärtigen Zeitmangel und den Anforderungen eines Engagements überwinden?
In diesem Zusammenhang bietet das Online-Volunteering, also das freiwillige Engagement für gemeinnützige Organisationen unter Zuhilfenahme der technischen Möglichkeiten des Internets, große Chancen: Soziale Online-Netzwerke, Wikis und Social-Media-Plattformen wie twitter & Co. ermöglichen nicht nur eine intensive Vernetzung ihrer Nutzer, sondern auch den Austausch von spezifischen Informationen und multimedialen Inhalten. Im Bereich des Freiwilligen-Managements, im Fundraising sowie bei Engagementformen, die auf dem gegenseitigen Austausch von Know How basieren, spielt das Online-Volunteering schon heute eine Schlüsselrolle.

- SOZIALHELDEN
Ein Beispiel hierfür sind auch die Preisträger des Deutschen Engagementpreises 2009: So verwenden die SOZIALHELDEN das Preisgeld des Publikumspreises für die Realisierung des Internet-Portals www.wheelmap.org „auf dem Benutzer barrierefreie und weniger barrierefreie Orte eintragen, verändern und finden können“, wie Raul Krauthausen, Initiator der SOZIALHELDEN erklärt. Von diesem Verzeichnis profitieren nicht nur Rollstuhlfahrer, sondern auch Menschen mit Rollatoren und Familien mit Kinderwagen.
Und die Initiative ArbeiterKind.de (Wettbewerbssieger in der Kategorie „Sozialunternehmen“), die es sich zur Aufgabe macht, Schulabgänger aus Nicht-Akademiker-Haushalten für die Aufnahme eines Studiums zu motivieren und sie im Studium zu unterstützen, setzt beim Freiwilligen-Management auf das Social Web: In einem projektinternen sozialen Online-Netzwerk sind alle ehrenamtlichen Mentoren und Unterstützer von ArbeiterKind.de vernetzt und können sich austauschen.
Große Potenziale birgt das Online-Volunteering auch bei Jugendlichen, deren überdurchschnittliche Engagementbereitschaft im aktuellen Freiwilligensurvey abermals bestätigt wurde. Sie sind nicht nur im Hinblick auf freiwilliges Engagement, sondern auch im Netz besonders aktiv und üben ihr Engagement vor allem interessenbezogen aus.
Hier setzt die neue Initiative 2aid.org an, die sich 2009 über das Social Web vereint hat und deren Initiatoren sich selbst als „Charity 2.0“ bezeichnen. Initiatorin Anna Vikky und ihre Mitstreiter nutzen „intensiv das Potenzial des Social Web, um weltweit Mitglieder, Kontakte und Kooperationen zu finden, und bieten so für jeden eine Basis, sich mit seinen Fähigkeiten und Stärken einzubringen.“ Auch die Kampagne „Geben gibt.“ richtet sich in diesem Jahr besonders an junge Menschen und möchte ihnen Engagementmöglichkeiten aufzeigen.
Service Online-Volunteering
Links zum Weiterlesen
Die Stiftung Bürgermut ist „der Informationsbroker für neues Bürgerengagement“. Sie unterstützt die Vernetzung engagierter Menschen und Organisationen. Sie verfügt über alle Social-Networking-Funktionen, die Internetnutzer von Facebook & Co. kennen:
Viele seriöse Spendenorganisationen wie die SOS-Kinderdörfer e.V. oder Amnesty International e.V. bieten spezielle Online-Plattformen an, mit denen Unterstützer Spendeninitiativen zugunsten bestimmter Projekte organisieren können. Eine große Auswahl an Projekten sowie Funktionen, um eigene Projekte einzustellen, bieten auch Betterplace und Helpedia:
www.betterplace.de
www.helpedia.de
Hannes Jähnert, Dozent und freier Mitarbeiter in der „Akademie für Ehrenamtlichkeit Deutschland“ bloggt mit dem Schwerpunkt freiwilliges Online-Engagement.
www.hannes-jaehnert.de



