Schwerpunkt: Stifter und Spender im Jahr 2010

Milliardäre, Glück und Katastrophen  

Altruismus macht Menschen glücklich

Kann man auch einfach ein „Stück vom Glück“ kaufen, indem man spendet? Psychologischen Studien zufolge ja: US-Forscher zeigten in mehreren Experimenten, dass Geld lediglich dann das psychische Wohlbefinden steigert, wenn man es für Geschenke oder Spenden ausgibt. Dieser Schlüsselmechanismus greift natürlich nur bei Abwesenheit finanzieller Not. Wenn aber alle notwendigen Alltagsausgaben und ein (nach den eigenen Maßstäben) zufriedenstellender Lebensstandard finanziert sind, flacht die individuelle „Glückskurve“ mit der Höhe des Einkommens ab. Viele Menschen, für die Luxus und Reichtum einen hohen Stellenwert haben, sind dann sogar im Schnitt etwas weniger glücklich als jene, die „nur“ frei von Geldsorgen sind.

Dass vor allem der Betrag, den man für andere gibt, mit dem Glücksempfinden korreliert, mag für viele ein Grund mehr sein, mit ihrem Geld Bedürftigen zu helfen oder eine Stiftung ins Leben zu rufen. In Deutschland fließen jedes Jahr rund 26 Milliarden Euro aus privater Hand in gemeinnützige Aktivitäten, derzeit existieren rund 17.400 rechtsfähige Stiftungen, jährlich kommen in etwa tausend dazu. Doch vor allem Großspender sind noch zurückhaltend, sich durch ihre Spenden gesellschaftlich zu engagieren. Deutlich ausgeprägter ist die Spendenkultur diesbezüglich in den USA, wo individuelle Spenden Größenordnungen von mehreren Milliarden Euro erreichen.

Kampagne "Welt 3.0 - Globale Philanthropen für die Welthungerhilfe"
Kampagne "Welt 3.0 - Globale Philanthropen für die Welthungerhilfe"

Das große Versprechen der US-Milliardäre

Bestes Beispiel ist die Spendeninitiative The Giving Pledge, die Microsoft-Gründer Bill Gates und Investor Warren Buffet im Sommer 2010 starteten. Die beiden prominenten Wohltäter überzeugten 40 weitere US-Milliardäre, die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden.

Hierzulande sorgte die Aktion dann fast für mehr Aufsehen, als in den USA: In den Medien wurde lebhaft über die deutsche Spendenkultur diskutiert und gefragt, ob hier lebende Vermögende sich ein Beispiel an den amerikanischen Stiftern nehmen müssten. Auch gemeinnützige Organisationen und Spitzenverbände erhofften sich Impulse für das Stiftungswesen. Dr. Hermann Falk vom Bundesverband Deutscher Stiftungen appellierte in diesem Zusammenhang: „In den Händen der Wohlhabenden liegt ein starker Hebel, den sie gemeinsam nutzen sollten". Und die Deutsche Welthungerhilfe reagierte sofort mit einer kreativen Kampagne und suchte in plakativen Schlagzeilen „Nachfolger von Bill Gates“.

Wie die Bundesbürger spenden

Nun ist beileibe nicht jeder ein Milliardär. Wie sieht es daher mit der Spendenbereitschaft der allgemeinen Bevölkerung aus? Im World Giving Index rangiert Deutschland auf Platz 18 – bei über 150 untersuchten Ländern noch ein rühmliches Ergebnis. Im Vergleich zu anderen Nationen sind die Bundesbürger aber insgesamt weniger spendabel. Im Durchschnitt spenden sie 0,4 Prozent ihres Einkommens für gemeinnützige Zwecke, während die Menschen in den USA beispielsweise rund 2 Prozent aufwenden. Als Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise sank die in Deutschland sonst bei rund 40 Prozent liegende Privatspenderquote während der ersten Jahreshälfte 2009 sogar kurzzeitig unter die 20-Prozent-Marke. Denn zum einen hatten die Menschen weniger Geld übrig, zum anderen reduzierten auch die Spendenorganisationen aus Kostengründen postalische Spendenaufrufe, was zu einem potenzierten Rückgang des Spendenvolumens führte. So die Ergebnisse  einer vom Deutschen Spendenrat beauftragten Studie, die regelmäßig den Spendenmarkt analysiert.

Bei großen Katastrophen sind viele Menschen jedoch trotz wirtschaftlich schlechter Zeiten wieder zum Spenden bereit. Leider gab es selten so viele Naturkatastrophen, wie in diesem Jahr. Nach dem Erdbeben in Haiti und während der Jahrhundertflut in Pakistan haben Organisationen und Hilfsbündnisse daher ebenso eindringliche, wie auch erfolgreiche Spendenaufrufe gestartet. Vor allem die Solidarität mit den Erdbebenopfern in Haiti schlug sich deutlich nieder: Das Spendenaufkommen lag allein im Januar und Februar dieses Jahres bei rund 155 Millionen Euro und damit 50 Prozent über dem des Vorjahreszeitraums. Nach ihrem sehr verhaltenen Beginn erreichten aber auch die Spendenaktionen für Pakistan bis Mitte September eine Größenordnung von 161 Millionen Euro (Quelle: DZI). Humanitäre Hilfe bleibt also ein zentrales Anliegen der Spender, ihr fließen drei Viertel aller privaten Finanzmittel zu. Die Wichtigkeit solcher Soforthilfespenden ist unbestritten. Um nachhaltige Hilfe leisten zu können, sind jedoch konstante Zuwendungen notwendig, wie entwicklungspolitische Organisationen betonen. Und auch fernab von Naturkatastrophen gibt es eine Fülle unterstützenswerter Projekte, für die es sich zu spenden lohnt – etwa in den Bereichen Kinder- und Jugendhilfe, Umweltschutz oder Kultur. 

 

Service

Studien & Links zum Weiterlesen

Aktuelle Studie „World Giving Index 2010“ von der britischen Charities Aid Foundation (CAF):

www.cafonline.org

Fortlaufende Studie "Bilanz des Helfens" vom Deutschen Spendenrat e.V., die einen allgemeinen Überblick über den deutschen Spendenmarkt gibt:

www.spendenrat.de

McKinsey-Studie "Gesellschaftlichen Wandel gestalten" (2008). McKinsey 30 der 100 reichsten deutschen Familien interviewt und Vertreter der größten deutschen Stiftungen, gemeinnützigen Organisationen und Verbände befragt:

www.mckinsey.de

Website zur Spendeninitiative von Bill Gates und Warren Buffet: "The Giving Pledge" (Das Spendenversprechen):

www.givingpledge.org

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