Ausgezeichnet

Geschichten erzählen

Das Ruhrgebiet hat eine lebendige Migrationsgeschichte, insbesondere im Bereich Bergbau. Die individuellen Erfahrungen der Männer und Frauen, die während der verschiedenen Migrationsbewegungen nach Deutschland kamen, stehen selten in der Öffentlichkeit, obwohl sie zentraler Teil der Geschichte von Städten wie Dortmund, Essen oder Bochum sind. Der Verein für internationale Freundschaften e. V. Dortmund setzt hier an und lenkt mit außergewöhnlichen Projekten die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf die vielfältigen Erfahrungen und Geschichten von Menschen mit Migrationshintergrund. Die Ausstellungen und Buchprojekte werden von Seniorinnen und Senioren selbst in einer internationalen Begegnungsstätte erarbeitet, in der zudem Kochabende, Erzählcafés, Gymnastik- und Deutschkurse stattfinden. Dieser vorbildliche Einsatz für die Dortmunder Bevölkerung wurde mit dem Preis „Westfalen bewegt“ der Westfalen-Initiative ausgezeichnet und ist jetzt für den Deutschen Engagementpreis nominiert.

Die Begegnungsstätte des Vereins versteht sich als Ort, an dem sich Seniorinnen und Senioren mit und ohne Migrationshintergrund austauschen und bisher vernachlässigte Dinge nachholen können – zum Beispiel Alltagsdeutsch lernen oder bei Ausflügen neue Erfahrungen sammeln. Während der Treffen der Projektgruppe „Spurensuche“ wird zudem regelmäßig Erinnerungsarbeit geleistet: Das Erzählen dient nicht nur der eigenen Identitätssicherung und schafft Selbstbewusstsein, aus den Geschichten werden zudem Projekte erarbeitet, wie zum Beispiel Ausstellungen oder Bücher. Eines der neuesten Buchprojekte, „Wir hier oben ihr da unten“, berichtet über die Erfahrungen der Frauen der Bergarbeiter in der Region – derjenigen, die aus der Türkei kamen und derjenigen, die einen türkischen Bergarbeiter heirateten. In der Ausstellung „Glückauf in Deutschland“ geht es um die Geschichten der minderjährigen Männer, die in den sechziger Jahren aus der Türkei nach Deutschland kamen, um im Bergbau zu arbeiten. Sie wurden in sogenannten „Pestalozzi-Familien“ untergebracht und erfuhren somit eine einzigartige Form der Integration in Deutschland. Der Verein trägt dazu bei, Demokratie und Toleranz in Dortmund zu fördern, tritt Alltagsrassismus entgegen und gibt Menschen eine Stimme, die viel zu oft von der Gesellschaft überhört werden.

Der Preis „Westfalen bewegt“ zeichnet vorbildliches freiwilliges Engagement von Initiativen aus Westfalen aus. 2017 wurde der Verein für internationale Freundschaften e.V. mit dem Preis der Westfalen-Initiative ausgezeichnet.

 

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