Ausgezeichnet

Unbändiger Mut

Montes de María in der kolumbianischen Karibik ist besonders stark vom bewaffneten Konflikt des Landes betroffen. Insbesondere Frauen litten während des fast 60-jährigen Krieges unter körperlicher und sexualisierter Gewalt in ihren multiplen Formen. Mayerlis Angarita ist eine der mutigen Aktivistinnen, die sich teilweise unter Lebensgefahr für die weiblichen Opfer einsetzt und sie über ihre Rechte aufklärt. Sie engagiert sich seit vielen Jahren für die Landrückgabe an zwangsvertriebene Frauen und ist Mitbegründerin und derzeit Direktorin des Frauenkollektivs „Narrar para Vivir“ (Erzählen um zu leben).

Angarita ist bereits seit ihrer Jugend Aktivistin. Nachdem der bewaffnete Konflikt auch vor ihrer Familie nicht Halt gemacht hatte, schloss sie sich REDEPAZ, dem nationalen Netzwerk von zivilgesellschaftlichen Friedensinitiativen gegen den Krieg in Kolumbien an. Im Jahr 2000 gründete sie gemeinsam mit Eleida Leiva und Katrín Martínez das Frauenkollektiv „Erzählen, um zu leben“, um den Frauen, die auf multiple Weise unter dem bewaffneten Konflikt litten, eine Stimme zu geben. Das offene Aussprechen ihrer Erfahrungen sollte ihnen nicht nur helfen ihr Leid zu verarbeiten, sie sollten ihr Leben zudem wieder selbst in die Hand nehmen können. Deshalb organisierte Angarita Workshops, um die Frauen zu Selbstversorgerinnen auszubilden. Sie setzte sich zudem für die Gründung einer Vereinigung von mehr als 10.000 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Montes de Maria ein, die durch paramilitärische Gruppen zwangsenteignet wurden und seit vielen Jahren die Rückgabe ihrer Grundstücke einfordern.

Mayerlis Angaritas Engagement blieb nicht widerstandslos: Zweimal wurde sie Opfer von Mordanschlägen. Sie gehört heute als Vertreterin von Opfervereinigungen in Kolumbien dem Genderberatungsausschuss an, der das sechsköpfige Gremium (mit jeweils drei Vertreterinnen und Vertretern der Regierung und  der FARC) berät, welches Gesetzesentwürfe zur Implementierung des Friedensabkommens vorbereitet und dem Parlament vorlegt.

Für ihren jahrelangen Einsatz für Frauenrechte und friedliche Konfliktlösungen in Kolumbien wurde Mayerlis Angarita gemeinsam mit der Journalistin Jineth Bedoya der Anne-Klein-Frauenpreis der Heinrich Böll Stiftung verliehen. Barbara Unmüßig, Vorsitzende der Jury, sagte in ihrer Eröffnungsrede: „Ihr beide habt massive Gewalterfahrungen gemacht und ihr erlebt unendlichen Hass wegen eurer Arbeit für die Frauenrechte – aber ihr macht weiter“.

Portrait der Preisträgerin

Zur Website des Preises

Zurück zur Übersicht