Dietmar Meister
Dietmar Meister

Standpunkt

Anerkennungskultur fördert die Motivation der Engagierten

Dietmar Meister ist Sprecher des Vorstands der Generali Deutschland Holding AG.

Unter dem Stichwort  Corporate Social Responsibility (CSR) findet das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen seit den 1990er Jahren eine immer größere Aufmerksamkeit. Die Generali Deutschland Holding AG hat hierbei einen ungewöhnlichen Ansatz gewählt; sie macht sich für die Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements selbst stark. Warum liegt dem Unternehmen dieses Thema besonders am Herzen und wie setzen Sie sich dafür ein?

Die Generali Deutschland ist schon seit vielen Jahren gesellschaftlich aktiv. Der Gründer unseres Vorgängerinstituts, der Aachener Feuerversicherung, David Hansemann, hat bereits 1825 einen gemeinnützigen Fonds eingerichtet und damit Waisenhäuser und sozialen Wohnungsbau gefördert und sich für eine sozial nützliche Politik eingesetzt. Dieser gemeinnützige Fonds trägt seit August 2008 den Namen Generali Zukunftsfonds. In ihm bündeln wir all unsere gesellschaftlichen Aktivitäten. Bei unserem bürgerschaftlichen Engagement besteht der Hauptteil aus dem Programm mit dem Namen „Bürger unternehmen Zukunft“. Unter dem Leitthema „Demographischer Wandel – Unsere gemeinsame Herausforderung“ wurden grundlegende gesellschaftliche Veränderungen analysiert. Darauf basierend haben wir in einem Teilbereich Maßnahmen formuliert, die erforderlich sind, um den Folgen des demografischen Wandels zu begegnen. Dabei geht es uns insbesondere darum, das vorhandene Potenzial an bürgerschaftlicher Eigenverantwortung im freiwilligen Engagement systematisch zu heben. Dieses Engagement kann entscheidend dabei helfen, eines unserer Unternehmensziele, nämlich Lebensqualität, zu erhalten und zu steigern. Der Zukunftsfonds fördert aber auch die wissenschaftliche Durchdringung des Themas mit verschiedenen Instrumenten. Eine der wichtigsten Maßnahmen ist hierbei die Kampagne „Geben gibt“, die eine direkte Verbindung zu unserem Förderschwerpunkt hat.

Gleich zu Beginn der Arbeit des Zukunftsfonds haben Sie mit dem Engagementatlas einen wesentlichen Akzent gesetzt und so eine Informationslücke in der empirischen Engagementforschung geschlossen. In welchen Bereichen sehen Sie denn noch Forschungsbedarf? Welche Befunde Ihrer Erhebung haben Sie am meisten überrascht?

Überrascht haben die großen regionalen Unterschiede und Besonderheiten – sowohl im Osten wie auch im Westen wie auch zwischen ländlichen Regionen und Städten. Der bemerkenswerte volkswirtschaftliche Nutzen des bürgerschaftlichen Engagements – selbst bei der Annahme eines Mindestlohns für die aufgebrachte Zeit – ist ein wichtiger Beitrag zur Steigerung der politischen Bedeutung des Themas. Großen Forschungsbedarf – so das Ergebnis einer von uns in diesem Jahr mitveranstalteten Engagementforschungs-konferenz – gibt es sowohl im theoretisch-konzeptionellen Bereich als auch in der Wirkungsforschung und im Wissensmanagement. Auch im Bereich der individuellen Motive für ein Engagement tappen wir vielfach noch im Dunkeln.

Sie fokussieren sich mit dem Zukunftsfonds vor allem auf das bürgerschaftliche Engagement älterer Menschen. Warum steht diese Zielgruppe hierbei im Vordergrund?

Der Generali Zukunftsfonds hat sich auf diesen Bereich des Engagements konzentriert, weil bei den Älteren noch ein besonders großes Potenzial an Engagementbereitschaft besteht und weil diese Altersgruppe besonders stark wächst. Außerdem haben die heute über 50jährigen mehr Qualifikation, Mittel und Zeit als jede Generation vor ihr. Die Aktivität der Älteren soll sich aber durchaus auch auf generationsübergreifende Ziele, also z.B. auf die Jugend richten: Hier haben wir mit dem Generali Zukunftsfonds schon eine Menge guter Projekte, vor allem im Bereich Bildung, anstoßen können.

Konnte durch Ihre Projekte schon politischer Handlungsbedarf diagnostiziert werden?

Angesichts der immensen staatlichen Verschuldung und sinkender Steuereinnahmen schrumpft der Handlungsspielraum der öffentlichen Hand. Obwohl das bürgerschaftliche Engagement nicht zum Lückenbüßer dafür gemacht werden darf, steigt die objektive Notwendigkeit von mehr Selbstverantwortung und Eigenorganisation in vielen Lebensbereichen – sei es in Bildung, Integration, Betreuung oder Pflege. Das freiwillige Engagement ist aber auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und für die politische Kultur in diesem Lande sehr wichtig. Und wir als Unternehmen sind auf eine funktionierende Gesellschaft angewiesen. Unsere Verantwortung sehen wir darin, dazu einen eigenen Beitrag zu leisten.

Der Zukunftsfonds soll auch zur Verbesserung der strukturellen Rahmenbedingungen beitragen. Welche Maßnahmen waren besonders erfolgreich? Welche Projekte sind in diesem Jahr noch geplant?

Mit Blick auf die uns zur Verfügung stehenden Ressourcen im Generali Zukunftsfonds, ist es eine unserer Leitlinien, eine stärkere Kooperation von Kommunen, Drittem Sektor, Politik und Wirtschaft bei vorhandenen Projekten für das bürgerschaftliche Engagement zu fördern und so alle Akteure an einen Tisch zu bringen. Die Unterstützung der Kampagne „Geben gibt.“ soll dazu das nötige Grundrauschen erzeugen. Auch bei der Beratung der nationalen Engagementstrategie haben wir aktiv mitgewirkt und werden diese Beratung im Jahr 2010 im 2. Zukunftssymposium gezielt weitertreiben, mit dem Ziel, Eckpunkte einer nationalen Engagementstrategie für Ältere als Handlungsempfehlung an die Bundesregierung zu erhalten.

Was war Ihre besondere Motivation, die Kampagne
„Geben gibt.“ 2009 mit ins Leben zu rufen und den Deutschen Engagementpreis seidem langfristig zu fördern?

Diese bundesweite Kampagne macht den gesamten dritten Sektor und das alltägliche millionenfache Engagement sichtbar und ist Bestandteil der von allen Fachleuten als dringend notwendig erachteten besseren Anerkennungskultur. Sie ergänzt unsere Bemühungen um bessere Rahmenbedingungen und um die so genannte ermöglichende Infrastruktur für bürgerschaftliches Engagement. Eine höhere Sichtbarkeit erhöht den politischen Stellenwert und erleichtert damit politische Entscheidungen, die ein nachhaltiges Engagement erst ermöglichen.

Warum ist es aus Ihrer Sicht so wichtig, die Anerkennungskultur für bürgerschaftliches Engagement zu stärken?

Die Stärkung der Anerkennungskultur fördert die Motivation der bereits Engagierten, schafft aber auch Vorbilder für Menschen, die grundsätzliches Interesse haben, sich zu engagieren. So kann das vorhandene Potenzial besser gehoben und gesellschaftlich nutzbar gemacht werden. In unserem „engagementatlas09“ haben wir in einer sehr umfangreichen Befragung belegt, dass das vorhandene Potenzial an Engagement bisher nur bei ca. 30% liegt – wenn auch mit großen regionalen Unterschieden.

Viele Menschen stehen freiwilligem Engagement zwar ausgesprochen positiv gegenüber engagieren sich jedoch selbst nicht aktiv. Welche Gründe sehen Sie hierfür und wie können auch Unternehmen dazu beitragen, Engagementhemmnisse abzubauen?

Es gibt vielerlei individuelle Gründe, sich nicht zu engagieren. Diese muss man respektieren. Unsere Aufgabe ist es, die latente Bereitschaft zu Engagement noch besser als bisher zu unterstützen und erlebbar zu machen. Unternehmen können dazu beitragen, indem sie z. B. ihre Arbeitnehmer für ein bürgerschaftliches Engagement freistellen. Die Generali Deutschland ermöglicht jedem Mitarbeiter, dies an zwei Arbeitstagen pro Jahr zu tun. Und wir sind überzeugt, dass freiwillig engagierte Personen zusätzliche Kompetenzen erwerben, die auch beruflich wichtig sind. Oder sie setzen im Bereich der Personalentwicklung verstärkt auf bürgerschaftliches Engagement: Das ist nachweislich ein sehr gutes Lernfeld für sogenannte Soft Skills, aber auch für Führungskompetenz.

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