Ausgezeichnet

Wie aus Wut Hoffnung wird

Die Diagnose Multiple Sklerose kann das Leben von Betroffenen komplett auf den Kopf stellen. Die virtuelle Selbsthilfegruppe F.U.MS NRW bietet jungen Erkrankten eine Plattform, auf der sie sich selbstbestimmt austauschen und ihren Ärger in neuen Antrieb verwandeln können. 2020 war das Projekt für den Deutschen Engagementpreis nominiert.  

Als Daniel Bunk seine Diagnose bekam, war für ihn schnell klar: Er will Kontakt zu anderen an Multiple Sklerose Erkrankten aufnehmen. Da er ein Angebot, das sich speziell nach den Bedürfnissen junger Menschen richtet, aber vergeblich suchte, gründete er mit seinem Freund Nils Klein kurzerhand eine eigene Selbsthilfegruppe. Den Gewohnheiten vieler junger Menschen entsprechend, findet der Austausch größtenteils digital statt, etwa in der F.U.MS Facebook Gruppe. Hier findet jede*r quasi rund um die Uhr ein offenes Ohr – denn manchmal helfen schon wenige aufbauende Worte, um sich nicht in der eigenen Verzweiflung und Wut über die Krankheit zurückzuziehen. 

„Turn Anger into Hope“, die Wut in Hoffnung umwandeln, lautet das Motto von F.U.MS. Die Idee für die Plattform, die ausgesprochen „Fuck U Multiple Sclerosis“ heißt, kommt aus Kanada. Hier hat der an MS erkrankte Schlagzeuger der Rockband Billy Talent, Aaron Solowoniuk, bereits 2006 F.U.MS ins Leben gerufen. Der deutsche Ableger agiert unter dem Dach des Landesverbandes NRW der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) und hat seit 2013 mittlerweile knapp 700 Mitglieder gewinnen können. Die Selbsthilfegruppe ist rein ehrenamtlich getragen. 

Neben dem täglichen Austausch über soziale Medien findet ein jährliches gemeinsames Barbecue mit allen Mitgliedern statt. Darüber hinaus wurden vor der Pandemie Konzerte und Partys organisiert, die speziell auf die Bedürfnisse von an MS Erkrankten ausgelegt sind. Neben dem Austausch und dem Miteinander finden Betroffene auf der Website von F.U.MS NRW Informationen rund um die Krankheit, etwa wenn es neue Erkenntnisse aus der Medizin gibt. Auch Nicht-Betroffene will die Plattform erreichen, indem sie durch Öffentlichkeitsarbeit über die Krankheit aufklärt. 

Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung würdigt mit dem Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe seit 2015 jährlich Aktionen zugunsten neurodegenerativ oder MS-Erkrankter. Die Initiatoren von F.U.MS NRW, Daniel Bunk und Nils Klein, wurden 2019 für ihr Engagement ausgezeichnet. 2020 war F.U.MS NRW für den Deutschen Engagementpreis nominiert.

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