Gastbeitrag

Gemeinsam schöner spenden!

Matthias Daberstiel, Herausgeber Fundraiser-Magazin

Es weihnachtet. Zu Adventszeit gehören wie das warme Kerzenlicht immer auch wohlformulierte Spendenbriefe, alarmierende E-Mails, informierende Newsletter, um Aufmerksamkeit heischende Charity-SMS auf Plakaten und der kunterbunte Spendenmarathon zur besten TV-Sendezeit. Sie alle eint die Bitte um eine Spende. Doch wer schreibt eigentlich all diese Briefe und organisiert Spendengalas? Glaubt man den Medien, sind das gierige Spendensammler, die in dieselbe Schublade wie Enkeltrick-Betrüger und Kaffeefahrtverkäufer passen. Doch gehören sie dahin? Engagieren sich Kriminelle wirklich für die Dritte Welt, den Jugendtreff oder die Heilsarmee?

Der Engagementpreis mit dem schönen Titel „Geben gibt.“ ist eher ein Ideal als die Realität. Denn nur noch knapp 40 Prozent der Deutschen spenden. Als Grund wird oft mangelndes Vertrauen genannt. Dem ist auch so, wenn man hört, dass Menschen lieber ihr Nachthemd auf die Philippinen schicken, als Geld an eine erfahrene und professionelle Hilfsorganisation zu überweisen, die weiß, was vor Ort gebraucht wird. „Das geht doch alles in die Verwaltungskosten!“ ist ein oft gehörter Spruch. Dabei weiß kaum jemand, wie hoch die eigentlich sind, und was das eigentlich genau ist. Hier rächt sich, dass Organisationen den Spendern jahrelang das Mantra „100 Prozent der Spenden kommen an“ vorgemurmelt haben. Aber kann das tatsächlich sein?

Nein, natürlich nicht. Briefe brauchen Porto, die Telekom nimmt Gebühren, und Hilfsgüter transportieren sich nicht nur am Wochenende nach Tacloban. Dafür braucht es Menschen, die Vollzeit organisieren und auch regelmäßig dafür um Spenden bitten. Erst kürzlich berichtete mir ein Kollege, dass er bei der Annahme eines großen Spendenschecks von einem Unternehmer gefragt wurde: „Aber Sie machen das doch alles ehrenamtlich?“ Nein, macht er nicht. Ehrenamtlichkeit ist kein Ersatz für tägliche Arbeit, Professionalität und Erfahrung. Schön, wenn alles zusammentrifft, aber das ist bei dem geringen Zeitbudget von Freiwilligen nicht wahrscheinlich. Arbeit für die gute Sache braucht fair bezahlte Vollzeit - und die kostet nun mal Geld. Ehrenamtliche sind aber eine sehr große Hilfe.

Wenn Spender akzeptieren, dass es professionelle Arbeit braucht, damit Spenden wirklich etwas bewirken, wenn sie wissen, dass Werbung nötig ist, um Menschen aufmerksam zu machen und zu überzeugen, ist schon viel gewonnen. Denn dann interessieren sie sich, fordern klare Rechenschaft und brauchen engagierte Ansprechpartner, die ihnen ihre Arbeit erklären und bereit sind, Fragen zu beantworten. Diese Personen sind für das Thema Spenden in der Organisation verantwortlich. Sie verdienen genauso ihre Brötchen wie jeder andere Angestellte in Firmen, nur dass sie nicht für den Profit eines Unternehmens, sondern für den Profit der Gesellschaft arbeiten. Ihre Arbeit hilft immer anderen Menschen. Sie bezeichnen sich als Fundraiser oder Fundraiserinnen, und sie machen nicht Jagd auf Spender, sondern versuchen sie täglich für diesen guten Profit zu begeistern. Es wäre für sie viel einfacher, wenn es mehr Menschen gäbe, die ohne zu fragen spenden. Aber es ist ehrlich viel schöner, mit begeisterten, informierten Förderern gemeinsam viel zu erreichen.

Matthias Daberstiel

Mitherausgeber Fundraiser-Magazin

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