Gastbeitrag

Jenny De la Torre Castro

„Auch Vorbeugung von Obdachlosigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit.“

Foto: Jenny De la Torre Stiftung

Die Jenny De la Torre Stiftung wurde im Dezember 2002 gegründet und das Gesundheitszentrum für Obdachlose in Berlin-Mitte 2006 eröffnet. Dieses Projekt folgt einem ganzheitlichen Ansatz: Es bezieht die Selbsthilfepotentiale und Ressourcen von Patienten und Klienten bei der Behebung der Probleme mit ein.

Seit der Eröffnung vor neun Jahren hat die Anzahl der Hilfesuchenden stetig zugenommen und auch die sozialen Schichten, aus denen sie kommen, sind breiter geworden. Obdachlosigkeit ist ein gesellschaftliches Problem und kann jeden treffen. Es bedeutet nicht nur den Verlust der eigenen Wohnung sondern des Zuhauses. Neben den immensen finanziellen Problemen befinden sich die Obdachlosen teilweise in einem gesundheitlich unerträglichen Zustand. Alkoholismus, Drogen und damit verbundene soziale Probleme führen oft zu Kontaktverlusten zu Familie, Freunden und Bekannten und enden nicht selten in der Verwahrlosung, Isolation und Selbstaufgabe.

So leben viele Menschen über lange Jahre mitten in unserer Gesellschaft, ohne ein Teil davon zu sein. Die Gründe hierfür sind unterschiedlich. Sie fallen durch das soziale Netz und schaffen es nicht mehr, aus eigener Kraft, aus dieser Situation herauszukommen. Deshalb brauchen sie Hilfe, nicht nur von Organisationen, sondern von einzelnen Menschen und der Gesellschaft.

Die Einrichtung verfügt über zahlreiche Hilfsangebote, die dem Einzelnen zur Verfügung stehen. Hierzu zählt die Arzt-, Zahnarzt- und Augenarztpraxis. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, die soziale, psychologische und rechtliche Beratung zu nutzen. Die Speisenversorgung sowie die Bereitstellung sanitärer Anlagen mit Duschen und die Nutzung der Kleiderkammer ergänzen das Angebot.

Unser Hauptanliegen ist die soziale Reintegration obdachloser Menschen in die Gesellschaft. Auch Vorbeugung von Obdachlosigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit.

Dafür arbeitet im Gesundheitszentrum ein Team festangestellter und ehrenamtlicher Mitarbeiter eng zusammen. Zahlreiche Bürger und Organisationen machen unsere Arbeit erst möglich, indem sie uns auf unterschiedliche Weise unterstützen. An dieser Stelle möchten wir uns bei allen Menschen für ihr Mitgefühl, ihre Wärme und Solidarität mit den Ärmsten unserer Gesellschaft bedanken.Die zunehmende Aufmerksamkeit der Bürger auf die sichtbar wachsende Armut und Obdachlosigkeit in der Stadt nehmen wir als positive Entwicklung wahr.

Jenny De la Torre ist Ärztin und Gründerin der Jenny De la Torre Stiftung für Wohnungslose in Berlin.

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