Gastbeitrag

Denise Schindler

„Ein Einsatz, für den nicht oft genug gedankt werden kann“

Zahlreiche Menschen engagieren sich ehrenamtlich im Sport. Ob Übungsleiter, Trainer oder die Eltern, die ihre Schützlinge zum Sport bringen und von dort abholen, alle Beteiligten spenden einen Großteil ihrer Zeit. Wenn ein sportlich interessierter Mensch eine Behinderung hat, kommt dieser Unterstützung ein besonders großer Wert zu. Zugleich sind viele Initiativen und Projekte, die sich im Feld der Inklusion betätigen, noch nicht ausreichend in der Öffentlichkeit sichtbar.

Meine Karriere im Leistungssport und meine Position nutze ich gerne, um mich hier für einen Unterschied einzusetzen. Als Mitglied des Top Teams für die Paralympischen Spiele in Rio de Janeiro 2016 bin ich Vorbild für zahlreiche Sportlerinnen und Sportler und setze mich aktiv für gelebte Integration ein. Der Sport und ich waren lange keine guten Freunde. Zum einen musste ich als Kind oft operiert werden und zum anderen konnte ich am Schulsport nie so richtig teilnehmen. Auch das Freizeitsportangebot bei mir im Umkreis war für Kinder mit Behinderung nicht geeignet. Als ich dann den Radsport für mich entdeckte und gemerkt habe wie viel Spaß mir der Sport macht und welche Energie und Lebensfreude ich damit erhalte, war mir klar - diese Möglichkeit müssen auch andere haben.

Ehrenamtliches Engagement ist für mich daher eine Herzenssache. Der Einsatz für Kinder mit Handicap ist mir besonders wichtig. Deshalb setze ich mich parallel zu meiner Wettkampfvorbereitung für das Projekt "EISs auf Rädern" ein. Der Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband (BVS) Bayern rief 2009 die erste von inzwischen 25 "Erlebten Inklusiven Sportschulen" (EISs) ins Leben. Mit EISs ist es erstmals geglückt, ein bayernweites, wohnortnahes Netz an Sportangeboten für Kinder mit Handicap zu schaffen. In einer EISs-Sportgruppe werden die sportlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten von Kindern mit und ohne Handicap geschult und dank integrativer Gruppenbildung die soziale Kompetenz nicht behinderter Kinder gefördert. Die Organisation ermöglicht es Kindern mit Behinderung in der unmittelbaren Umgebung ihres Wohnorts ein adäquates Sportangebot zu finden, dass sie nicht separiert, sondern integriert. Wegen Mittelkürzungen steht das Projekt des BVS leider mittlerweile vor dem Aus. Mit der Aktion "EISs auf Rädern" mache ich weiterhin darauf aufmerksam, wie wichtig die Unterstützung von Inklusion im Sport ist. Dadurch können auch in Zukunft wohnortnahe integrative Sportangebote für Kinder mit Handicap erhalten bleiben.

Jeder kann seinen und ihren Teil dazu beitragen, einen für alle Menschen gleichermaßen lebenswerten Ort zu gestalten. Für die Zukunft ist es deshalb wünschenswert, dass sich noch mehr Menschen freiwillig engagieren. Unsere Gesellschaft und ihre Haltung zum "Anderssein" werden so positiv beeinflusst. Ein Einsatz, für den nicht oft genug gedankt werden kann.

Denise Schindler ist Paracycling-Leistungssportlerin und bereitet sich derzeit auf eine Teilnahme an den Paralympischen Spielen im September 2016 vor. Darüber hinaus engagiert sie sich für ein Projekt, das den gemeinsamen Sport von Kindern mit und ohne Handicap fördert.

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