Gastbeitrag

Das Wertvollste ist unsere Zeit

Claudia Leißner, Geschäftsführerin Proboneo gGmbH

Foto: privat

Eine gemeinnützige Organisation zu führen war noch nie einfach. Lokales Engagement wird mehr gebraucht als je zuvor und gleichzeitig immer komplexer: Non-profits arbeiten online und offline, sie arbeiten ehrenamtlich und nach Feierabend, sie bewältigen Berge von Vorschriften und erfüllen eine breite Palette von Erwartungen. Jeder Euro soll nach Möglichkeit direkt bei der Zielgruppe ankommen, für neue Ideen oder Organisationsentwicklung fehlen häufig die Mittel.

Bereits im letzten Jahr habe ich die Webseite zeit-statt-zeug.de entdeckt. Die Idee ist so simpel wie einleuchtend: Statt dem Konsum wieder die gemeinsam verbrachte Zeit in den Mittelpunkt stellen. Denn Zeit ist das Wertvollste, das wir haben. Bei der Gründung von Proboneo beschäftigte uns die Frage, warum sich viele Menschen schwer tun, sich in Deutschland zeitlich begrenzt und wirkungsvoll ehrenamtlich mit den beruflichen Fähigkeiten zu engagieren, wo doch zahlreiche gemeinnützige Organisationen nach Unterstützung und Ressourcen suchen. Mit Proboneo bringen wir engagierte Fach- und Führungskräfte pro bono mit gemeinnützigen Organisationen zusammen, damit gute Ideen professionelle Unterstützung finden und Experten für sich selbst und für die Gesellschaft etwas tun können.

Pro bono publico ist lateinisch und bedeutet „für das Gemeinwohl“. Seit einigen Jahren wird der Begriff pro bono genutzt, um Ressourcen zu bezeichnen, die kostenlos oder deutlich unter Marktwert in die Entwicklung und die Strukturen einer gemeinnützigen Organisation eingebracht werden.

Statt Geld mühsam zu fundraisen und anschließend für bezahlte Dienstleistungen auszugeben, können Sie clever sein und sich den Umweg sparen. In Ihrem Umfeld sind mit Sicherheit viele Menschen bereit Ihnen mit dem, was sie gut können, zur Seite zu stehen. Sie können sie gezielt ansprechen und danach fragen. Der bestechende Vorteil ist, dass Ihr Pro-bono-Partner die Zusammenarbeit mit Ihnen viel direkter erlebt als eine Spende und sich Ihnen langfristig und über die aktuelle Projektarbeit hinaus verbunden fühlen wird.

Eine Strategieberatung kann Ihnen helfen, die Entwicklung in den nächsten Jahren zu planen. Juristen können Ihnen bei der Gestaltung beispielsweise von Verträgen zur Hand gehen. Und um die Aufmerksamkeit Ihrer Zielgruppe auf sich zu ziehen, wirkt Marketing-Unterstützung Wunder. Neben diesen naheliegenden Pro-bono-Projekten können Sie vielleicht auch Beratung bei der Prozessgestaltung oder Ihrer Büroorganisation brauchen. Oder Sie sparen die Miete, weil Sie ungenutzte Büroräume zur Verfügung gestellt bekommen.

Schon heute bringen viele engagierte Menschen in ganz Deutschland ihr Fachwissen ehrenamtlich ein. Doch in einigen Fällen sind solche Pro-bono-Projekte trotz guter Absicht auf beiden Seiten enttäuschend. Erfolgreich ist ein Pro-bono-Projekt erst, wenn sowohl das Ergebnis des Engagements als auch die Zufriedenheit der beteiligten Akteure stimmt. Damit pro bono für Sie wirklich gewinnbringend ist, können Sie folgende Prinzipien beachten:

  • Formulieren Sie zuerst den Bedarf und wählen dann die passenden Ressourcen.

  • Wählen Sie ein Vorhaben, das für Ihre Organisation wichtig, aber nicht zu dringend ist.

  • Schaffen Sie Akzeptanz, indem Sie alle relevanten Mitarbeitenden einbinden. Verhalten Sie sich wie ein zahlender Kunde und fordern Sie Ergebnisse und Deadlines ein.

  • Betrachten Sie das Pro-bono-Projekt als eine Partnerschaft, bei der beiden Seiten dazulernen.


Selbstverständlich wird kein Unternehmen – und auch kein Privatmensch – einfach so seine Ressourcen kostenlos zur Verfügung stellen. Wie auch bei der Akquise von Spenden, erwarten sich die Geber einen Vorteil. Der kann zum Beispiel aus mehr Sichtbarkeit vor Ort, neuen Kontakten oder dem Stolz, ein Projekt wachsen zu sehen, bestehen. Nutzen Sie Ihre Netzwerke vor Ort oder soziale Netzwerke, um aktiv nach den benötigten Kompetenzen und Fähigkeiten in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis zu suchen. Bei den Unternehmen vor Ort können Sie nachfragen, ob sie Dienstleistungen auch pro bono zur Verfügung stellen.

Falls Sie vor Ort nicht fündig werden, können Sie sich an Proboneo wenden und sich für die Vermittlung eines Pro-bono-Projektes bewerben (http://www.proboneo.de/pro-bono-finden/bewerben/). Die 2013 gestartete Vermittlungsplattform Proboneo vermittelt und begleitet Pro-bono-Projekte und setzt sich für eine Pro-bono-Kultur in Deutschland ein. In diesem Vorhaben wird Proboneo durch starke Partner wie der Allianz, BMW Stiftung Herbert Quandt, PHINEO und Robert Bosch Stiftung unterstützt.

Freunden, Kollegen oder Geschäftspartnern können Sie in Ihrer Weihnachtskarte neben Spenden auch das Engagement in einem Pro-bono-Projekt vorschlagen (http://www.proboneo.de/pro-bono-anbieten/bewerben/). Denn das Wertvollste ist unsere Zeit. In diesem Sinne, Fröhliche Weihnachten!

Claudia Leißner ist Geschäftsführerin und Gründerin der Proboneo gGmbH

www.proboneo.de