Gastbeitrag

Freiräume und verlässliche Förderung

Foto: BDKJ

Als Jugendliche, die auf dem Land aufgewachsen ist, war für mich die Jugendverbandsarbeit das Tor zur Welt. Sie hat meinen Blick erweitert. Ich konnte mich über meine räumlichen Grenzen hinweg ausprobieren. Ich habe gelernt, was es heißt, mich für die Gesellschaft einzusetzen und sie als Bürgerin mitzugestalten.

Egal ob in der Stadt oder auf dem Land, insgesamt engagieren sich in Deutschland mehr als sechs Millionen Kinder und Jugendliche ehrenamtlich und freiwillig in Jugendverbänden und -ringen im Deutschen Bundesjugendring. Sie erleben und erfahren, selbstorganisiert und demokratisch ihre Gesellschaft mitzugestalten und Demokratie zu leben. Damit dieses Engagement möglich ist, braucht es gute finanzielle, rechtliche und zeitliche Rahmenbedingungen.

 

Eine wichtige Grundlage für das Engagement junger Menschen ist eine verlässliche Förderpolitik auf allen staatlichen Ebenen. Wir brauchen gute finanzielle Rahmenbedingungen, die die Selbstorganisation junger Menschen absichern. Von der neuen Bundesregierung erwarte ich deswegen, dass sie ihrer gesetzlichen Verpflichtung nachkommt und die eigenverantwortliche Tätigkeit der Jugendverbände auf Bundesebene angemessen und verlässlich fördert. Die Kostensteigerungen der vergangenen Jahre – beispielsweise bei Personal- und Lebenskosten – wurde nie ausgeglichen – das bedeutete praktisch eine Kürzung der Förderung.

 

Ebenso wichtig wie die Förderung: Junge Menschen brauchen für ihr ehrenamtliches Engagement Freiräume. Steigende Anforderungen an junge Berufseinsteiger, Studenten und Schüler sowie die zeitliche Verdichtung in der Lebenswelt junger Menschen schränken Freiräume für Engagement ein. Viele können beispielsweise bei Freizeiten oder bei regelmäßigen Angeboten keine Verantwortung mehr tragen, sie können keine Ämter in ihren Verbänden übernehmen. Damit die zahlreichen Angebote und die Demokratie stärkende Arbeit der Jugendverbände künftig gewährleistet werden kann, müssen etwa Studierende, Schüler und Arbeitnehmer die dafür notwendigen Freiräume bekommen. Die Bundesregierung muss diese Rahmenbedingungen gesetzlich absichern.

 

Studierende und Schüler haben derzeit keine Möglichkeit, für ihr ehrenamtliches Engagement zeitliche Freiräume zu bekommen. Für Arbeitnehmer ist das in einigen Bundesländern gesetzlich geregelt. Die Bundesregierung muss sich dafür einsetzen, dass einheitliche gesetzliche Regelungen erreicht werden. Und sie muss etwas gegen die zeitlichen Verdichtungen der Lehr- und Studienpläne unternehmen. Der Bundesjugendring fordert deswegen einen bundeseinheitlichen freien Nachmittag in der Woche für junge Menschen – beispielsweise als Freiraum für Engagement.

 

Die beste Anerkennung von ehrenamtlichem Engagement ist, es zu würdigen, es zu ermöglichen und finanziell wie gesetzlich zu unterstützen. Deshalb muss Anerkennung über symbolische Maßnahmen hinausgehen. Wir brauchen eine neue Kultur der Anerkennung. Dann bleibt unsere demokratische Gesellschaft auch in Zukunft geprägt von einer starken Zivilgesellschaft!

 

Lisi Maier

Vorsitzende des Deutschen Bundesjugendrings