Gastbeitrag

Klaus Milke

"Ernteausfälle, Überflutungen und die Versalzung von Böden sind nur einige Auswirkungen, die Menschen zunehmend dazu zwingen ihre Heimatorte zu verlassen."

Foto: Germanwatch e. V.

Vergangenen Freitag ist die letzte vorbereitende Verhandlungsrunde für die 21. Vertragsstaatenkonferenz zu Ende gegangen, bei dem ab Ende November alle Staaten in Paris über ein neues Abkommen entscheiden, das die internationale Klimapolitik der nächsten Jahrzehnte grundlegend prägen wird.

Die bisher vorgelegten Klimaziele der einzelnen Staaten zur Reduktion von CO2-Emissionen genügen noch nicht, um den Klimawandel auf unter 2°C oder sogar 1,5°C gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Diese Begrenzung ist aber notwendig, um einen gefährlichen Klimawandel zu vermeiden und die Auswirkungen beherrschbar zu halten. Der weltweite Umstieg von Kohle, Öl und Gas auf Erneuerbare Energien muss deshalb bis Mitte des Jahrhunderts gelingen. Zusätzlich muss im Abkommen von Paris ein Ziel zur Anpassung und zum Umgang mit heute schon auftretenden Schäden und Verlusten durch den Klimawandel festgeschrieben werden. Die verletzlichsten Länder und Bevölkerungsgruppen fordern energisch Unterstützung ein. Bereits 1995, beim ersten Klimagipfel sprach unser Freund, der NGO-Vertreter von Bangladesh Atic Rahman aus, was heute Realität geworden ist: "Wenn Ihr in Sachen Klimaschutz nicht mehr tut, werden wir demnächst mit unseren nassen Füßen auf Eure trockenen Teppiche kommen!". Die Folgen des menschgemachten Klimawandels wie z.B. Dürren und ein steigender Meeresspiegel bringen im Extremfall die Lebensgrundlage von Menschen in besonders betroffenen Regionen schon heute in Gefahr. Ernteausfälle, Überflutungen und die Versalzung von Böden sind nur einige Auswirkungen, die Menschen zunehmend dazu zwingen ihre Heimatorte zu verlassen. Auch wenn immer eine Kombination von Ursachen zugrunde liegt, wächst die Rolle des menschgemachten Klimawandels und er wird bei den zu befürchtenden Wetterextremen der Zukunft eine noch größere Anzahl von Menschen in Bewegung setzen. Nicht zwingend in Richtung Europa, sind sie vielmehr innerhalb ihrer Heimat- und in die Nachbarländer in Asien, in Afrika, im Nahen Osten unterwegs.

In welchem Ausmaß das Abkommen von Paris zusätzliche Dynamik für Klimaschutz weltweit auslösen und auch die Folgen des Klimawandels eingrenzen kann, hängt in der Schlussphase vor Paris vom politischen Willen aller, aber vor allem einigen gewichtigen Schlüsselländern ab.

Klaus Milke ist Entwicklungs- und Umweltberater, Gründungsstifter und Vorsitzender des Stiftungsvorstandes der Stiftung Zukunftsfähigkeit sowie Vorstandsvorsitzender von Germanwatch e. V.

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