Standpunkt-Interview

"Freiwilliges Engagement lebt von Anerkennung"

Dr. Hermann Kues, Parlamentarischer Staatssekretär a.D.

 

Interview mit Dr. Hermann Kues, dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) von 2005 bis 2013, zum Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit.

 

 

Herr Staatssekretär, warum ist das Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit (EJF) wichtig?

Das Europäische Jahr dient dazu, die öffentliche Aufmerksamkeit auf das freiwillige Engagement von Millionen Menschen zu lenken. Ich möchte, dass wir deutlich machen, dass dieser Einsatz für unser Gemeinwesen unersetzbar ist, dass er anerkannt und gewürdigt wird. Außerdem nutzen wir das Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit in Deutschland, um gemeinsam mit Verbänden und Organisationen aus der Zivilgesellschaft nach Wegen zu suchen, wie wir mehr Menschen für ein freiwilliges Engagement gewinnen können.

Was waren aus Ihrer Sicht die Highlights des EJF 2011 in Deutschland?

Es gab eine Reihe sehr gelungener Veranstaltungen und eigentlich möchte ich keine davon besonders herausheben. Sehr gut gefallen hat mir die deutsche Station der europäischen Freiwilligentour in Berlin, an der mehr als hundert Organisationen mit vielen tollen Aktionen und spannenden Workshops mitgewirkt haben. Das war eine tolle Ergänzung zur Woche des bürgerschaftlichen Engagements, zu der es in diesem Jahr bundesweit mehr als 2.000 Veranstaltungen gab. Die Eröffnung des internationalen und grenzüberschreitenden Projekts „Sieben Brücken, die bewegen“ durch Bundespräsident Christian Wulff in Görlitz war natürlich auch ein Höhepunkt.

Das EJF bildet einen Impuls für die stärkere Thematisierung und Förderung von freiwilligem Engagement – auf der Ebene der Europäischen Union und in den einzelnen Mitgliedsstaaten. Wie kann dieses Thema europaweit auch nach dem EJF weiter voran gebracht werden?

Wir müssen ganz einfach an dem Thema dranbleiben! Ich würde mich freuen, wenn das Jahr auf europäischer Ebene der Startschuss würde, um mit den anderen Mitgliedstaaten in einem regelmäßigen Dialog zu bleiben. Dazu brauchen wir einen regelmäßigen Austausch der Mitgliedstaaten ebenso wie eine bessere Verzahnung europäischer Gremien und Netzwerke. Nur wenn wir alle unsere guten Erfahrungen austauschen wird es uns gelingen, dass sich die Menschen in Europa weiter für bürgerschaftliches Engagement interessieren und begeistern.

Mit der Preisverleihung des Deutschen Engagementpreises 2011 wird das EJF in Deutschland offiziell beendet. Warum wurde gerade diese Veranstaltung für den Abschluss des EJF gewählt?

Freiwilliges und bürgerschaftliches Engagement lebt von Anerkennung. Nur wenn wir den Menschen auch einmal Danke sagen für ihren ganz persönlichen Einsatz, nur dann werden wir weiterhin Menschen für bürgerschaftliches Engagement begeistern können. Mit dem Deutschen Engagementpreis würdigen wir das herausragende Engagement einzelner. Zugleich soll dieser Preis aber auch ermutigen und motivieren - diejenigen, die sich schon engagieren und diejenigen, die vielleicht noch mit dem Gedanken spielen, aktiv zu werden.

Der Deutsche Engagementpreis würdigt mit seiner diesjährigen Schwerpunktkategorie das Engagement von Älteren. 2012 ist das „Europäische Jahr des Alterns“ – welche Rolle wird hier das freiwillige Engagement spielen?

In einem „Europäischen Jahr des Alterns“ wird natürlich das Thema des Engagements älterer Menschen im Mittelpunkt stehen. Ältere Menschen leisten mit ihrem Engagement einen enormen Beitrag zum sozialen Zusammenhalt der Generationen. Das wissen wir aus unseren erfolgreichen Programmen „Aktiv im Alter“ und „Freiwilligendienste aller Generationen“. Sie wollen unsere Gesellschaft mit ihren Talenten und Kompetenzen mitgestalten, sie wollen Verantwortung übernehmen - und tun das auch mit Freude und Begeisterung.