Das gute Beispiel

Gisela Mügge

Menschen mit Respekt, Rücksicht, Güte und Liebe begegnen

Im Herbst 2015 brachten die Zeitungen in Aschendorf täglich neue Schlagzeilen über die geplante Großunterkunft für über 1.000 Geflüchtete. "Aschendorf selbst ist ein kleiner Ort und wir waren natürlich alle sehr gespannt, wie das werden sollte, mit so vielen Menschen. Letzten Endes kamen dann nur einige Familien nach Aschendorf.", erklärt Gisela Mügge schmunzelnd. Über 40 Jahre lang war Gisela Mügge als Krankenschwester tätig. Engagiert hat sie sich ihr Leben lang - für Kinder, ältere Menschen und für die Gemeinde. Angesichts der Neuankömmlinge in der niedersächsischen Gemeinde fand sich auf ihre Initiative schnell eine sechsköpfige Helfergruppe zusammen. Sie richteten ein internationales Café im Gemeindehaus ein, das sich schnell als feste Anlaufstelle für Einheimische und Geflüchtete etablierte. Schnell kommen weitere Aufgaben dazu... "Der offizielle Sprachunterricht war 14 Kilometer entfernt! Wie sollten Frauen und Kinder dorthin kommen? Deshalb haben wir mit einer Lehrerin beratschlagt, wie wir weitermachen könnten und sie erklärte sich dann bereit, den Sprachunterricht für die Frauen zu geben. Ich habe spontan zugesagt, dass ich währenddessen die Kinder betreue. Dann ging alles ganz schnell und wir starteten mit unserem Sprachkurs zwei Mal pro Woche."

Gisela Mügges Engagement reichte dabei weit über die nachmittägliche Betreuung der Kleinkinder hinaus. Mit vielen Familien entwickelte sich ein enger persönlicher Kontakt. Sie hilft, wo sie nur kann. "Wir wollten ein Gefühl vermitteln, dass die Menschen uns willkommen sind. Dass wir uns freuen, dass sie die Sprache erlernen. Dass sie unsere Kultur und unserer Traditionen miterleben, dass sie Begleitung haben bei Behörden, Ärzten und Beratungsstellen, dass wir gemeinsam Formulare ausfüllen und dass wir mit Fahrdiensten aushelfen. Anpacken, Mitmachen, Füreinander da sein - das ist unser Ziel! Engagement ist die Bereitschaft, sich in Anspruch nehmen zu lassen, darum geht es doch!" erklärt Frau Mügge. Den christlichen Glauben mit seiner Liebe zum Nächsten sieht sie als roten Faden in ihrem Leben und als Grundlage ihres Engagements: "Achten, das heißt für mich, aufmerksam sein, ein Auge auf andere haben, sie ernst nehmen, sie anerkennen. Dem Menschen mit Respekt, Ehrfurcht, Rücksicht, Güte und Liebe begegnen. Ohne das geht es nicht.", sagt die rüstige Dame.

Es bräuchte eine kommunale Plattform

Kommt die Sprache auf die Unterstützung ihres Engagements, ist Frau Mügge größtenteils voll des Lobes. Sowohl seitens der Wohlfahrtsverbände wie auch der Gemeinde sei die Unterstützung groß gewesen. Ein wichtiges Thema ist für sie allerdings die Erstattung von Auslagen während des Engagements. Sie erzählt, dass es auch ihrem langjährigen vorherigen Engagement geschuldet war, das ihr die Ansprechpartner bei den zuständigen Stellen bereits bekannt waren. Für jemanden, der neu hinzukäme und sich engagieren wolle, für den gäbe es immer noch zu wenig Hinweise, an wen man sich wenden könne. "Es bräuchte eine kommunale Plattform. Wer ist bei uns im sozialen Bereich Ansprechpartner? Welche Ämter sind wichtig? Wer engagiert sich noch und wo kann ich diese Leute treffen? Es gab zwar irgendwann Broschüren, aber für uns, die wir von Anfang an dabei waren, kamen die einfach zu spät. Wenn ich mich für etwas interessiere, dann muss ich doch wissen, wer mir helfen könnte.", betont Gisela Mügge.

Ehrenamt muss öffentlich gemacht werden!

Ein deutlicher Apell geht an die anderen freiwillig Engagierten in Deutschland: "Ehrenamt muss öffentlich gemacht werden! Nur dann können sich andere daran orientieren und sich ebenfalls einbringen. Nur so können wir Mitverantwortung für unsere Gesellschaft übernehmen und das wiederum lässt die Demokratie wachsen und lebendig werden." Auch der Austausch untereinander, zum Beispiel in einem Verband, sei sehr wichtig. "Nur so werden Rahmenbedingungen aufgestellt, die wichtig sind für ein lebendiges Ehrenamt. Man kann nicht irgendwie im Untergrund mauscheln. Man braucht die Gemeinschaft und einen Verband, bei mir den Caritasverband, durch den ich mich immer unterstützt gefühlt habe.", verdeutlicht sie ihr Anliegen.

Für die Zukunft wünscht sich Gisela Mügge, dass die Menschen auf der ganzen Welt nicht mehr wegen Kriegen ihre Heimat verlassen müssen. Außerdem träumt sie davon, dass hoffentlich auch weiterhin viele Menschen bereit sind, sich mit Kopf, Hand und Herz für ihre Mitmenschen einzusetzen. Die albanischen Familien mussten mittlerweile nach Albanien zurückkehren. Der Kontakt zu ihrer "Deutschland-Omi" aber besteht weiterhin und Frau Mügge schmiedet bereits Reisepläne.

Der Deutsche Engagementpreis dankt Gisela Mügge herzlich für das Gespräch. Die Fragen stellte Artemis Toebs, Pressereferentin Deutscher Engagementpreis.