Das gute Beispiel

„Ich bin bereit, etwas von meinem Glück abzugeben"

Interview mit Ralf Heibrok, Organisator der Glückstour

Der Verein Glückstour e. V. fördert die Forschung nach neuen Medikamenten und unterstützt betroffene Kinder und deren Familien. Einmal im Jahr radeln Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger gemeinsam tausend Kilometer. Das Ziel: Sie übergeben die über das Jahr gesammelten Spendengelder an ausgewählte Einrichtungen und nehmen Spenden entgegen. Letztes Jahr war der Verein für den Deutschen Engagementpreis nominiert und konnte den zweiten Platz beim Publikumspreis belegen. Im Interview berichtet Ralf Heibrok darüber, weshalb dieses Engagement so wertvoll und Aufgeben keine Option ist und was der Verein bislang schon erreichen konnte.  

Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger radeln für krebs- und schwerkranke Kinder. Wie kann man sich das genau vorstellen? Was haben Sie bisher schon erreichen können?  

Jedes Jahr findet die sogenannte „Glückstour“ zugunsten schwerst- und krebskranker Kinder statt. Die Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger radeln jedes Jahr eine andere Strecke von tausend Kilometern. Auf die Streckenabschnitte laden wir Elterninitiativen, Institutionen oder Projekte ein, die sich für schwer erkrankte Kinder engagieren, und übergeben die Spendengelder, die wir das ganze Jahr über gesammelt haben. In diesem Jahr führte die Strecke von Dietmannsried nach Mainz zum Bundesverbandstag. Das ist die ranghöchste Veranstaltung, die es im Schornsteinfegerhandwerk gibt. Auf dieser Fahrt haben wir an fast 50 Stellen je 3000 Euro übergeben und Spendengelder eingesammelt. Mit der Glückstour haben wir mittlerweile fast 3 Millionen Euro umgesetzt. Mithilfe der Unterstützung von Forschungsprojekten konnten außerdem zwei Immuntoxine entwickelt werden, die die Chemotherapie verträglicher macht. Aber auch über das gesamte Jahr unterstützen wir Familien und deren Kinder. Für Liyah haben wir beispielsweise ein Lasten-E-Bike angeschafft, da Liyah nicht mehr laufen kann.  

Seit wann und weshalb engagieren Sie sich? 

Ich engagiere mich seit 2006. Auslöser war ein Schornsteinfeger-Kollege, der eine krebskranke Tochter hatte. Aus seiner Not heraus hat er damals den Verein „Kaminkehrer helfen krebskranken Kindern“ gegründet. Diesen Verein wollten wir zu der Zeit bekannt machen und haben beschlossen, eine Radtour zum Bundesverbandstag zu organisieren. Seitdem gibt es also die Glückstour. Mittlerweile ist die Glückstour eine große Veranstaltung geworden, sodass wir diese Tour auf eigene Beine stellen konnten. Der Gründer der Initiative ist inzwischen leider an Krebs verstorben.

Woher nehmen Sie die Kraft für Ihr Engagement?

Durch diese Arbeit bekommt man mehr zurück, als man gibt. Ich habe in meinem Leben noch nie etwas Sinnvolleres gemacht, als diese Familien mit ihren erkrankten Kindern zu unterstützen. Denn wenn es den Eltern gut geht, geht es auch den Kindern besser. Und umgekehrt. 

Sie haben im vergangenen Jahr den zweiten Platz beim Publikumspreis des Deutschen Engagementpreises belegt. Was hat sich seitdem ergeben?  

Das letzte Jahr war sehr turbulent, denn alles was wir bisher gemacht hatten, ist aufgrund der Coronapandemie weggebrochen. So konnte auch die Glückstour nicht in ihrer eigentlichen Form stattfinden. Die Nominierung für den Deutschen Engagementpreis haben wir dafür genutzt, verstärkt auf uns aufmerksam zu machen und so mehr Reichweite zu erzielen. Wir konnten viele dazu animieren, uns zu unterstützen. Vor allem konnten wir mit unserem Engagement viel für schwerkranke Kinder bewegen und trotz der Einschränkungen durch die Pandemie einen Spendenrekord erzielen.  

Welchen Herausforderungen begegnen Sie in Ihrem Engagement und wie gehen Sie damit um?  

Wir müssen besser darin werden, Mitglieder zu gewinnen. Wir arbeiten absolut ehrenamtlich, sodass die Spenden auch wirklich dort ankommen, wo sie benötigt werden. Je mehr Spenden wir generieren können, desto mehr können wir auch helfen.  

Im Leben und im Engagement läuft nicht immer alles reibungslos und man stößt auch mal an seine Grenzen. Können Sie sich an Situationen erinnern, in denen Sie ans Aufgeben gedacht haben?

Eins werde ich nie tun und das ist aufgeben. Ich werde nicht aufhören, den Kindern und ihren Familien zu helfen. Die Kraft für all das nehme ich aus der Bestätigung, wie wichtig es ist zu helfen. Aber auch aus dem Wissen, dass es mir besser geht als denjenigen, die betroffen sind.   

Was war bislang der rührendste Moment im Rahmen Ihres Engagements?  

Es gibt so viele bewegende Momente, natürlich auch wenn wir Kinder verloren haben. Das Schicksal all dieser Familien berührt mich persönlich auf seine eigene Art und Weise. Es fühlt sich nicht richtig an, hier einen Moment besonders hervorzuheben. Je nachdem wie man selbst drauf ist und in welcher Situation man ist, gibt es immer wieder sehr bewegende Momente.  

Sie dürfen sich etwas wünschen, das Sie in Ihrem Engagement unterstützt. Was wäre das?  

Das ist eine sehr schwere Frage, denn es gibt so viele Dinge, die ich mir wünschen würde. Ich komme immer wieder an mein persönliches Limit. Wir brauchen mehr Leute, die strukturiert bundesweit mithelfen. Ein ganz großer Wunsch von mir ist, dass alle Kinder auf dieser Welt eine lebenserhaltende Chance bekommen und deren Licht niemals erlischt. 

Wie lautet Ihr Lieblingsspruch?  

„Das Glück liegt nicht im Nehmen, das Glück liegt im Geben.“ Die Schicksale der betroffenen Kinder und deren Familien machen immer wieder deutlich, wie gut wir es doch eigentlich haben. Das heißt für mich, dass ich etwas zurückgeben möchte. Ich bin dazu bereit, etwas von meinem Glück abzugeben. Und das erfüllt mich so an meinem Engagement.  

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Interview: Maren Berger, Deutscher Engagementpreis