Interview

„Ehrenamtliches Engagement trägt zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft bei und verdient höchste Anerkennung“

Interview mit Dr. Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG und Beiratsvorsitzender der Deutsche Bahn Stiftung

Herr Dr. Lutz, die Deutsche Bahn Stiftung fördert mit einem eigens aufgelegten Programm ehrenamtliches Engagement der DB-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Was hat es damit auf sich? 

Kurz nach der Gründung der Deutsche Bahn Stiftung haben wir das Programm Ehrensache ins Leben gerufen. Wie Millionen weitere Menschen engagieren sich auch zahllose DB-Kolleginnen und -Kollegen in gemeinnützigen Organisationen und leisten so einen wertvollen Beitrag zum Zusammenhalt unserer immer komplexer werdenden Gesellschaft. Das verdient höchste Anerkennung. Ziel unseres Programms ist es, dieses ehrenamtliche Engagement wertzuschätzen und auch finanziell zu unterstützen. DB-Mitarbeitende bewerben sich mit einem konkreten Vorhaben bei Ehrensache, für das sie sich in ihrer Freizeit einsetzen. Die Spende fließt jeweils in das Projekt und kommt damit der als gemeinnützig anerkannten Organisation zugute. Auf diese Weise haben DB-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter mit dem Programm Ehrensache bis heute mehr als 800 soziale Projekte realisieren können.  

Ehrenamtliches Engagement ist so vielfältig wie die Menschen, die dahinterstehen. Wonach wählen Sie Projekte aus, die Unterstützung erhalten?  

Die Projekte sind wunderbar vielfältig, und dahinter stehen Menschen, die mit großer Motivation auf gesellschaftliche Herausforderungen reagieren. Wer sich ehrenamtlich engagiert, fragt sich: Wofür schlägt mein Herz? Was kann ich gut? Womit kann ich mich einbringen? Vom Zugbegleiter, der wöchentlich Kindern Schwimmunterricht erteilt, weil dieser in der Grundschule nicht mehr stattfinden kann, bis zur IT-Spezialistin, die Mädchen und Frauen mit Zuwanderungsgeschichte Programmierkenntnisse beibringt, ist die Bandbreite der eingereichten Projekte sehr groß. Um diese Vielfalt fair bewerten zu können, wurden Förderrichtlinien und Kriterien erarbeitet, anhand derer aus der Vielzahl der eingehenden Anträge eine Empfehlungsliste erarbeitet wird. Eine unabhängige Jury wählt schließlich jene gemeinnützigen Organisationen aus, die von der Deutsche Bahn Stiftung unterstützt werden sollen. 

Wie reagieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf das Programm Ehrensache?   

Hinter ehrenamtlichem Engagement steht eine besondere Haltung, und die Gründe dieser Haltung sind divers. Die meisten Menschen nennen als ein Motiv, dass sie etwas Nützliches zum Gemeinwohl beitragen möchten. Diesen Beitrag leisten sie oft mit hohem persönlichem Einsatz in ihrer Freizeit. Mit dem Programm Ehrensache möchten wir deutlich machen, wie sehr wir dieses Engagement wertschätzen. Eine Teilnehmerbefragung, die wir seit 2019 durchführen, bestätigt, wie wichtig den DB-Mitarbeitenden diese Anerkennung ist.  

Seit fünf Jahren unterstützt die Deutsche Bahn Stiftung ehrenamtliches Engagement der Mitarbeiter des Konzerns. Wenn Sie zurückblicken: Was beeindruckt Sie besonders? 

Das ehrenamtliche Engagement der DB-Mitarbeitenden ist seit Jahren hoch, viele Kolleginnen und Kollegen sind mehrere Stunden pro Woche in ihrem Ehrenamt aktiv. Das ist viel, neben Berufstätigkeit, Familie und dem ganz normalen Alltag. Häufig führen persönliche Erlebnisse und Erfahrungen dazu, sich ehrenamtlich zu engagieren, um Menschen, die Ähnliches erlebt haben, zu helfen. Das beeindruckt mich sehr. Bemerkenswert finde ich außerdem, wie sich die Themenschwerpunkte verändert haben. Im Jahr 2016 hatten wir viele Anträge, die sich mit Flüchtlingshilfe befasst haben. Heute erhalten wir kaum noch Anträge für Projekte, die sich konkret mit der Integration von Menschen mit Fluchtgeschichte befassen. Vielmehr ist Integration heute ein horizontales Thema und findet sich beinahe in allen Kategorien. Das ist eine wichtige Entwicklung und zeigt, was wir gemeinsam leisten können. Für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist freiwilliges Engagement unverzichtbar. 

Was bedeutet Ihnen persönlich ehrenamtliches Engagement?   

Ich selbst engagiere mich schon seit vielen Jahren mit viel Begeisterung, zum Beispiel in der Bahnhofsmission am Bahnhof Zoo in Berlin. Keine Frage, meine Zeit ist knapp, aber ich versuche immer wieder vorbeizuschauen, mit anzupacken und zu helfen. Ich nehme aus diesen Begegnungen wirklich viel mit, deshalb sind sie für mich auch so wertvoll. Es ist völlig egal, woher man kommt, wer man ist. Was die Ehrenamtlichen dort eint, ist der Wunsch zu helfen, ein offenes Ohr und eine helfende Hand zu bieten. 

Herr Dr. Lutz, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.  

 

Über die Deutsche Bahn Stiftung 

Anschluss sichern. Verbindungen schaffen. Weichen stellen: Die Deutsche Bahn Stiftung gGmbH bündelt unter diesem Leitsatz das gemeinnützige Engagement des DB-Konzerns und knüpft damit an die Tradition der Hilfe und Verantwortung an, wie Eisenbahner sie seit jeher leben. Sie verbindet dabei Eisenbahngeschichte mit Weichenstellungen für die Zukunft. Sie betreibt das DB Museum, setzt sich für die Integration von Menschen am Rande der Gesellschaft ein, schafft nachhaltige Bildungsangebote und fördert ehrenamtliches Engagement.  
Mehr unter: www.deutschebahnstiftung.de