Das gute Beispiel

Kinder lesen Katzen vor

Ein Projekt des Tierschutzvereins für Berlin und Umgebung Corp. e. V.

Leselust statt Lesefrust – mit tierischer Hilfe zum Leseerfolg

Nicht jedes Kind ist eine Leseratte. Manches Kind findet Lesen langweilig, manches Kind kann einfach noch nicht so gut lesen und quält sich mühevoll durch jede einzelne Zeile. Aber auch hier ist es wie mit allen Dingen im Leben: Um gut lesen zu können, hilft regelmäßiges Üben. In Schulen fehlen aber die Kapazitäten für weiteres intensives Lesetraining. Auch der Druck von Eltern und Lehrkräften, die ständig die Aussprache korrigieren, macht das Lesen für die Kinder nicht leichter.

Lesen üben ohne Erwartungsdruck

Mit seinem Projekt „Kinder lesen Katzen vor“ schafft der Tierschutzverein für Berlin seit August 2019 hier Abhilfe. Ziel des Leseprojektes ist es, dass Kinder ihre Lesekompetenzen verbessern und somit die Angst vor dem lauten Vorlesen verlieren. Ihre geduldigen Zuhörer sind dabei im Tierheim Berlin lebende Katzen. Kinder im Alter von 7 bis 12 Jahren dürfen einmal pro Woche für 30 Minuten aus einem selbst gewählten Buch in entspannter Atmosphäre gemeinsam mit einer Katze in einer Katzenbox lesen üben. Dass sich die Lesekompetenz der Kinder kontinuierlich verbessert, freut Annette Rost, Leiterin Kommunikation & Marketing, die das Projekt im Berliner Tierheim initiierte und konzipierte.

Kind und Katze profitieren gleichermaßen

Katzen im Tierheim vorzulesen, ist ein Konzept, das ursprünglich in den USA entwickelt wurde. Studien haben zudem gezeigt, dass rhythmisches Vorlesen eine beruhigende entspannende Wirkung auf die Katzen im Tierheim hat. Dabei sind die Samtpfoten ganz geduldige Zuhörer: Es stört sie nicht, wenn das Kind Wörter falsch betont, zu schnell oder zu langsam liest. „Das Projekt bringt Kind und Katze so zusammen, dass beide Seiten davon profitieren und ihnen viel Freude bereitet“, erklärt Dr. Ulrike Pollack, die das Projekt betreut.

Alles für die Katz – aber im positiven Sinne

Der Kontakt und die Nähe zu den Kindern ermöglicht es den Katzen, sich wieder an Menschen zu gewöhnen und Vertrauen zu fassen. Die ein oder andere Kuscheleinheit gibt es für die Samtpfoten dann auch noch gratis, sofern die Katze von sich aus auf das Kind zukommt. Denn einige Tierheimkatzen haben zuvor schlechte Erfahrungen gemacht und sind daher eher scheue Artgenossen. Dabei ist das Leseprojekt aber auch für ängstliche Katzen ein sehr positives Erlebnis, erzählt Dr. Pollack: „Wir hatten eine ganz besonders scheue Katze, die sich nach einigen Vorleseterminen aus ihrem Versteck wagte, um sich dem Kind anzunähern. Für das Kind war dies ein großes Erfolgserlebnis und ein Ansporn.“ Lautes Vorlesen trägt zur Sprach- und Leseförderung der Kinder bei. Aber nicht nur das: Die Kinder engagieren sich sozial, indem sie den Katzen im Tierheim helfen und lernen zugleich etwas über den Tierschutz. Über zehn Wochen lang können die Kinder Katzen vorlesen. Nach dem tierischen Lesespaß gibt es in die 10er-Karte einen Stempel und eine Urkunde zum Abschluss.

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