Das gute Beispiel

Tommy Nicht Allein - die Kliniknannys

Interview mit Jana David, Leiterin der Initiative „Tommy nicht allein“ der Unimedizin in Rostock

Ein Krankenhausaufenthalt ist für niemanden angenehm, doch besonders Kinder leiden unter dem Ausnahmezustand. Nicht immer können Eltern ihre Kinder jederzeit besuchen. Das Projekt „Tommy Nicht allein“ schafft hier mit seinen Kliniknannys Abhilfe: Die Nannys sind überwiegend Studierende, die mit den Kindern spielen, ihnen vorlesen oder basteln, um sie vom oft tristen Krankenhausalltag abzulenken. Vergangenes Jahr gewann das Projekt den Publikumspreis des Deutschen Engagementpreises. Im Interview erzählt Jana David, wie es sich anfühlte den Preis zu gewinnen, was das Projekt seitdem erreichen kann und was sie an ihrem Engagement besonders motiviert. 

Sie haben im vergangenen Jahr den Publikumspreis des Deutschen Engagementpreises gewonnen. Was hat das für Sie bedeutet? 

Zunächst einmal war das eine sehr intensive Erfahrung. Wir haben wirklich hart dafür gearbeitet, um Stimmen zu bekommen und die Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen. Der Publikumspreis hat aus einer anderen Perspektive auf unsere Arbeit hingewiesen: „Hey, die machen tolle Arbeit, helft denen.“ Man hat auch gemerkt, dass die ganze Region stolz auf unser Projekt ist. Im Nachhinein kamen viele Menschen auf uns zu, die mitmachen oder uns unterstützen wollten, sei es personell oder finanziell. Wir haben dann noch bei einer großen Weihnachtsspendenaktion mitgemacht und konnten durch die neu gewonnene Reichweite viel Geld einnehmen.  

Wie haben sich die Kliniknannys seitdem weiterentwickelt?  

Durch den Gewinn des Publikumspreises ist vieles in Gang gekommen. Wir haben nun durch die Aufmerksamkeit und die Zuwendung neue Möglichkeiten. So wollen wir zum Beispiel ein Spielzimmer bauen. Das wäre vorher nicht denkbar gewesen, da wir gar nicht die Mittel hatten. Wir haben auch unser Konzept überarbeitet: Das heißt viele Spielsachen, die wir zum Kind mitnehmen bleiben jetzt da, auch aufgrund von Corona. Außerdem entwickeln wir gerade eine App, in der wir uns austauschen können, Nannys ihre besonderen Fähigkeiten wie Fremdsprachen angeben können und um in Zukunft andere Städte einzugliedern. 

Wurden Sie von Engagierten aus anderen Städten angesprochen, die ein ähnliches Projekt aufbauen möchten und von Ihnen inspiriert wurden? 

Das wurden wir tatsächlich. Um Stimmen zu sammeln, haben wir die Fachschaften der Medizin angefragt und unser Projekt vorgestellt. Unter anderem war die TU München sehr von unserem Projekt angetan. Schon zur Zeit des Publikumspreises sind sie mit uns in Kontakt getreten. Seitdem haben wir uns schon viel ausgetauscht und die TU München überlegt nun, wie sie das bei sich umsetzen können. Unsere Idee ist, dass wir Partnerschaftshilfe leisten und unsere Erfahrungen weitergeben.

Was motiviert Sie in Ihrem Engagement? 

Oh ganz viel! Ich bin selbst Mama. Wenn die Kinder krank sind, geht es einem selbst schlecht. Es gibt aber Eltern, die müssen ihre Kinder allein im Krankenhaus lassen, weil sie arbeiten, von weiter wegkommen oder alleinerziehend sind. Als Kind war ich selbst auch sehr viel krank und allein im Krankenhaus. Aus dieser eigenen Erfahrung heraus weiß ich, wie wichtig es für Kinder ist, dass jemand kommt, einen ablenkt und mit einem spielt. Das ist die Motivation und da hängt mein Herz dran, das zu verbessern.  

Haben Sie ein besonderes Erlebnis aus Ihrer Zeit als Kliniknanny, an das Sie sich gerne zurückerinnern? 

Da gibt es viele Sachen. Was mir immer total gut tut ist, wenn ich auf der Neonatologie bei den Frühchen oder schwerkranken Babys bin: In diesem ganzen Alltagsstress mit Studium und Kindern, wenn dann diese Babys auf einem liegen und man merkt, wie sie das genießen, das ist tiefenentspannend. Dieses Gefühl kann ich gar nicht genau beschreiben. Also ich gebe dem Baby in diesem Moment ganz viel, aber eigentlich gibt es mir auch total viel Kraft zurück. Besonders rührend ist es auch, wenn die Kinder wirklich von sich aus fragen, ob wir kommen können.  

Was würden Sie Engagierten mit auf den Weg geben für die Vorbereitung auf den Publikumspreis? 

Für uns war es wahnsinnig viel Arbeit, aber wer viel Energie reinsteckt, kriegt auch viel zurück. Von den Berichterstattungen und der Aufmerksamkeit kann man noch ganz lange zehren. Wer das will und wir wollten das unbedingt - der Welt zeigen, dass Klein-Rostock das schaffen kann - der muss eben viel investieren. Sagen wir es so: Es ist wirklich Türklinken putzen. Man muss die Leute mehrfach erinnern, bis sie auch wirklich abstimmen und nicht nur sagen, wie großartig sie das Projekt finden.  

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Interview: Greta Zwer, Deutscher Engagementpreis