Das gute Beispiel

Stiftung Bürger für Leipzig

Stiftung von unten 

Trendela Braun von der Stiftung Bürger für Leipzig erinnert sich gern an den Stifterpreis, den die Bürgerstifterinnen und Bürgerstifter 2019 vom Bundesverband Deutscher Stiftungen erhalten haben: „Es ist großartig, dass mit dem Stifterpreis im vergangenen Jahr das ganze Kollektiv der Bürgerstiftungen ausgezeichnet wurde – das gibt den Engagierten Kraft und Hoffnung für ihre Arbeit!” Mit der Auszeichnung mit dem Stifterpreis war die Gemeinschaft der Bürgerstifterinnen und Bürgerstifter auch für den Deutschen Engagementpreis nominiert. Doch was ist das eigentlich nochmal – eine Bürgerstiftung? 

Eine Mitmach-Stiftung 

Die Idee kam ursprünglich aus den USA: In Cleveland/Ohio wurde 1914 die erste Community Foundation – also die Entsprechung zur hiesigen Bürgerstiftung – gegründet. Das Neue an dem Konzept der Community Foundation war, dass sich in dieser Mitmach-Stiftung viele Bürgerinnen und Bürger mit wenig oder keinem privatem Stiftungskapital für die gute Sache zusammentun. Sie spenden Zeit, Geld oder Ideen. Gemeinsam schaffen sie so eine Stiftung, die oft von Unternehmen, Vereinen und anderen Organisationen unterstützt wird.  

Erfolgsrezept aus den USA 

In Deutschland gibt es diese „Stiftungen von unten” erst seit 1996 – seitdem freuen sie sich über einen rasanten Zuwachs. Das Bündnis der Bürgerstiftungen Deutschlands zählt mittlerweile 410 Bürgerstiftungen, in denen rund 30.000 Menschen ihre Zeit, Geld oder Ideen stiften.  

Eine dieser noch jungen Stiftungen ist die Stiftung Bürger für Leipzig. Sie wurde 2003 gegründet und wächst seitdem stetig. Trendela Braun der Leipziger Bürgerstiftung freut sich: „Es sind nun schon 150 Stifterinnen und Stifter, und jedes Jahr kommen welche dazu.” Die Stiftung Bürger für Leipzig sei eher klein und verfüge über ein begrenztes Budget. Daher liege der Schwerpunkt der Arbeit auf eigenen Projekten und weniger bei der Förderung.  

Wunder finden in Leipzig 

Das größte Projekt der Stiftung Bürger für Leipzig heißt „Die Wunderfinder”, in dem seit 2014 Bildungspatenschaften zwischen Ehrenamtlichen und Grundschulkindern mit schwierigen Startbedingungen vermittelt werden. „Am Anfang konnten wir noch gar nicht abschätzen, wie wichtig und lehrreich das für alle Beteiligten sein würde. Es ist einfach toll, wie dort Vorurteile abgebaut werden und Menschen zusammenfinden”, schwärmt Braun. Die „Wunschfinder-Teams" bestehen jeweils aus zwei Kindern und einem Erwachsenen: Sie zeichnen ihr eigenes Portrait im Museum der bildenden Künste, stöbern gemeinsam in der örtlichen Buchhandlung oder unterstützen die Familie bei der Wohnungssuche. So entdecken die Paten-Teams gemeinsam ihre Stadt – und das bietet oft sowohl für die Kinder als auch für die Patinnen und Paten wertvolle neue Perspektiven auf ihren Wohnort. 

Natürlich erschweren die Auswirkungen der Corona-Pandemie auch dem Wunderfinder-Projekt die Arbeit. Damit die Wunderfinderinnen und Wunderfinder aus dem aktuellen Jahrgang nicht zu kurz kommen, hat die Stiftung Bürger für Leipzig das Programm für den aktuellen Jahrgang um ein weiteres Jahr verlängert. Braun berichtet, es hätten sich sogar so viele tatkräftige Engagierte gemeldet, dass noch weitere Kinder aus dem neuen Jahrgang mit ins Programm aufgenommen werden konnten. 

Bürgerstiftungen - divers und doch vereint 

Trendela Braun erklärt, dass die Arbeit der vielen Bürgerstiftungen sehr divers sei, sie aber dennoch vieles eint – wie zum Beispiel ein intensives Engagement im Bereich Kinder und Bildung. Die Engagierten in den Bürgerstiftungen seien oft „Macherinnen” und “Macher” aus der Praxis, die aus eigenem Antrieb heraus etwas bewegen wollen und persönlich eher bescheiden auftreten. Umso wichtiger sei es, dass der Einsatz dieser vielen Menschen gewürdigt werde nach dem Motto: Ich sehe, was du leistest und finde es super! 

https://www.buergerfuerleipzig.de

 

Britta Steinwachs, Deutscher Engagementpreis