Das gute Beispiel

Wolfsträne e. V.

Hilfe für trauernde Kinder

Der Verein Wolfsträne aus Leipzig begleitet Kinder und Jugendliche auf ihrem persönlichen Trauerweg, wenn sie ein oder beide Elternteile oder Geschwisterkinder verloren haben. Dabei bietet er ihnen einen geschützten Rahmen, um ihre Trauer ausleben und bewältigen zu können. Die Nachfrage ist riesig. Denn nach wie vor sind Trauer und Tod Tabuthemen, denen am liebsten aus dem Weg gegangen wird.

Katrin Gärtner ist Initiatorin und Gründerin des Vereins, der nach 2018 das zweite Mal für den Deutschen Engagementpreis nominiert ist. Aus eigener Erfahrung weiß sie, wie es sich für Kinder anfühlt und welche Schwierigkeiten es mit sich bringt, wenn ein Elternteil stirbt. Vor drei Jahren suchte sie nach passenden Hilfsangeboten in Leipzig und Umgebung für ein kleines Mädchen, dessen Mutter gestorben war. Fündig wurde sie nicht. Das war ein Schock und gleichzeitig eine Initialzündung. Anstatt sich darüber zu grämen und zu ärgern, beschloss sie, diesem Mangel Abhilfe zu schaffen und gründete kurzerhand einen Verein für trauernde Kinder und Jugendliche.

Trauer und Tod sind nach wie vor Tabuthemen

„Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, das Leid anderer, in diesem Fall der Jüngsten und Hilflosesten in unserer Gesellschaft, zu mildern und ihnen in den schwersten Stunden ihres Lebens zur Seite stehen. Und ich will ihnen zeigen, dass es Perspektiven gibt, und dass sie nicht alleine sind mit ihrem Schicksal,“ erläutert Gärtner ihre Motivation.

Dass Trauer und Tod nach wie vor Tabuthemen sind, denen man am liebsten aus dem Weg geht, stellen sie bei Wolfsträne immer wieder fest. Ihre professionell ausgebildeten Trauerbegleiterinnen und Trauerbegleiter machen genau das, was oftmals vermieden wird: sich den ehrlichen Fragen der Kinder zu stellen. Langfristiges Ziel ist es, dass die Kinder trotz dieses furchtbaren Schicksalsschlags zu gesunden Erwachsenen heranwachsen können, ohne an dem Erlebten zu zerbrechen.

Erzieher*innen, Lehrer*innen, Verwandte und Bekannte wissen oft nicht, wie sie mit einem trauernden Kind umgehen sollen. Und erwachsene Familienangehörige übersehen aufgrund ihrer eigenen Trauer in vielen Fällen die Trauer des Kindes. Das ist verständlich, ändert aber nichts daran, dass sich die Kinder dann oft alleingelassen und unverstanden fühlen. Sie ziehen sich zurück oder lassen sich ihre Trauer nicht anmerken, was erst viele Jahre später zu seelischen und körperlichen Folgen führen kann. Daher ist eine speziell auf Kinder und Jugendliche ausgerichtete Trauerbegleitung so wichtig. In Projekttagen an Kindergärten, Schulen und bei anderen sozialen Einrichtungen klärt der Verein über Sterben, Tod und Trauer auf und rückt so den Tod ein wichtiges Stück ins Leben.

Einschränkungen durch Corona sind große Herausforderung für den Verein

Begonnen hat der Verein im März 2017 mit zwei Kindern. Heute sind es insgesamt mehr als 150 Kinder und Jugendliche, die eine Begleitung erfahren haben, oder diese noch aktiv in Anspruch nehmen. Innerhalb Leipzigs ist Wolfsträne mittlerweile ein fester Partner von Hospizen, Palliativstationen, Schulen und Kriseninterventionsteams, so dass im Notfall schnell vermittelt werden kann. Und im April 2020 konnte eine Außenstelle in Torgau eröffnet werden. Dennoch ist der Bedarf an Trauerbegleitung bei weitem nicht gedeckt.

Die Corona-Pandemie hat die Arbeit des Vereins vor große Herausforderungen gestellt. Einhergehend mit den Schulschließungen im März konnten auch keine Trauergruppen mehr durchgeführt werden. Für die betroffenen Familien war das eine extreme psychische Herausforderung. „Den Verlust eines sehr nahen Angehörigen zu verarbeiten ist schon an sich eine Extremsituation –  in Verbindung mit sozialer Isolation und zahlreichen Einschränkungen ein wahrer Kraftakt. Zum Glück konnten wir nach acht Wochen wieder mit unserer Arbeit beginnen - sehr viel länger hätte der Lockdown nicht dauern dürfen. Die Familien waren noch dankbarer, dass ihre Kinder endlich wieder Unterstützung erfahren“, erzählt Katrin Gärtner.

Mit der großen Nachfrage und dem Wachstum des Vereins geht auch einher, dass eine Vereinsarbeit ausschließlich im Ehrenamt nicht mehr darstellbar ist. Gerade beim Thema Trauerbegleitung ist kurzfristige Hilfe notwendig, und ein langfristig gesicherter finanzieller Rückhalt wäre ein großer Schritt nach vorn. Aber ans Aufgeben hat Katrin Gärtner noch nie gedacht: „Regelmäßig berührt es mich sehr, wenn ich Kinder und Jugendliche begleite und in ihren traurigen Augen irgendwann Zukunft blitzen sehe - ein kleines Leuchten, welches es lange nicht gab. Das sind die Momente, für die ich meine Arbeit liebe.“

www.wolfstraene.de