Ausgezeichnet

Endlich das Schweigen brechen

Für die Opfer sexualisierter Gewalt ist es meist eine enorme Hürde sich ihrem Umfeld anzuvertrauen und über ihre traumatischen Erfahrungen zu sprechen. Studien belegen, dass es betroffenen Männern besonders schwerfällt, sich zu öffnen und Hilfe zu suchen. 

Etwa Fünf Prozent der männlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland wurden als Kinder sexuell missbraucht – das ergab ein Studienprojekt der Universität Regensburg 2018. Die Dunkelziffer ist schwer zu erfassen. Die Beratungsstelle für Betroffene Männer sexueller Gewalt des Nino e. V. widmet sich Männern, die in ihrer Kindheit Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch gemacht haben.  

Gegründet wurde der Verein von Angehörigen und Freunden, welche sich intensiv mit der Thematik Missbrauch beschäftigt haben und über lange Zeit den Betroffenen in ihrem Umfeld zur Seite standen. Viele Engagierte kennen die Aussichtslosigkeit bei der Suche nach Hilfe. Die Gründer des Vereins treffen sich alle sechs bis acht Wochen sowie nach Bedarf zur Reflexion und zu gegenseitigen Supervisionen. 

Das Projekt des Vereins Nino e. V. stellt dabei von Anfang an die Handlungsfähigkeit in den Vordergrund: Die Beratung durch Betroffene und der Besuch einer Selbsthilfegruppe ist aus Sicht des Vereins oft nur der erste Schritt und kann eine gute Begleitung auf dem Weg in eine Therapie oder nach einer Therapie sein. Die Engagierten helfen auch bei Anträgen oder begleiten zu Behörden und Ämtern. Außerdem dient der Verein als Ansprechpartner für Angehörige von Betroffenen. Ein weiterer Aspekt ist die Aufklärung der Gesellschaft über die falsche Annahme, dass Männer stark genug seien, sich zu wehren und die Folgen sexualisierter Gewalt zu bewältigen.  

2019 wurde die Beratungsstelle für Betroffene Männer sexueller Gewalt des Nino e. V. mit dem Preis “startsocial – Hilfe für Helfer” ausgezeichnet. Startsocial ist ein bundesweiter Wettbewerb zur Förderung des ehrenamtlichen sozialen Engagements und steht unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Das Projekt wurde außerdem für den Deutschen Engagementpreis 2020 nominiert. 

Zur Website des Projekts

Zur Website des Preises

Zurück zur Übersicht