Ausgezeichnet

Recht auf Information

Die drei Ärztinnen Kristina Hänel, Natascha Nicklaus und Nora Szász informieren auf ihrer Website darüber, dass sie Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Trotz Anfeindungen und Anzeigen entfernten sie die Information nicht von ihrer Homepage und haben einen neuen Gesetzesentwurf zur Änderung des Paragraphen 219a angestoßen. Für ihr beharrliches Engagement für das Informationsrecht von Frauen erhielten sie den Anne-Klein-Frauenpreis 2019 der Heinrich Böll Stiftung.   

Der Paragraph 219a im Strafgesetzbuch stellt die „Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft“ unter Strafe. Aus diesem Grund wurde Christina Hänel, Allgemeinmedizinerin aus Gießen, 2017 zu einer Geldstrafe von 6.000 Euro verurteilt. Auch die beiden Gynäkologinnen Nora Szász und Natascha Nicklaus standen im Sommer 2018 vor Gericht, weil sie auf ihrer Website darüber informieren, Schwangerschaftsabbrüche vorzunehmen. Doch die drei Medizinerinnen knickten vor den wiederkehrenden Anfeindungen und Anzeigen nicht ein, sondern engagierten sich stattdessen öffentlich für das Informationsrecht von Frauen. Ihre Fälle führten zu einer Welle der Unterstützung von feministischer Seite und brachten mehrere tausend Menschen für die Abschaffung des Paragraphen 2019a auf die Straße. 2018 stieß ihr Einsatz schließlich einen Gesetzesentwurf zur Änderung des Paragraphen an: ab sofort dürfen Ärztinnen und Ärzte darüber informieren, dass sie den Eingriff durchführen, für weitergehende Informationen müssen sie jedoch weiterhin auf Beratungsstellen verweisen.Kristina Hänel, Natascha Nicklaus und Nora Szász entschieden sich gegen den leichten Weg und haben mit ihrem Engagement wichtige Debatten angeregt und Veränderungen in Gang gebracht.

Mit dem Anne-Klein-Frauenpreis fördert die Heinrich Böll Stiftung jedes Jahr Frauen, die sich durch herausragendes Engagement für die Verwirklichung von Geschlechterdemokratie auszeichnen. Anne Klein hat als kämpferische Juristin und offen lesbisch lebende Politikerin feministische Pionierarbeit geleistet.


Über die Preisträgerinnen

Zur Website des Preises

Zurück zur Übersicht