Das gute Beispiel

Mutbürger für die Energiewende

EngagementGeschichte Bürgerwerke eG

Eine erneuerbare, regionale, unabhängige Energieversorgung in Bürgerhand – das ist die Vision der Gemeinschaft der Bürgerwerke eG. Für ihr Engagement sind sie 2017 mit dem Deutschen Engagementpreis in der Kategorie „Leben bewahren“ ausgezeichnet worden. Angefangen hat alles mit einem 18-jährigen Schüler und der festen Überzeugung, den Energiebedarf ausschließlich aus erneuerbaren Energien gewinnen zu können. Mittlerweile machen die Bürgerwerke den Energiekonzernen echte Konkurrenz.

Um ihre Vision einer  Energieversorgung in Bürgerhand zu erreichen, haben sich mittlerweile 89 Energiegenossenschaften mit über 15.000 Mitgliedern aus ganz Deutschland zu den Bürgerwerken zusammengeschlossen. Unter dem Dach der Bürgerwerke setzen sie Projekte um, die für den Einzelnen vor Ort nicht möglich sind. Seit 2014 versorgen die Bürgerwerke als Dachgenossenschaft Haushalte und Gewerbetreibende mit Bürgerstrom aus Solar-, Wind- und Wasserkraft, der ausschließlich in Deutschland produziert wird. Jede Bürgerin und jeder Bürger kann durch die Beteiligung an Bürgerenergieanlagen oder den Bezug von Bürgerstrom Teil der Gemeinschaft werden und seine eigene Energieversorgung mitgestalten. Die Bürgerwerke sind der einzige Stromversorger, der sich vollständig in Hand von Energiegenossenschaften befindet. Die Wertschöpfung bleibt somit bei den aktiven Menschen vor Ort, die sich für den Klimaschutz einsetzen.

Die Vision: Eine erneuerbare Energieversorgung in Bürgerhand

Die Gewinne aus der Stromversorgung kommen den lokalen und zum Großteil ehrenamtlich organisierten Bürgerenergiegenossenschaften zugute, die diese Einnahmen in hauptamtliches Personal und neue Projekte investieren können. Auf diese Weise betreibt die Bürgerwerke-Gemeinschaft nicht nur aktiven Klimaschutz, sondern fördert auch das zivilgesellschaftliche Engagement für die Energiewende von unten. Im letzten Jahr wurden die Bürgerwerke für ihr Engagement mit dem Deutschen Engagementpreis in der Kategorie „Leben bewahren“ ausgezeichnet.

Von der Idee beim Schülerprojekt zum Konkurrenten für die Energiekonzerne

Angefangen hat alles mit einer Hausarbeit für die Schule. Der damals 18-jährige Oberstufenschüler Felix Schäfer wollte herausfinden, ob der Energiebedarf seiner Heimatregion Bad Dürkheim ausschließlich aus erneuerbaren Energien gedeckt werden kann. Davon war er überzeugt und fing an, selbst aktiv zu werden, Gelder zu sammeln und auf dem Dach der benachbarten Realschule eine Bürgersolaranlage zu installieren, die bis heute die Schule mit Strom versorgt. Das war für Schäfer die Initialzündung. Denn als er nach seinem Abitur 2009 für ein Physik-Studium nach Heidelberg ging, gründete er zusammen mit Kommilitonen eine Energiegenossenschaft und errichtete auf dem Dach der Pädagogischen Hochschule eine Photovoltaikanlage. Das Ziel fortan: Die ganze Region mit Strom aus Bürgeranlagen zu versorgen. Um dem Bürgerstrom auch an die Endverbraucher liefern zu können, schloss sich die Heidelberger Energiegenossenschaft mit anderen Energiegenossenschaften zusammen – die Geburtsstunde der Bürgerwerke im Dezember 2013.

Die Energiewende kann nur mit Bürgerbeteiligung gelingen

Gerade am Anfang galt es sehr viel Überzeugungsarbeit zu leisten – bei Energiegenossenschaften, aber auch bei den ersten Stromkunden. „Viele Menschen können sich einen Wechsel zu einem echten Ökostromanbieter wie den Bürgerwerken zwar gut vorstellen, ein Anbieterwechsel findet aber nur selten spontan statt. Das hat am Anfang viel Zeit und Kraft gekostet. Allerdings ist es danach umso schöner, wenn eine sehr aktive Energiebürger-Gemeinschaft wie bei den Bürgerwerken zusammenhält und Freunde, Verwandte und Nachbarn ebenfalls von einem Wechsel begeistert. Das ist klasse, so kann die Wertschöpfung direkt zu den lokalen Genossenschaften und damit in Energiewende-Projekte fließen“, erzählt Christopher Holzem, Teamleiter der Energiewende-Botschafterinnen und Botschafter. Durch die Bürgerbeteiligung soll sichergestellt werden, dass die Energiewende von der Gesellschaft unterstützt und als Chance gesehen wird. Die Erfahrung der Bürgerwerke zeigt, dass der demokratische Zusammenschluss von Initiativen mit demselben Ziel trotz oder gerade wegen der hohen Diversität erfolgreich sein kann. Die Mitglieder profitieren von den Erfahrungen innerhalb des Netzwerks und erfolgreiche Projektkonzepte können unkompliziert auf andere Regionen übertragen werden.


3 Fragen an… Christopher Holzem (Teamleiter Energiewende-Botschafter):

  • Was motiviert Sie persönlich, sich zu engagieren?

An meinem 50. Geburtstag im Jahr 2040 möchte ich gerne eine kohle- und atomfreie Welt feiern. Diese Vorstellung motiviert mich sehr, sodass ich einen Großteil meiner Lebens- und Arbeitszeit genau dafür einsetze. Bei den Bürgerwerken sehe ich neben dem ökologischen, vor allem den sozialen Aspekt der Bürgerbeteiligung, der mir sehr gut gefällt.

  • Was war der bislang schönste Moment in Ihrem Engagement?

Einen der schönsten Momente habe ich erlebt, als ich zusammen mit einem Kameradrohnenpilot für einen Bürgerwerke-Film früh morgens während eines grandiosen Sonnenaufgangs unser Bürgerwindrad „Gute Ute“ aufnehmen konnte. Das war wirklich ein magischer Moment, der dazu geführt hat, dass ich inzwischen selbst sehr gerne mit einer eigenen Kameradrohne über unsere Solaranlagen fliege. Als Bürgerwerke-Team insgesamt war der Gewinn des Deutschen Engagementpreises ein großes Highlight der bisherigen Bürgerwerke-Geschichte.

  • Wenn Sie einen Wunsch frei haben, was würde Ihnen am meisten helfen in Ihrem Engagement?

Aktuell erhalten wir durch die Geschehnisse im Hambacher Forst sehr viel Aufmerksamkeit, sodass sich momentan viel mehr Menschen den Bürgerwerken anschließen als sonst üblich. Ich wünsche mir, dass diese Aufmerksamkeit lange anhält und gleichzeitig ein Start für eine Bürgerbewegung ist, die der Kohlekraft endgültig „Auf Nimmerwidersehen“ sagt.