Das gute Beispiel

Mit Big Data die Welt zum Guten verändern

CorrelAid e. V.

Ein Netzwerk junger Datenanalystinnen und -analysten möchte die Welt verändern und sagt: Die Zivilgesellschaft kann und sollte sich Big Data und moderne Datenanalyseverfahren zunutze machen. Denn darin liege enormes Potenzial, das bisher zu wenig genutzt worden sei. Doch welchen Nutzen haben gemeinnützige Organisationen überhaupt von modernen Datenanalyseverfahren und wie können sie sie für sich nutzen?

Bislang profitieren von großen Datenauswertungen vor allem große Konzerne der Privatwirtschaft mit nicht immer positiven Auswirkungen für die Gesellschaft. So hat insbesondere der Skandal um Cambridge Analytica und Facebook verdeutlicht, wie durch Verknüpfung und Auswertung persönlicher Daten, Menschen mit passgenauen Botschaften angesprochen und auch manipuliert werden können. Doch mit gezielter Datenanalyse lässt sich auch viel Gutes erreichen und die Arbeit gemeinnütziger Organisationen erleichtern, indem bessere Entscheidungen getroffen, Zielgruppen kennengelernt und Prozesse optimiert werden. Dafür fehlen bislang aber meist Ressourcen und Expertise. CorrelAid möchte das ändern. Denn gleichzeitig gibt es viele Datenanalystinnen und -analysten, die sich gerne mit ihren Fähigkeiten für die Gesellschaft einsetzen und durch Praxisprojekte ihr Wissen erweitern möchten. Was liegt also näher, als eine Plattform zu schaffen, die beide Seiten zusammenzubringt?

Mit einem interdisziplinären und deutschlandweiten Netzwerk bietet CorrelAid projektbasierte Beratung für Non-Profit-Organisationen an. CorrelAid baut dabei auf drei Säulen auf: Es nimmt in Deutschland eine Vorreiterrolle ein bei der Datenanalyseberatung von Organisationen mit sozialem Auftrag. Es vernetzt junge und engagierte Data Scientists und bietet ihnen eine Plattform, ihre Kenntnisse anzuwenden und zu erweitern. Und es möchte einen Dialog über den Wert und Nutzen von Daten und Datenanalyse für die Zivilgesellschaft anstoßen. Die ersten Projekte sind bereits erfolgreich gestartet. So hat der Verein beispielsweise Mitgliederdaten und -befragungen für den Pfadfinder- und Pfadfinderinnenbund Nord, Streetfootballworld oder Ashoka ausgewertet.

Für das Europäische Jugendparlament hat CorrelAid Vorschläge entwickelt, das Stipendienprogramm inklusiver zu gestalten. Anhand der datenbasierten Analyse konnte anhand von Unterschieden in der regionalen Verteilung identifiziert werden, wo Geld benötigt wurde, und dadurch noch gezielter benachteiligte Regionen gefördert werden. „Wichtig ist vor allem, sich Gedanken über die Wirkungslogik zu machen und sich als Organisation zu überlegen, was sie erreichen möchte, und wie sie es umsetzen möchte. Der erste Schritt ist also zu klären, welches Problem möchte ich lösen, um dann entscheiden zu können, welche Daten man erhebt und auswertet“, erklärt CorrelAids Vorstandsvorsitzender Johannes Müller.

Der 2015 in Konstanz gegründete gemeinnützige Verein CorrelAid möchte so zeigen, dass digitales Engagement mehr sein kann als Petitionen zu unterschreiben. CorrelAid besteht aus einem ehrenamtlichen Organisationsteam von 15 Leuten und einem Netzwerk von 650 ehrenamtlichen Datenanalystinnen und -analysten, das dezentral funktioniert. Das heißt, es kann jeder mitmachen – egal ob in Berlin, Rostock oder Konstanz. Mit zeitlich begrenzten Projekten ermöglicht es außerdem, sich flexibel ehrenamtlich zu engagieren und hat damit auch Manager und Unternehmensberater für eine ehrenamtliche Tätigkeit gewinnen können. Derzeit arbeitet das Netzwerk am Aufbau von Lokalgruppen, um überall in Deutschland Datendialoge vor Ort zu ermöglichen und Data Scientist mit lokalen Non-Profit-Organisationen für neue Projekte zusammenzubringen. Im November 2017 wurde CorrelAid mit dem Engagementpreis FES-Ehemalige ausgezeichnet und ist für den diesjährigen Deutschen Engagementpreis nominiert.

3 Fragen an… Johannes Müller (Vorstandsvorsitzender CorrelAid e.V.):


Was motiviert Sie persönlich, sich zu engagieren?

Ich habe gesehen, dass Daten ein enormes Potenzial haben und bin der Meinung, dass das nicht nur für Marketingzwecke genutzt werden soll. Da ich mich schon immer sozial engagiert habe, war es mein großes Anliegen, auch anderen dieses Potenzial verfügbar zu machen. Und es ist schön zu sehen, dass Engagement keine Einbahnstraße ist, wir bekommen auch sehr viel zurück und haben viel gelernt.
 

Was war der bislang schönste Moment?

Für den Verband der Debattierclubs an Hochschulen haben wir zum Projektstart ein Kickoff-Wochenende gemacht und es war faszinierend, wie Leute aus ganz unterschiedlichen Bereichen, wie Neurowissenschaft, Politik, Hochschule, Technik hochmotiviert zusammen auf ein Ziel hin arbeiten. Diese Interdisziplinarität hat eine ganz besondere Dynamik entwickelt.
 

Wenn Sie einen Wunsch frei haben, was würde Ihnen am meisten helfen in Ihrem Engagement?

Bislang habe ich das ehrenamtlich neben meinem Studium gemacht, erst seit Kurzem kann ich mich Vollzeit auf CorrelAid konzentrieren. Dennoch gibt es mehr als genug zu tun. Eine weitere finanzierte Stelle wäre daher sehr hilfreich. Gerne wollen wir den Kontakt mit Stiftungen und Non-Profit-Organisationen ausbauen.