Das gute Beispiel

Das M steht für Mut

Mutig gegen Mobbing

Marco Krüger nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er darüber berichtet, wie er einen Mitschüler schikaniert hat: „Ich wollte lustig sein und cool und kein Einzelgänger. Ich habe meinen Klassenkameraden richtig fertig gemacht.“ Später wurde er selbst Opfer von Mobbing. Ausgerechnet sein ehemals bester Freund hat ihn bei anderen schlecht geredet, Lügen über ihn verbreitet, ihn auf Social Media ausgegrenzt. „Das tat richtig weh“, erzählt Krüger. Durch das Mobbing ist er in eine Depression geraten, aus der er erst mit professioneller Hilfe wieder herausgefunden hat. In dieser Zeit ist die Idee gereift, anderen zu helfen. „Warum sollen andere das Gleiche durchmachen?“ war Krügers Antrieb.

Mobbing den Kampf ansagen

2018 gründete er gemeinsam mit Vincent Kunath den Naumburger Verein „Das M steht für Mut“, nachdem die beiden Freunde ein Jahr lang sich als private Initiative engagierten. Der Verein möchte Mobbing deutschlandweit den Kampf ansagen und sieht seine Kernkompetenz darin, Präventionsangebote in Vereinen und an Schulen zu leiten. Nebenbei betreuen die ehrenamtlichen Helfer Einzelpersonen, Eltern und Lehrer in Mobbingsituationen und begleiten diese auf ihrem weiteren Weg gegen Mobbing. Im Verein befinden sich viele ehemalige Opfer oder Täter von Mobbing, die aus ihren Schwächen Stärken entwickeln wollen. „Jeder Mensch hat es doch verdient, die gleichen Chancen im Leben zu haben. Sollten die Personen, die es aufgrund von Behinderung, Herkunft, Aussehen oder Sexualität schon schwerer haben, auch noch in der Schule zum Einzelgänger und Opfer werden? Wir finden nicht.“

Studien zeigen: Mobbing selbst in der Grundschule weit verbreitet

Mobbing ist kein neues Phänomen. Mittlerweile gibt es viele Initiativen gegen Mobbing, doch das Problem ist weiterhin groß. Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler in Deutschland schon Mobbing, Angriffe und Quälereien erlebt hat. Ein Viertel der Kinder und Jugendlichen fühlt sich an Schulen nicht sicher. Das beginnt bereits in der Grundschule, wo der Anteil der berichteten Übergriffe laut der Studie besonders hoch ist.

Krüger hat die Erfahrung gemacht, dass es ein Kreislauf zwischen Eltern, Lehrern und Schülern ist, der erst einmal durchbrochen werden muss. Die Schuld bei Mobbing liegt nicht bei einer Person. Viele Eltern wehren Kritik ab, um ihre eigenen Kinder zu schützen, die andere Kinder drangsalieren. „Das M steht für Mut“ möchte Menschen dazu zu bewegen, nicht mehr wegzusehen, sie sollen handeln. Sie veranstalten Workshops und Elternabende, appellieren an das Gewissen, und versuchen mit sachlicher Kritik ohne Vorwürfe einen Raum zu schaffen, um sich gemeinsam zuzuhören. Mit einer Partnerschule arbeiten sie jetzt im 3. Schuljahr in Folge zusammen, haben engen Kontakt zur Schulleitung und spüren die positive Resonanz.

Persönliches Engagement wird ausgezeichnet

Heute sind im Verein bundesweit über 20 Mitglieder aktiv. Der Verein lebt von seinen engagierten Mitgliedern, Marco Krüger sagt, er fahre 1-2 Wochen in den Urlaub, der Rest seines Urlaubs fließt in die ehrenamtliche Arbeit, um Projekte gegen Mobbing umzusetzen. Ende September 2018 wurden die Aktiven für ihr Engagement mit dem Publikumspreis des RTL Com.mit Award ausgezeichnet.