Das gute Beispiel

Anerkennung für freiwilliges Engagement in Deutschland: „Wir kümmern uns um die Kümmerer“

Gastbeitrag von Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey

Wir leben in einem engagierten Land. Über 30 Millionen Menschen machen sich für unsere Gesellschaft stark: in Sportvereinen, in Nachbarschaftsinitiativen, im Einsatz für die Umwelt, für Kinder, für alte Menschen, für Geflüchtete, im Katastrophenschutz – bürgerschaftliches Engagement ist so vielfältig wie unsere Gesellschaft selbst. In all dieser Vielfalt gibt es ein Wesensmerkmal, das jedes Engagement im Kern ausmacht: es ist freiwillig und unentgeltlich. Menschen, die sich engagieren, haben Teil an der Gesellschaft und geben ihren Teil, für andere und für das Gemeinwohl.

Warum engagiert sich jemand? Beobachten wir nicht, dass Menschen stärker auf sich selbst achten, leben wir nicht in einer Gesellschaft, in der jeder auf den eigenen Vorteil bedacht ist? Es lohnt sich, genauer hinzuschauen: Das freiwillige Engagement in allen Bevölkerungsgruppen nimmt zu – auch bei jungen Menschen. Fragt man die Menschen nach der Motivation für ihr Engagement, sind die meistgenannten Gründe: weil es mir Spaß macht, weil ich mit anderen Menschen zusammenkomme und weil ich so die Gesellschaft mitgestalten kann. Es ist also durchaus von Vorteil, sich freiwillig einzubringen. Und es besteht kein Widerspruch zwischen dem Wunsch, etwas für sich selbst zu tun, und dem Wir-Gefühl, das Menschen motiviert, mitzumachen, Teil von etwas Größerem zu sein, Verantwortung zu tragen und anerkannt zu werden. Engagement ist all das, und all das macht Engagement attraktiv und wertvoll.

Attraktiv und wertvoll, aber nicht selbstverständlich!

Es wichtig, den Engagierten zu zeigen, dass ihr Einsatz etwas Besonderes ist und dass sie gesehen werden. Wertschätzung und Anerkennung gehören dazu, wenn jemand freiwillig etwas für andere tut. Diese Anerkennungskultur fängt im Umfeld der Engagierten an, im Verein, in der Kirchengemeinde oder in der Initiative. Dank, Möglichkeiten der Mitbestimmung und eine gute Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen bilden gelebte Anerkennungskultur im Engagementalltag. Manche Bundesländer geben Ehrenamtskarten aus, mit denen Engagierte Vergünstigungen bekommen – ein kleines Zeichen dafür, dass die, die etwas geben, auch etwas zurückbekommen sollen.

Dann gibt es Gelegenheiten der Anerkennung außerhalb des Alltags, herausgehobene Momente der Wertschätzung, die in Erinnerung bleiben. Wenn der Bundespräsident  zum Bürgerfest einlädt oder die Bürgermeisterin beim Stadtfest Bier für die Engagierten zapft. Oder wenn man selbst oder die Gruppe, mit der man sich engagiert, einen der rund 700 Engagement- und Bürgerpreise gewinnt, die in Deutschland verliehen werden. Auf dieser ausgedehnten und ausgezeichneten Preiselandschaft beruht der Deutsche Engagementpreis als „Preis der Preise“, mit dem das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gemeinsam mit dem Bündnis für Gemeinnützigkeit, der Deutschen Fernsehlotterie und der Deutsche Bahn Stiftung herausragendes bürgerschaftliches Engagement würdigt. Zum Deutschen Engagementpreis gehört ein Publikumspreis, und es ist ein Zeichen der Wertschätzung, wenn sich viele Menschen an der Abstimmung beteiligen. Ich bitte Sie: Zeigen auch Sie den Engagierten, dass Sie ihr Engagement würdigen, und geben Sie bis zum 22. Oktober hier ihre Stimme für eins der 554 nominierten Projekte ab: www.deutscher-engagementpreis.de/publikumspreis.

Für mich als Ministerin ist es ein Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung, die Rahmenbedingungen für die Engagierten zu verbessern. Förderprogramme wie „Engagierte Stadt“ oder „Demokratie leben!“ stärken zivilgesellschaftliche Organisationen oder Netzwerke in der Kommune, die ehrenamtliches Engagement ermöglichen, begleiten und unterstützen. Ehrenamt braucht oft auch Hauptamt, um sich entfalten zu können. Mir liegt dabei an nachhaltiger Unterstützung über punktuelle, kurzfristige Projektförderungen hinaus, und mir liegt an einer Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft auf Augenhöhe. Nicht nur das Engagement, auch unsere Demokratie braucht eine starke, kritische und selbstbewusste  Zivilgesellschaft und Bürgerinnen und Bürger, die sich einbringen, mitgestalten, die sich kümmern. Ich verspreche Ihnen: Wir kümmern uns um die Kümmerer. Und wir sind ihnen dankbar für ihren Einsatz!


Dr. Franziska Giffey
Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend