Das gute Beispiel

Wo traurige, fröhliche, schöne und bewegende Momente ganz dicht beieinander liegen

Wünschewagen des ASB Kreisverband Jena e. V.

„Der Wünschewagen ist ein Ort an dem traurige, fröhliche, schöne und bewegende Momente ganz dicht beieinander liegen. Eine Chance für Menschen in ihrer letzten Lebensphase, einen Ort zu erreichen, den man zu Fuß, im Krankenbett und mit dem eigenen PKW nicht mehr erreichen kann.“ Mit diesen Worten beschreibt Inka Frisch, Geschäftsstellenleiterin des ASB-Kreisverbandes Jena, das Projekt, das todkranken Menschen einen letzten Wunsch erfüllt und damit das ermöglicht, was sonst unerreichbar wäre. Das Wunschziel bleibt dabei ganz dem Fahrgast und seinen Angehörigen überlassen: Einer schwersterkrankten Frau erfüllte das Team den großen Wunsch, zur Hochzeit ihres Sohnes fahren zu können und zusammen mit ihrer Familie diesen großen Tag feiern zu können. Eine andere Frau hatte den sehnlichsten Wunsch, ihre kleine Enkeltochter noch einmal als Schauspielerin in einem Weihnachtsmärchen in ihrer Kita zu bewundern. Der Wünschewagen machte es möglich und brachte anschließend eine sichtlich glückliche Oma zurück zu ihrer Palliativstation nach Jena. Einer anderen Dame, die in einem Hospiz lebt, ermöglichte der Wünschewagen, sich gemeinsam mit ihrem Mann einen Baum im „FriedWald Bad Berka“ als letzte Ruhestätte auszusuchen.

Ein komplett ausgebauter Krankentransportwagen garantiert eine komfortable und stressfreie Reise. Die Fahrt mit dem Wünschewagen ist kostenlos. Möglich gemacht wird das durch Spenden und etwa 15 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, die die Transporte begleiten. Viele der Helfer kommen aus dem medizinischen Bereich und werden für die Begleitung und Betreuung geschult. Belohnt werden sie mit „leuchtenden Augen bei den Fahrgästen und der Gewissheit, Menschen in einer scheinbar ausweglosen Situation Momente des Glücks und der Freude bereitet zu haben“, erläutert Inka Frisch.

Der Wünschewagen existiert als bundesweites Projekt des Arbeiter-Samariter-Bundes Deutschland seit 2014. Der Thüringer Wünschewagen ist seit Dezember 2017 auf den Straßen unterwegs. Dabei arbeitet die ehrenamtliche Initiative des Arbeiter-Samariter Bund Jena e. V. eng mit der Palliativstation der Universitätsklinik und der Hospiz- und Palliativ-Stiftung Jena zusammen. Für dieses Engagement ist der Kreisverband Jena des Arbeiter-Samariter-Bundes mit dem Ehrenamtspreis des Paritätischen Wohlfahrtverbandes (Landesverband Thüringen) ausgezeichnet und für den Deutschen Engagementpreis 2018 nominiert worden.

3 Fragen an… Inka Frisch (Geschäftsstellenleiterin Arbeiter-Samariter-Bund Kreisverband Jena e. V.):


Was motiviert Sie persönlich, sich zu engagieren?

Ich finde es traurig, dass unser umfangreiches Gesundheitssystem es nicht ermöglichen kann, Menschen in ihrer letzten Lebensphase noch einen Wunsch zu erfüllen. Palliativstationen und Hospize leisten hier sehr gute Arbeit, aber auch diese kommen an ihre Grenzen. Ich möchte bzw. wir möchten unseren Teil dazu beitragen, dass die Würde des Menschen bis an sein Lebensende erhalten bleibt, dass auch diese Personen in unserer Gesellschaft nicht vergessen werden. Jedes Feedback nach einer stattgefundenen Wünschewagen-Fahrt ist wieder neue Motivation! Die Fahrgäste und deren Angehörige oder Begleiter sind einfach nur dankbar.


Was war der bislang schönste Moment?

Der schönste Moment für mich war, dass die Oma, welche wir im Dezember zur Aufführung des Weihnachtsmärchens ihrer Enkeltochter gebracht haben, an unserer Eröffnungsveranstaltung im Februar im Planetarium in Jena teilnehmen konnte. Wir hatten sie eingeladen, aber es war nicht klar, ob sie es noch schafft bis zu diesem Tag. An diesem Tag hatte ich die Möglichkeit, mich mit ihrem Ehemann zu unterhalten. Er erzählte mir, dass die Aufführung in der Kita ein sehr schönes und zugleich emotionales Ereignis für die ganze Familie war, und dass alle sehr dankbar sind, diese Stunden erlebt zu haben.


Wenn Sie einen Wunsch frei haben, was würde Ihnen am meisten helfen in Ihrem Engagement?

Ich wünsche mir, dass sich noch mehr Menschen dazu entschließen, ehrenamtlich tätig zu werden, und uns helfen noch mehr Wünsche zu erfüllen.