Wie können Schülerinnen und Schüler eigenständig und kreativ ein Zeichen gegen Rassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung setzen? Ein gutes Beispiel hierfür ist das Projekt „Spurensuche - Tagebuch der Gefühle“. Schülerinnen und Schüler klären über die Verbrechen des Nationalsozialismus auf, besuchen Orte des Gedenkens und schreiben ihre Eindrücke und Gefühle auf. Statt nur ein Geschichtsbuch zu lesen, recherchieren die Teilnehmenden selbst und nehmen Kontakt zu Überlebenden auf, um den Spuren deportierter Familien zu folgen.  

Der Lehrer Andreas Drose beobachtete, dass bei vielen seiner Schülerinnen und Schüler noch immer Wissenslücken oder Desinteresse bestehen, was die Wiederbeschäftigung mit der Thematik Holocaust und Nationalsozialismus betrifft. Daher kam die Idee auf, neben dem Geschichtsunterricht noch ein Projekt ins Leben zu rufen.Im Tagebuch der Gefühle können die Jugendlichen in ihren eigenen Worten festhalten, welche Gefühle und Gedanken der Besuch von Gedenkstätten, Zeitzeugengespräche und Recherche in ihnen auslösen. Bei einem Aufenthalt in Auschwitz entstanden zudem kurze Videos für den Youtube-Kanal, um Menschen in ganz Deutschland zu erreichen. Damit stoßen die Teilnehmenden eine Auseinandersetzung mit der systematischen Ermordung der europäischen Minderheiten, insbesondere dem Judentum, an.  

Eine Besonderheit an diesem Projekt ist das solidarische, gemeinsame Lernen. So kommen Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Bildungseinrichtungen zusammen und erweitern nicht nur ihr eigenes Wissen, sondern tragen es durch die sozialen Medien und das Tagebuch weiter. Außerdem bieten die Projektteilnehmenden Lesungen in Schulklassen an, wodurch das Thema auf eine neue Art vermittelt wird. Statt Frontalunterricht findet hier ein Austausch zwischen Schülerinnen und Schülern statt. Nicht selten führen die Lesungen zu Diskussionen. 

Ein weiterer Aspekt des Projekts sind die regionalen Kooperationen. So kontaktieren die Teilnehmenden verschiedene Institutionen wie zum Beispiel die jüdische Gemeinde, den Zeitgeschichten e.V., die Gedenkstätte Roter Ochse oder das Stadtarchiv, um dort Führungen zu machen oder Unterstützung bei ihren Recherchen zu erhalten. Zeitungsberichte in überregionaler und regionaler Presse haben das Projekt auch bei der älteren Zielgruppe bekannt gemacht. Sogar das US-Konsulat aus Leipzig ist auf das Projekt aufmerksam geworden und unterstützt dieses finanziell. 

Diese wichtige Initiative im Sinne einer lebendigen Erinnerungskultur erhielt 2020 den freistil JugendEngagementPreis Sachsen-Anhalt. Bei diesem Preis werden junge Menschen, die sich gesellschaftlich engagieren, ausgezeichnet. Zudem war „Spurensuche - Tagebuch der Gefühle“ 2020 für den Deutschen Engagemenpreis nominiert.  

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