Preisverleihung 2014

Ausgezeichnet - Die Preisträger des Deutschen Engagementpreises 2014

Sechs strahlende Preisträgerinnen und Preisträger nahmen am 5. Dezember im Konzerthaus in Berlin den Deutschen Engagementpreis entgegen. Verliehen wurde der Preis in den Kategorien Einzelperson, Gemeinnütziger Dritter Sektor, Politik & Verwaltung, Wirtschaft, der diesjährigen Schwerpunktkategorie "Miteinander der Generationen" und der Kategorie Publikumspreis, die das bürgerschaftliche Engagement in all seiner Vielfalt zeigen. Bereits zum sechsten Mal wurde die Auszeichnung in Anwesenheit von rund 400 Gästen und zahlreichen Engagierten überreicht. Prominente Laudatorinnen und Laudatoren aus Politik, Wirtschaft, Kultur und den Medien begleiteten die Feierlichkeiten auf der Bühne und ehrten die Preisträgerinnen und Preisträger.

Foto: Marc Darchinger

Im Anschluss an die Begrüßung durch die charmante Moderatorin Miriam Pielhau eröffnete die Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig den Nachmittag mit einer Rede, in der sie das Vertrauen und die Wertschätzung gegenüber engagierten Menschen in den Vordergrund stellte und betonte, dass Engagement nicht staatlich zu verordnen sei. Zudem kündigte sie die Neuausrichtung des Deutschen Engagementpreises ab 2015 an.

Kategorie Wirtschaft

Foto: Marc Darchinger

Musiker der Beatboxshow Die Razzzones heizten danach dem Publikum mit ihrem Mix aus Sounds und Rhythmen ein, so dass die Verleihung des ersten Preises in der Kategorie Wirtschaft schwungvoll über die Bühne ging. Die Auszeichnung erhielt der hessische Elektrotechnik-Hersteller JÄGER DIREKT Jäger Fischer GmbH & Co KG für sein soziales Engagement bei der Verbesserung von Bildungs- und Zukunftschancen von Kindern und Jugendlichen. Laudatorin und Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin Professorin Jutta Allmendinger würdigte begeistert den Einsatz des Unternehmens in der gezielten Talentförderung junger, und häufig benachteiligter, Menschen.

Kategorie Einzelperson

Foto: Marc Darchinger

Nach einem poesievollen Auftritt der Pantomime-Darsteller Bodecker & Neander erhielt Helga Rohra in der Kategorie Einzelperson den Deutschen Engagementpreis für ihr unermüdliches und unerschrockenes Engagement in der Demenzhilfe. Obwohl sie selbst mit der Diagnose Demenz lebt, hilft sie nicht nur anderen Demenzbetroffenen, sondern informiert über die Krankheit und setzt sich öffentlich für ein neues Bild der Demenzbetroffenen in der Gesellschaft ein. Laudatorin Sophie Rosentreter, die seit Jahren mit der Preisträgerin gemeinsame Projekte in der Demenzaufklärung macht, zeigte sich beeindruckt vom Einsatz der Gewinnerin.

Dietmar Meister, Vorstandsvorsitzender der Generali Deutschland Holding AG und mit dem Generali Zukunftsfonds langjähriger Förderer des Deutschen Engagementpreises, betonte, wie wichtig ein solidarisches Miteinander der Generationen in einer immer älter werdenden Gesellschaft ist. Denn, wie er hervorhob, "spätestens wenn die in den 1960er Jahren geborenen, sogenannten "Babyboomer" in Rente gehen, wird deutlich spürbar werden, wie ungleichmäßig sich die Altersgruppen in der Bevölkerung verteilen."

Schwerpunktkategorie „Miteinander der Generationen“

Foto: Marc Darchinger

Dr. Henning Scherf, Bürgermeister a.D. der Hansestadt Bremen, veranschaulichte in seiner Laudatio auf den Preisträger der diesjährigen Schwerpunktkategorie „Miteinander der Generationen“, die Generationsbrücke Deutschland, wie wichtig die Verständigung zwischen den Generationen ist, um junge wie alte Menschen gleichermaßen zu bereichern. Das erste generationenübergreifende Sozialunternehmen Deutschlands führt Kinder und Jugendliche mit älteren Menschen in Pflegeheimen zusammen. Mittlerweile wird das Begegnungskonzept in acht Bundesländern

Kategorie Dritter Sektor

Foto: Marc Darchinger

Vor der Ehrung in der Kategorie Dritter Sektor begeisterte der Jazztrompeter Claus Stötter das Publikum mit seinem improvisierten Auftritt. Der Preisträger in der Kategorie, das Maximilian-Kolbe-Werk, fördert seit Jahren das Zusammentreffen von KZ-Überlebenden mit Schülerinnen und Schülern an sächsischen Schulen. In persönlichen Gesprächen berichten die Zeitzeugen von Verbrechen der Deutschen im Zweiten Weltkrieg. Ein außerordentlich wichtiges Engagement für unsere demokratische Gesellschaft, wie auch Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig in ihrer Laudatio betonte.

Kategorie Politik & Verwaltung

Foto: Marc Darchinger

Berlinernd brachte die Kabarettistin Cloozy den Saal zum Lachen und leitete so humorgeladen in die Preisverleihung der Kategorie Politik & Verwaltung über. Hier wurde das Projekt Lesementoring der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover ausgezeichnet. Seit über zehn Jahren wird das Projekt, bei dem jugendliche Coaches Grundschulkindern Spaß am Lesen vermitteln, erfolgreich von der Stadtverwaltung umgesetzt. Die Weitergabe des Projekts an andere Orte gefiel insbesondere auch der Laudatorin dieser Kategorie, Nachrichtensprecherin Susanne Daubner.

Publikumspreis

Foto: Marc Darchinger

Der Kinderchor "Gospel-Kids" begeisterte das Publikum vor der Preisüberreichung an den mit Spannung erwarteten Sieger des mit 10.000 Euro dotierten Publikumspreises. Diesen erhielt der Verein Der Kleine Nazareno e. V., ein Straßenkinderprojekt in Brasilien. Mit mehr als 10.700 Stimmen ging die Organisation im öffentlichen Online-Voting als klarer Sieger hervor. Der Verein, gegründet von den Brüdern Bernd und Werner Rosemeyer, erhielt die gute Nachricht durch Kristina Läsker, Korrespondentin der Süddeutschen Zeitung und genaue Beobachterin zivilgesellschaftlicher Themen.

Die anwesenden Finalistinnen und Finalisten des Online-Votings erhielten nach Ende der Veranstaltung durch den Sprecher des Bündnisses für Gemeinnützigkeit, Professor Dr. Hans Fleisch, Urkunden überreicht. Beim Empfang im Anschluss der Veranstaltung wurden bei ausgelassener Stimmung die Preisträgerinnen und Preisträger des Deutschen Engagementpreises 2014 gefeiert.

 

Finalisten des Online-Votings 2014 (PDF, 187 kB)

Bildergalerie der Preisverleihung
Foto: Marc Darchinger
Preisträger des Publikumspreises 2014: Werner Rosemeyer/Der Kleine Nazareno mit Laudatorin Kristina Läsker
Foto: Marc Darchinger
Preisträger in der Schwerpunktkategorie "Miteinander der Generationen": Generationsbrücke Deutschland mit Bundesministerin Schwesig
Foto: Marc Darchinger
Dietmar Meister, Vorstandsvorsitzender der Generali Deutschland Holding AG im Gespräch mit Miriam Pielhau
Foto: Marc Darchinger
Stadt Hannover mit Laudatorin Susanne Daubner
Foto: Marc Darchinger
JÄGER DIREKT mit Laudatorin Prof. Jutta Allmendinger: Preisträger in der Kategorie Wirtschaft.
Foto: Marc Darchinger
Maximilian-Kolbe-Werk mit Laudatorin Manuela Schwesig: Preisträger in der Kategorie Dritter Sektor
Foto: Marc Darchinger
Helga Rohra mit Laudatorin Sophie Rosentreter und Moderatorin Miriam Pielhau: Preisträgerin in der Kategorie Einzelperson
Foto: Marc Darchinger
Eröffnungsrede von Manuela Schwesig, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Porträts der einzelnen Preisträgerinnen und Preisträger

Foto: Pietro Sutera

Kategorie Wirtschaft: JÄGER DIREKT Jäger Fischer GmbH & Co KG

"Unser Unternehmen verbindet soziales Engagement mit der Chance, Fachkräfte von morgen zu gewinnen. Nur mit Qualifizierung und hohen Bildungsstandards und Chancen für ALLE können wir die Herausforderungen der Zukunft meistern."

Schule fertig - und dann? Jahr für Jahr verlässt ein Großteil der Schülerinnen und Schüler die Schule ohne konkrete Berufsvorstellungen. Zugleich entwickelt sich der Fachkräftemangel zusehends zu einer sozialen und ökonomischen Herausforderung. Der hessische Elektrotechnik-Hersteller Jäger Direkt schaut bei dieser gesellschaftlichen Entwicklung nicht tatenlos zu und engagiert sich seit 2003 für eine bessere Bildung und bessere Zukunftschancen für Kinder und Jugendliche: in Schulen, in der Region und im Unternehmen.

2003 war das mittelständische Unternehmen Mitinitiator des Projekts "Talent Company", das Brücken zwischen Schulen und Unternehmen schlägt und mithilfe von Workshops und gezielter Talentförderung das Selbstwertgefühl junger Menschen stärkt und sie in ihrer Berufsorientierung unterstützt.

Die Langfristigkeit und Nachhaltigkeit des sozialen Engagements von Jäger Direkt zeigte sich in der Gründung und Zustiftung zur Strahlemann-Stiftung im Jahr 2008. Unter dem Dach der Stiftung wurde ein aktives Bündnis geschlossen, das die Idee der "Talent Company" verbreitet und Jugendliche bundesweit beim Start ins Berufsleben begleitet. Bereits zehn Talent Companys wurden eröffnet.

Foto: Helga Rohra

Kategorie Einzelperson: Helga Rohra

"Ich bin dement. Na und? Früher habe ich Sprachen gedolmetscht, heute dolmetsche ich die Gedanken und Gefühlswelten von uns für die Menschen ohne Demenz."

Helga Rohra war 54, als sie die Diagnose Demenz erhielt. Ein Schock, den sie erst einmal überwinden musste. Doch anstatt sich zurückzuziehen, beschloss sie die ihr verbleibende Zeit zu nutzen, um andere über Demenz zu informieren und sich für ein neues Bild von Demenzbetroffenen in der Gesellschaft einzusetzen. Ein Bild, das nicht von den krankheitsbedingten Defiziten geprägt ist, sondern von den Ressourcen, die diesen Menschen zur Verfügung stehen.

Mittlerweile ist Helga Rohra eine international anerkannte Demenzaktivistin. Sie ist Vorstandsmitglied von Alzheimer Europe, hält Vorträge auf Kongressen und Fachtagungen, spricht mit Journalisten, mit Pflegekräften, Ärzten, Angehörigen und Betroffenen. Ihr erstes Buch "Aus dem Schatten treten - Warum ich mich für unsere Rechte als Demenzbetroffene einsetze" erschien 2010, an einem zweiten arbeitet sie schon. Ihre eigene Stiftung, die Helga-Rohra-Dementia-Foundation, ist im Aufbau.

Foto: Generationsbrücke Deutschland

Schwerpunktkategorie "Miteinander der Generationen": Generationsbrücke Deutschland

"Was Pflegeheimbewohner wirklich glücklich macht sind soziale Betreuungsangebote, die Wertschätzung, Zuneigung und Herzenswärme zum Ausdruck bringen - und es sind vor allem auch Kinder."

Brücken schlagen zwischen Jung und Alt - der Name ist bei der Generationsbrücke Deutschland Programm. Seit 2009 führt das erste generationenübergreifende Sozialunternehmen Deutschlands Kinder und Jugendliche mit älteren Menschen in Pflegeheimen zusammen. Sie singen, tanzen oder spielen miteinander, teilen Erfahrungen und schenken einander Zuneigung. Bei den Pflegebedürftigen verwandeln sich traurige in fröhliche Gesichter; bei den Kindern schwinden Unsicherheit und Schüchternheit und werden durch ein gestärktes Selbstwertgefühl und Freude über das Erlebte ersetzt.

Das Begegnungskonzept der Generationsbrücke Deutschland wird mittlerweile durch 30 Kooperationspartner in acht Bundesländern kompetent umgesetzt. Ziel ist eine bundesweite Skalierung des Konzeptes und die nachhaltige Implementierung in den Schulunterricht. Auch als gesellschaftlicher und politischer Rat- und Ideengeber für ein gelingendes Zusammenbringen von Jung und Alt will die Generationsbrücke in Zukunft noch stärker auftreten und so ihre Vorreiterrolle im Miteinander der Generationen ausbauen.

Foto: Maximilian-Kolbe-Werk e. V.

Kategorie Dritter Sektor: Maximilian-Kolbe-Werk e. V.

"Nur wer die Vergangenheit kennt, kann in einem immer stärker zusammenwachsenden Europa die Gegenwart und Zukunft politisch und sozial gestalten."

Seit 2006 fördert das Maximilian-Kolbe-Werk in Kooperation mit dem sächsischen Staatsministerium für Kultus zahlreiche Zusammentreffen von KZ-Überlebenden und Schülern sächsischer Schulen. In persönlichen Gesprächen mit den Zeitzeugen aus Polen und anderen Ländern erfahren die Schüler aus erster Hand über die Verbrechen, die von Deutschen und in deutschem Namen in der Zeit des Zweiten Weltkriegs verübt wurden.

Die Begegnung mit den Menschen, die den Nationalsozialismus miterlebt haben, machen die Geschichte für junge Menschen begreifbarer und persönlicher. Gerade in Regionen, die stark unter dem Einfluss rechtsextremer Strömungen stehen, kommt diesem Projekt besondere Bedeutung zu.

Die Zeitzeugengespräche bringen verschiedene Generationen und unterschiedliche Nationen zusammen und ermöglichen ein gegenseitiges Voneinander-Lernen. Weit über 15.000 Jugendliche hat das Projekt bisher erreicht und dabei eine klare Botschaft vermittelt: "Was damals passiert ist, darf nie wieder geschehen".

Foto: privat

Kategorie Politik & Verwaltung: Landeshauptstadt Hannover - Projekt Lesementoring

"Jugendliche fördern Kinder - und alle haben etwas davon!"

Wie kann man Grundschulkindern Spaß am Lesen vermitteln? Indem man sie mit jugendlichen Coaches zusammenbringt! Diese sind ideale Vorbilder: Älter und erfahrener, aber jung und "cool" genug, so dass sich die Kleinen mit ihnen identifizieren. Ein Konzept, das aufgeht: Seit über zehn Jahren wird das Projekt Lesementoring erfolgreich von der Stadtverwaltung Hannover umgesetzt. Lesementoring verfolgt drei zentrale Ziele: die Steigerung der Lesemotivation und Lesekompetenzen bei Kindern, die Förderung der sozialen und kulturellen Schlüsselkompetenzen von Jugendlichen sowie die Vernetzung der Bildungspartner.

Dank guter Partnerschaft der Stadtteilkultureinrichtungen, der Stadtbibliothek und der Schulen ist das Projekt in zahlreichen Stadtteilen Hannovers fest verankert. Rund 1.000 Jugendliche haben bisher als Lesementoren gearbeitet und für ihre ehrenamtliche Tätigkeit den "Kompetenznachweis Kultur" erhalten. Etwa 3.000 Kinder haben ihre Lesefähigkeiten verbessert. Die Stadt Hannover gibt dieses erfolgreiche Projektkonzept und -know-how seit fünf Jahren auch an andere Orte weiter: Bereits in zehn niedersächsischen Kommunen gibt es Lesementoring-Standorte und ein landesweites Netzwerk, in dem ein reger Erfahrungsaustausch stattfindet.

Foto: Der Kleine Nazareno e. V.

Kategorie Publikumspreis: Der Kleine Nazareno e. V.

"Jedes der Straßenkinder ist einzigartig und dennoch haben sie alle etwas gemeinsam: die Vergangenheit auf der Straße und den Traum später einmal ihren eigenen Kindern ein besseres Zuhause zu geben."

Der Grundstein für den Verein Der Kleine Nazareno e. V. wurde Ende der 80er Jahre gelegt. Damals besuchte Werner Rosemeyer seinen Bruder Bernd, der als Franziskaner-Bruder nach Brasilien gegangen war und dort eine kleine Gruppe Straßenkinder mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgte. Entsetzt von der Situation der Kinder, begann Werner Rosemeyer in Deutschland Spenden zu sammeln, um das Engagement seines Bruders zu unterstützen.

Aus der einstigen Spendenaktion ist heute die größte Hilfsorganisation für Straßenkinder in Brasilien geworden, die Bernd und Werner Rosemeyer gemeinsam von Brasilien und Deutschland aus leiten. Die Erfolge des Kleinen Nazareno e. V. sprechen für sich: In drei Kinderdörfern des Kleinen Nazareno e. V. finden Straßenkinder ein zu Hause und erhalten eine Schul- und Berufsausbildung. Über 600 Kinder erhielten dadurch bisher die Chance auf ein menschenwürdiges Leben.162 Kinder und Jugendliche werden jährlich von Sozialarbeitern auf der Straße betreut. Darüber hinaus hat Bernd Rosemeyer Ende 2005 im brasilianischen Senat die nationale Kampagne "Kinder gehören nicht auf die Straße" ins Leben gerufen, die zu einem Netzwerk aus 600 Organisationen herangewachsen ist.

Foto: Deutscher Engagementpreis / Marc Darchinger