Dorothea Ziemer-Riener
Foto: KASSANDRA e. V.
Publikumspreis 2020

Dorothea Ziemer-Riener

Organisation: KASSANDRA e. V.
Name: Dorothea Ziemer-Riener
Ort: Nürnberg
Webseite: www.kassandra-nbg.de
Nominiert von: Luise Kiesselbach Preis

Als erste Vorständin des Vereins KASSANDRA e.V. möchten wir Dorothea Ziemer-Riener für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement mit dem Deutschen Engagement Preis ehren: Schon seit ihrer Kindheit war für sie die Gleichwertigkeit aller Menschen selbstverständlich. Da Frau Ziemer-Riener Ungerechtigkeit nicht ertragen konnte, setzte sie mich stets für Schwächere ein. Dementsprechend ergriff sie einen sozialen Beruf. Zwischen 1994-2008 war sie in der Beratungsstelle KASSANDRA als Sozialarbeiterin mit dem Schwerpunkt Streetwork tätig. KASSANDRA e.V. ist ein gemeinnützig anerkannter Verein, der sich seit 1987 für die Rechte von Prostituierten, deren gesetzliche Gleichstellung mit anderen Erwerbstätigen und die gesellschaftliche Anerkennung von Sexarbeiter*innen einsetzt. Durch ihre aufsuchende Arbeit im Nürnberger Rotlicht-Milieu kam Dorothea Ziemer-Riener auch mit der deutschlandweiten Hurenbewegung Kontakt. Sie registrierte die schwierigen Arbeitsbedingungen an der Frauentormauer, der Nürnberger Bordellstraße: Durch die Öffentlichkeit der Straße wurden Sexarbeiter*innen immer wieder von Schaulustigen & fotografierenden Neugierigen belästigt und in ihrer Arbeit behindert. „Die Straße war schlecht beleuchtet, was Übergriffe auf die Sexarbeiterinnen begünstigte.“ Im Sinne eines partizipativen und empowernden Arbeitsansatzes führte sie eine Umfrage durch, um die Wünsche der dort arbeitenden Frauen bzgl. der Verbesserung ihrer Arbeitssituation zu erfassen. Auf dieser Grundlage setzte sich Dorothea Ziemer-Riener im Arbeitskreis ‚Rotlicht‘ für diese Belange ein. Infolgedessen wurden Hinweisschilder installiert, die Beleuchtung verbessert und eine verkehrsberuhigte Zone geschaffen. Um die Selbstbestimmung zu fördern führte sie zudem Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskurse für Sexarbeiter*innen und Sicherheitschecks in den Appartements und Arbeitszimmern durch. Durch diese Maßnahmen verbesserte sich die Arbeitssicherheit für Sexarbeitende sehr. Im Sinne von Toleranz, Offenheit und Vielfalt unterstützt(e) die jetzt erste Vorständin auch heute noch maßgeblich die Entwicklung KASSANDRAs hin zu einer Organisation, deren Expertise regelmäßig deutschlandweit angefragt wird. Ziel des Vereins - und auch von ihr selbst – ist, dass Menschen in der Sexarbeit mit Respekt behandelt werden und der Wert ihrer Arbeit für die Gesellschaft anerkannt wird. Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen für Sexarbeit müssen so gestaltet werden, wie für andere Berufstätigkeiten auch.