Joseph Oertel
- Ansprechpartner:in: Joseph Oertel
- Organisation: Sea-Watch e.V.
- Themen: Europa und Internationales, Geschlechtergerechtigkeit, Gesundheit, Integration und Diskriminierung, Bürger- und Menschenrechte, Soziales, Demokratie und Partizipation, Unfall- und Rettungswesen
- Zielgruppen: Ältere Menschen, Kinder und Jugendliche, hilfe- oder pflegebedürftige Menschen, Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen mit Behinderungen, finanziell oder sozial schlechter gestellte Menschen, Frauen, Männer, LGBTQI+
- Ort: Waldkirch
Wir hören nicht auf, solidarisch an der Seite von Menschen auf der Flucht zu stehen. Wir schauen dorthin, wo es wehtut, damit aus der Grausamkeit wieder Menschlichkeit wird.
Ziel der Einsätze über dem Mittelmeer ist es als ziviles Auge Transparenz über die Situation im Mittelmeer zu schaffen und Verantwortung zu übernehmen für das, was gesehen wird. Aus den gesammelten Informationen wird die Presse informiert, Gerichtsverfahren formuliert, und die politische Arbeit anderer Akteur*innen unterstützt. Das hat einen nachhaltigen, langfristigen politischen Wandel zum Ziel und ist eine Form des Protests gegen ein bestehendes System, in dem wöchentlich Menschen ertrinken. Die Einsätze dauern mehrere Tage und an einem Tag ist Joseph oft bis zu 9 Stunden im Einsatz. Vor dem Flug analysiert er das Wetter (z.B. Wind, Wellen), holt Informationen über gemeldete Seenotfälle ein, und bespricht mit den Piloten die Flugroute. Während des Fluges ist Joseph dann mit vielen Aufgaben gleichzeitig beschäftigt (Anpassungen der Flugroute, Einschätzungen der Stabilität von Booten, Priorisierungen von Seenotfällen, Funk mit Handels-/ und Rettungsschiffen, Kommunikation mit der Bodenstation, Protokoll über Ereignisse, Entscheidung über Strategien, falls ein Boot kentert). Nach den Flügen evaluiere Joseph mit dem Team die Einsätze und checkt, ob nach traumatisierenden Einsätzen alle emotional noch stabil sind. Im Versuch jeden Tag vom Jahr einsatzbereit zu sein, rotiert eine Gruppe von ca. 8 Personen in der Position der Einsatzleitung durch. Leider ist es sehr schwierig engagierte Menschen für diese Position zu trainieren, da die Anforderung an Resilienz gegen Stress und Traumatisierung sehr hoch ist und viele beenden nach den ersten Einsätzen ihr Training. Das bedeutet für Joseph leider auch, dass er während des laufenden Medizin Uni Semesters häufig einspringen muss.