Für Kinder und Jugendliche in der aktuellen Zeit wünsche ich mir, dass die Schule einerseits ein Ort ist, an dem sie ein sicheres Umfeld haben, und an dem sie für eine Zukunft vorbereitet werden, in der sich unsere Welt ökologisch, sozial und wirtschaftlich transformieren muss.

Jan Wenzel, Bereichsleiter Stärkung der Zivilgesellschaft bei VENRO sowie Mitglied im Sprecherrat Bündnis für Gemeinnützigkeit, Foto: VENRO/Jörg Farys

Was war Dein erster persönlicher Bezug zu freiwilligem Engagement? 

Mein erster intensiver Bezug zu freiwilligem Engagement ergab sich aus meinem Schüleraustausch 1994-1995 in Guatemala. Ich durfte als Sechzehnjähriger ein Jahr in einer Familie in Guatemala leben und dort in die Schule gehen. Der AFS Interkulturelle Begegnungen e.V. organisiert seit über 70 Jahren diese Austausche auf der Basis von ehrenamtlicher Arbeit. Das hat mich überzeugt und gepackt, sodass ich mich in den sieben Jahren nach meiner Rückkehr nach Deutschland dort sehr intensiv engagiert habe. Wir reden da ja noch über die Nachwendezeit und als jemand, der in Potsdam geboren ist, haben wir damals die Strukturen für diesen interkulturellen Austausch auch in den ostdeutschen Bundesländern aufgebaut. Das war eine sehr schöne und inspirierende Tätigkeit.  

Wenn Du nochmal in Deine Schulzeit zurückgehen könntest – was würdest Du anders machen, und was genauso?  

Ich fand meine Schulzeit trotz des sehr festen und formalen Settings der Schule sehr schön, weil es der Ort war, an dem ich meine Freunde getroffen habe und an dem wir unsere Jugend verbracht haben. Es war nach der friedlichen Wende in Ostdeutschland und in Osteuropa eine Zeit der Transformation, in der viel und offen diskutiert wurde. Für mich würde ich rückblickend nichts verändern, aber für die Kinder und Jugendlichen in der aktuellen Zeit wünsche ich mir, dass die Schule einerseits ebenso ein Ort ist, an dem sie ein sicheres Umfeld haben, und an dem sie für eine Zukunft vorbereitet werden, in der sich unsere Welt ökologisch, sozial und wirtschaftlich transformieren muss. Dafür wünsche ich mir, dass den jungen Menschen Mut, Zutrauen und Zuversicht mitgegeben wird, dass sie und wir unsere Lebensweise so verändern können, dass die Welt nachhaltiger und gerechter wird.  

Stell Dir den Deutschen Engagemenpreis in 10 Jahren vor. Was siehst Du?

Das Engagement ist in Zukunft für noch mehr Menschen möglich und kein Privileg derer, die das Bewusstsein, die Zeit und Mittel dafür haben. Die Voraussetzung ist, dass wir die sozialen, technischen und ökonomischen Innovationen so nutzen, dass mehr Raum für die Lösung der großen gesellschaftlichen Aufgaben zur Verfügung steht. Die große Transformation wird dann nicht als Last, sondern als inspirierende Aufgabe für ein gutes Leben Aller empfunden. Beim Deutschen Engagementpreis können wir diese Lösungen dann gemeinsam feiern und würdigen. Insofern wird die Würdigung und Feier konstant bleiben, aber das Engagement muss dann nicht mehr so viele Lücken schließen, sondern ist noch mehr als heute schon ein anerkannter Motor für gesellschaftliche Entwicklung. 

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