Hier brennt nichts an
Die Feuerwehr Lüchow-Dannenberg hat ein Rezept gefunden, Menschen fürs Ehrenamt zu begeistern.
Was tun wenn's brennt und keiner kommt? Das ist gar nicht mal so ein unrealistisches Szenario. Freiwillige Feuerwehren in ganz Deutschland haben große Nachwuchssorgen. So weit wollte es Heiko Bieniußa von der Kreisfeuerwehr Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen gar nicht kommen lassen und startete die Kampagne 112 Prozent Ehrenamt – mit großem Erfolg.
Ohne freiwilliges Engagement geht nichts
Rund 22.000 Freiwillige Feuerwehren gibt es in Deutschland. Dem gegenüber stehen etwas mehr als 100 Berufsfeuerwehren. Die Zahlenverhältnisse sind deutlich und machen vor allem eines klar: Ohne freiwilliges Engagement geht nichts. Schon gar nicht in Lüchow-Dannenberg, wo der abwehrende Brandschutz rein ehrenamtlich organisiert ist und die nächsten Berufsfeuerwehren über 100 Kilometer entfernt liegen.
Etwa 3.000 Männer und Frauen engagieren sich ehrenamtlich in der Freiwilligen Feuerwehr in Lüchow-Dannenberg. Und auch wenn die Feuerwehr Lüchow-Dannenberg vor drei Jahren noch keine wirklichen Mitgliedersorgen hatte, musste sich Pressereferent Heiko Bieniußa nur die Entwicklung der nächsten zehn Jahre anschauen, um festzustellen, dass mehr als 500 Kamerad*innen allein durch Erreichen der Altersgrenze ausscheiden werden. Um gar nicht erst in dramatische Situationen zu kommen, wusste er, dass es Zeit zum Handeln ist: Er rief die Kampagne 112 Prozent Ehrenamt ins Leben.
Ziel war es, die ehrenamtlichen Tätigkeiten durch eine Imagekampagne zu stärken, zu informieren, sensibilisieren, aufzuklären und dafür zu sorgen, dass „Feuerwehr“ in der Öffentlichkeit stärker und anders wahrgenommen wird. Und natürlich auch Menschen dafür zu begeistern, sich bei der Freiwilligen Feuerwehr zu engagieren. Das hat geklappt: Im letzten Jahr konnten sie 150 neue Einsatzkräfte gewinnen und einen Mitgliederzuwachs von 5 Prozent verzeichnen.
Die Erfolgsfaktoren der Kampagne
Heiko Bieniußa ist davon überzeugt, dass mehrere Faktoren für diesen Erfolg verantwortlich sind. „Gerade am Anfang unserer Kampagne haben wir Gesichter und die Geschichten dahinter präsentiert. Dabei lag ein Fokus darauf, mit Feuerwehrleuten von der Basis Feuerwehrleute für die Basis zu gewinnen. Wir haben bewusst darauf verzichtet, Führungskräfte zu portraitieren,“ erklärt er. Auch der starke regionale Bezug der Kampagne hat sich positiv ausgewirkt. Die Kampagne wurde von den eigenen Leuten umgesetzt, nicht von einer teuer bezahlten Werbeagentur. Sowohl mit den ausgewählten Protagonist*innen als auch den gewählten Motiven und Storys konnten sich die Menschen aus der Region deutlich stärker identifizieren als es bei einer überregionalen Kampagne möglich gewesen wäre.
Ein weiterer Erfolgsfaktor ist für Bieniußa Ehrlichkeit: „Wir haben nicht gejammert ‚wir brauchen Leute‘, wir haben auch nicht gedroht ‚ihr müsst selber löschen, wir haben keine Leute‘. Stattdessen haben wir ganz ehrlich mal gefragt, warum sich Leute in den Freiwilligen Feuerwehren engagieren und haben versucht, diese Motive in unseren Geschichten zu transportieren. Ganz nach dem Motto: Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.“
Feuerwehr Lüchow-Dannenberg in den ARD-Tagesthemen
Mit Bekanntwerden der ersten Erfolgsmeldung stand bald das Telefon von Heiko Bieniußa nicht mehr still. NDR, ZDF, Sat1Regional, RTL Nord und sogar die ARD-Tagesthemen haben über ihre Arbeit berichtet. Die omnipräsente öffentliche Präsenz half nicht nur das Ehrenamt Feuerwehr bekannter zu machen, sondern auch ein Zeichen der Wertschätzung für die Arbeit der ehrenamtlichen Einsatzkräfte zu senden. Die nächste Herausforderung liegt für Bieniußa jetzt darin, über die Ortsfeuerwehren den persönlichen Austausch mit den Menschen vor Ort zu stärken. Dafür ist geplant, diesen eine gefüllte „Werkzeugkiste“ mit Ideen und Konzepten bereitzustellen.
Und was rät er anderen Vereinen und Organisationen, wie sie die Menschen dafür gewinnen können, sich freiwillig zu engagieren? „Stellt Öffentlichkeit her, informiert über Eure Projekte, über eure Ehrenämter. Tragt Eure Begeisterung nach außen und steckt so andere an. Und vor allen Dingen: Was auch immer ihr tut, bleibt ehrlich - ehrlich zu den Menschen und ehrlich zu Euch selbst. Setzt keine zu hohen Erwartungen, bleibt geerdet. So werdet ihr nicht enttäuscht und werdet erfolgreich sein.“