Hasskommentare, menschenfeindliche Aussagen oder gruppenbezogene Beleidigungen – das ist für viele Menschen Alltag im Internet. Zusammengefasst werden diese Phänomene häufig unter dem Begriff Hatespeech. Doch was genau bedeutet dieser Begriff, wie gefährlich ist diese Form der digitalen Gewalt und wie kannst du dich dagegen einsetzen?

Was genau ist Hatespeech eigentlich?

Der Begriff Hatespeech kommt vom amerikanischen Konzept „hate speech”, das vor allem in juristischen, soziologischen und politischen Bereichen genutzt wird. Übersetzt heißt das so viel wie Hassrede. Im deutschsprachigen Raum hat sich aber vor allem die Variante Hatespeech durchgesetzt.

Hatespeech ist eine Form digitaler Gewalt. Unter letztere fallen verschiedene Arten von Belästigung, Herabwürdigung, Diskriminierung oder sozialer Isolation im Internet oder mit Hilfe elektronischer Kommunikationsmittel.

Das Konzept Hassrede bezieht sich auf verbal oder schriftlich geäußerte, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und meint damit unter anderem rassistische, sexistische oder antisemitische Aussagen. Es können auch Beleidigungen, Drohungen oder Aufrufe zur Gewalt darunterfallen. Eine klare Definition gibt es nicht, weswegen mit dem Begriff manchmal auch allgemeiner Hass im Internet gemeint ist.

Generell gilt aber, dass Hatespeech weniger den Hass auf eine Einzelperson meint, sondern auf eine Gruppe von Menschen bezogen ist. Wenn also eine Frau von ihrem Kollegen beleidigt wird, dann ist das eventuell strafbar, aber nicht unbedingt Hatespeech. Wenn der Kollege allerdings alle Frauen als zu emotional und damit arbeitsunfähig beschimpft, dann ist das zwar nicht zwingend strafbar, aber, da es Hass gegen eine bestimmte Gruppe von Menschen ist, Hatespeech.

Digitale Gewalt bedroht unsere Demokratie!

Hatespeech und andere Formen von Hass im Internet betreffen uns als ganze Gesellschaft. Denn die hasserfüllten Aussagen schüchtern Menschen ein und verdrängen sie so aus dem öffentlichen Diskurs. Das schränkt die Meinungsfreiheit der Betroffenen ein.

Auch die Meinungsvielfalt leidet unter Hassrede. Betroffene ziehen sich zurück und äußern ihre Ansichten nicht mehr. Während andere Stimmen im Netz mittlerweile überrepräsentiert sind: Hater*innen bestätigen sich untereinander, stacheln sich gegenseitig auf und radikalisieren sich. Das hat häufig auch offline Auswirkungen. In manchen Fällen, wie in Hanau 2020, führt das sogar zu terroristischen Anschlägen.

Eine Studie der Uni Leipzig zeigt, dass die Zahl von Betroffenen von Hatespeech ansteigt. Auch die HateAid-Betroffenenberatung trifft in Gesprächen immer wieder auf Vorfälle von Hatespeech. Wir haben mit einigen Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen und selbst Hass im Netz erfahren, gesprochen:

„Hass und Hetze verdrängen Menschen aus dem digitalen Raum. Das ist sehr gefährlich für unsere Demokratie. Deswegen müssen wir uns vor Gericht gegen solche Täter*innen wehren. Nur so schützen wir uns und unsere Gesellschaft,” so der flüchtlingspolitische Sprecher von PRO ASYL Tareq Alaows, der selbst digitale Gewalt erleben musste und sich damit an HateAid wandte. Die Autorin und Politikberaterin Julia Ebner erzählte uns: „Ich glaube, dass mittlerweile jede*r Zielscheibe von Hassangriffen (…) werden kann. Es werden natürlich immer mehr Journalist*innen, Aktivist*innen, auch Forscher*innen und natürlich Politiker*innen davon getroffen. Aber es können auch komplett zufällige Menschen mit einem Facebook-Account sein.”

Solche Gespräche, unsere Arbeit mit Betroffenen und Studien zum Thema Hatespeech zeigen, wie präsent und real diese Gewalt ist.

Das kannst du gegen Hatespeech tun:

Auch im Internet gelten Gesetze. Das bedeutet, dass Beleidigungen, Bedrohungen oder Volksverhetzung selbstverständlich auch strafbar sein können, wenn sie im Netz passieren. Zwar ist nicht jede Hassrede strafbar, jedoch solltest du das immer prüfen lassen. Darüber hinaus kannst du dich an unsere Berater*innen wenden, die sich deinen Fall gerne anschauen und dich unterstützen.

Wenn du Hassrede erfährst, solltest du auf jeden Fall:

  • rechtssichere Screenshots erstellen,
  • den Inhalt bei der jeweiligen Plattform melden,
  • Hatespeech bei der Meldestelle Hessen gegen Hetze melden,
  • Anzeige bei der Polizei erstatten, wenn der Inhalt rechtswidrig sein könnte,
  • Hater*innen blockieren, wenn du dich damit besser fühlst,
  • Selbstfürsorge betreiben und vielleicht einen digitalen Detox machen,
  • deine Situation und Belastung ernstnehmen und mit anderen darüber sprechen.

Gemeinsam für ein sicheres Internet!

Manchmal sind wir von digitaler Gewalt nicht selbst betroffen, aber stoßen auf sie, während wir auf sozialen Plattformen unterwegs sind. Auch dann kannst du was tun:

Zeige digitale Zivilcourage:

Nur wenn wir uns gegenseitig unterstützen und nicht wegschauen, können wir unsere Demokratie schützen. Füreinander Einstehen ist Zivilcourage. Das kannst du im Netz schon durch ein Like für einen guten Gegenkommentar oder eine unterstützende Direktnachricht zeigen. Manchmal hilft es auch, wenn du selbst Gegenrede nutzt.

Betreibe gute Gegenrede:

Wenn du Hassrede im Netz siehst und denkst, dass du einen konstruktiven und sinnvollen Kommentar beisteuern kannst, dann kannst du dich in Counterspeech, also Gegenrede, versuchen. Achte darauf, dass du damit die Situation nicht noch mehr anheizt, sondern die Betroffenen unterstützt. Ein friedlicher, schlagfertiger und informativer Kommentar kann sehr hilfreich sein.

HateAid setzt sich täglich für ein besseres Netz ein, aber wir können das nur gemeinsam mit vielen Menschen. Deswegen: Wehr dich gegen digitale Gewalt und tu dich mit anderen zusammen. In unserem Ratgeber findest du weitere Tipps im Umgang mit Hass im Netz.

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