Gebt den Engagierten eine Bühne
Interview mit Björn Flick von Wäller Helfen
Wäller Helfen ist eines der größten Nachbarschaftsnetzwerke in Rheinland-Pfalz. Ursprünglich mit den Schwerpunkten Nachbarschafsthilfe und Umweltschutz enstanden, ist der Verein seit dem Hochwasser im Ahrtal insbesondere in der Katastrophenhilfe engagiert. Wäller Helfen wurde 2022 mit dem Sonderpreis der Jury des Deutschen Engagementpreises ausgezeichnet.
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Vom nur auf der Couch sitzen bewegt man nichts.
Wie kam es zu Ihrem Engagement, was war der Auslöser?
Mein Engagement besteht seit mehr als 27 Jahren. So lange bin ich nämlich schon in verschiedenen Ämtern ehrenamtlich tätig. Weil ich meinem Motto treu geblieben bin: „Vom nur auf der Couch sitzen bewegt man nichts."
Haben Sie ein oder mehrere Beispiele, was Sie als besonders eindrücklich in Ihrem Engagement erlebt haben?
Besonders eindrücklich für mich war die Hilfe in Katastrophen: Die Dankbarkeit der Menschen im Ahrtal, sowie die stark emotionalen Momente während der Arbeit mit ukrainischen Geflüchteten. Das hat einen starken Einfluss auf mein Tun gehabt. Und es hat mir immer wieder gezeigt, dass die Arbeit, die wir machen, so wertvoll ist.
Wo erfahren Sie eine besonders große Wirksamkeit?
Unsere Wirksamkeit, die klein und unscheinbar begann, erstreckt sich mittlerweile über die ganze Welt. Aktuell haben wir grade mit einem Partner einen Kindergarten und ein Schulzelt mitten im Erdbebengebiet in der Türkei realisiert. Und kurz nach der Verleihung des Deutschen Engagementpreises in Berlin waren wir wieder in der Ukraine im Krisengebiet. Ich bin immer noch völlig überwältigt, was aus unserem Verein in so kurzer Zeit geworden ist.
Was beschäftigt Sie gerade?
Aktuell bereiten wir uns gemeinsam mit den Hilfsorganisationen und weiteren ehrenamtlichen Netzwerken auf eventuelle Krisen im eigenen Land vor. Wir stellen uns selbst so auf, dass wir im Falle eines länger anhaltenden Stromausfalls weiter autark arbeiten und helfen können.
Was sind aktuelle Herausforderungen in Ihrem Verein?
Wir stehen täglich vor neuen Herausforderungen. Aktuell merken wir, dass die Arbeit, die wir machen, ehrenamtlich nicht mehr zu schaffen ist. Wir suchen hauptamtliche Mitarbeiter*innen, und auch Möglichkeiten, diese ausreichend zu finanzieren.
Sicherlich gab es auch schwierige Momente oder Rückschläge. Wie gehen Sie damit um?
Wir beschreiben Schwierigkeiten und Kritik nicht als Rückschläge, sondern als Ansporn und Inspiration, besser zu werden. Kritik kommt oft von Neidern, oder Menschen, die unsere Arbeit nicht richtig verstehen. Wir gehen damit dann ganz offen um und arbeiten sehr transparent.
Wäller Helfen hat in diesem Jahr selbst einen Preis vergeben. Wie kam es dazu?
Wir haben zum ersten Mal selbst einen Preis vergeben, weil wir gemerkt haben, dass es Personen gibt, die oft durchs Raster fallen, die aber außergewöhnliche Dinge tun. Durch unser gigantisches Netzwerk haben wir Kontakt zu diesen Menschen und uns dazu entschlossen, diese Menschen mit einem Preis zu würdigen.
Was sollte aus Ihrer Sicht getan werden, um die Wertschätzung derjenigen zu stärken, die sich engagieren?
Um die Wertschätzung zu stärken, bedarf es solcher Veranstaltungen wie die der Preisverleihung des Deutschen Engagementpreises. Gebt den Organisationen, die unser Land weiter nach vorne bringen und unterstützen, eine Bühne. Nehmt unsere Arbeit als Vorbild für eigene Aktionen oder schließt euch Netzwerken in Euren Regionen an. Und stellt Förderprogramme auf, die es besser ermöglichen, auch Personal beschäftigen zu können.
Weitere Informationen:
Wäller Helfen e. V. ist eines der größten Nachbarschaftsnetzwerke in Rheinland-Pfalz. Als Plattform von Hilfesuchenden und Helfer*innen hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen in der Region Unterstützung zu bieten. Ursprünglich ist das Netzwerk mit den Schwerpunkten Nachbarschaftshilfe und Umweltschutz entstanden. Seit dem Hochwasser im Ahrtal ist es in der Katastrophenhilfe engagiert: Die ehrenamtlichen Helfer*innen sammelten Spenden und fuhren jedes Wochenende mit Bussen ins Ahrtal. In kurzer Zeit konnten mehr als 320.000 Euro für das Ahrtal und außerdem mehr als 125.000 Euro Spenden gesammelt werden, um den Ukrainer*innen im Heimatort beizustehen. Der Verein möchte hilfsbedürftige Menschen unterstützen und für Selbst- und Nachbarschaftshilfe der Bürger*innen werben.