Der Weiterentwickler: Paul Goldschmidt
Bei Paul Goldschmidt gehört Kopiertwerden zum Konzept. Die Ergebnisse seines Engagements möchte er möglichst vielen Personen zugänglich machen.
Der Duden bezeichnet einen „Tausendsassa“ einen „vielseitig begabten Menschen, dem man Bewunderung zollt.“ Auf den 21-jährigen Paul Goldschmidt trifft diese Kategorie mit Sicherheit zu. Nicht nur weil er im letzten Jahr den Deutschen Engagementpreis für die Entwicklung eines öffentlich zugänglichen Luftqualitäts-Messsystems gewonnen hat.
Doch gehen wir zunächst zurück ins Jahr 2020. Die COVID-19-Pandemie stellte die Gesellschaft vor enorme Herausforderungen, davon war auch der Schulbetrieb betroffen. Die Ansteckungsgefahr durch Luftaerosole war ein ständiges Thema und richtiges Lüften von großer Bedeutung. Das war allerdings nicht einfach. So genannte CO-2 Ampeln versprachen Abhilfe, waren aber teuer und standen vielen Schulen nicht zur Verfügung. „Mir fiel auf, dass mit dem Schulbetrieb in Präsenz und fest vorgeschriebenen Lüftungszyklen unglaubliche Mengen Energie verheizt wurden, um in den Klassenzimmern bei niedrigen Außentemperaturen die Temperatur auf einem akzeptablen Niveau zu halten.“ Und so machte sich Paul Goldschmidt an die Entwicklung einer kostengünstigeren Alternative, die einfach nachgebaut werden konnten.
Kopiert werden gehört zum Konzept
Das Besondere an Goldschmidts Idee: Das Projekt wurde für alle offen und dokumentiert zur Verfügung gestellt, um es möglichst vielen Personen zugänglich zu machen. Mit der Zeit wurde es schnell auch über die Grenze von Goldschmidts Schule bekannt und immer mehr Menschen engagierten sich in dem Projekt. Aus dem Ein-Personen-Projekt entstand eine Community. Diese kümmert sich um die Weiterentwicklung und um Workshops, bei denen Schüler*innen die Messstation nachbauen konnten und dadurch praktisches MINT-Wissen vermittelt bekamen.
„Mit der Veröffentlichung als Open-Source-Projekt wollte ich die technischen Spezifikationen möglichst vielen Menschen unkompliziert zur Verfügung stellen. Damit konnten sich gleichzeitig alle Interessierten in dem Projekt einbringen.“ Doch wie entsteht aus einer Idee eine Community? Manche Menschen schrieben ihm ihre Ideen, andere machten Verbesserungsvorschläge – und um alle Stränge zusammenzubringen eröffnete er eine gemeinsame Kooperationsplattform.
Community-Ansatz: Offen, direktdemokratisch und mit festen Zuständigkeiten
Die Plattform verfolgt einen direktdemokratischen und offenen Community-Ansatz: Jede*r kann sich beteiligen. Gleichzeitig wurden feste Zuständigkeiten verteilt, beispielsweise für die technische Weiterentwicklung oder die Finanzierung. Neben der virtuellen Zusammenarbeit sind aber auch Treffen im direkten Austausch entscheidend. Ganz wichtig sei es auch, ein Gruppengefühl herzustellen - zum Beispiel sich gelegentlich abends gemeinsam zu treffen oder gemeinsam das Projekt in einer Werkstatt weiterzuentwickeln.
Goldschmidt sagt, dass alles mit dem Drang angefangen habe, den Status Quo nicht länger hinzunehmen: „Damals hatte ich gesehen, wie in einer kommunalen Jugendbeteiligungsstelle junge Erwachsene, die kaum älter als ich waren, etwas für die junge Bevölkerung bewegen konnten. Dies hat mich dazu gebracht, mich dort auch zu bewerben und schließlich erste Projekte in der Jugendbeteiligung durchzuführen und dann selbst zu organisieren.“ So führte bald eins zum anderen und schon bald war er praktisch seine ganze Freizeit im Ehrenamt aktiv. „Für mich ist es wichtig, dass ein Austausch unter Menschen stattfindet, die sich engagieren, und dass diese auch in der Öffentlichkeit über ihr Engagement berichten können.“
Es geht ums Weiterentwickeln
Wenn Goldschmidt mal nicht am Tüfteln ist, oder sich seinem Maschinenbaustudium widmet, kümmert er sich in seinem Medizin-IT-Startup um Lösungen für eine digitalisierte Gesundheitslandschaft. „Und ansonsten nehme ich gerne an Triathlons teil oder reise mit allen denkbaren Verkehrsmitteln - vom Segelschiff bis zum Fahrrad - durch die Welt und erkunde andere Kulturen,“ erzählt Goldschmidt.
Seit dem Gewinn des Deutschen Engagementpreises im letzten Dezember hat sich einiges getan: Die größere öffentliche Aufmerksamkeit mündete in weiteren Workshops und Menschen, die sich an den Projekten beteiligen. Mit dem Preisgeld konnte er weitere Workshops in ganz Deutschland durchführen und zeitweise eine Werkstatt ins Leben rufen, in der er mit anderen an der Weiterentwicklung des Projektes arbeiten konnte. Und die Preisverleihung hatte auch einen nachhaltigen Effekt: Mit einigen der Meschen, die Goldschmidt dort kennengelernt hat, steht er bis heute in gutem Kontakt.
„Für mich persönlich ist und bleibt die beste Motivation für mein Engagement jedoch immer der Faktor Mensch: Mit einer Gruppe, welche untereinander Interessen teilt, Wissen vermittelt und sich Hilfe gegenseitig anbietet, entsteht nicht nur die Chance, die Welt zum Positiven zu verändern, sondern auch sich selbst zu entwickeln.“